„Katsche“ Schwarzenbeck im Gespräch

„Woher soll der Ribery mich kennen?“

16. Mai 2008 Er wurde fünfmal deutscher Meister mit dem FC Bayern, dazu Welt- und Europameister mit der deutschen Nationalmannschaft. Im Gegensatz zu vielen anderen war er immer eher der ruhige Vertreter. An diesem Samstag beim letzten Saisonspiel Bayern Münchens gegen Hertha BSC Berlin (15.30 Uhr / Live bei Premiere und im FAZ.NET-Liveticker) darf Georg Schwarzenbeck die Meisterschale überreichen.

Herr Schwarzenbeck, wie haben Sie reagiert, als man Sie bat, die Meisterschale zu überreichen?

Ich war selbst von mir überrascht. An und für sich bin ich ein zurückhaltender Mensch. Aber als mich Bayern-Pressesprecher Markus Hörwick fragte, ob ich das machen möchte, habe ich nicht lange nachgedacht und zugesagt. Es kommt ja nicht jeden Tag vor, dass man die Schale übergeben darf.

Haben Sie sich schon überlegt, was Sie Oliver Kahn sagen werden?

Nein, das mache ich spontan. Aber es wird sicher kein langer Monolog werden. Ich denke, eine kurze Gratulation wird dem Oliver Kahn auch am liebsten sein. Und mir sowieso. Ich bin kein großer Redner.

Sie sind ein verdienter Spieler des FC Bayern und hatten maßgeblich Anteil an den Erfolgen in den 70er Jahren. Kommen Sie deshalb zu dieser Ehre?

Das mag sicher ein Grund dafür sein, dass man auf mich zugekommen ist. Es zeigt, dass man beim FC Bayern die Spieler von früher nicht vergisst.

Haben Sie denn noch Kontakt?

Ich betreibe ja in München einen Schreibwarenladen und beliefere die FC Bayern-Geschäftsstelle mit Bürobedarf - seit 28 Jahren schon. Zweimal in der Woche bin ich an der Säbener Straße. Da treffe ich den Gerd Müller, den Kurt Niedermayer oder den Wolfgang Dremmler. Den Uli Hoeneß eher selten, weil er so viel unterwegs ist.

Haben Sie es schon einmal bereut, nach dem Karriereende nicht wie Ihre Teamkollegen im Fußball eine neue Aufgabe gesucht zu haben?

Ich habe es sehr genossen, mit Beckenbauer, Müller und Maier spielen zu dürfen. Aber als ich aufhörte, war das Verlangen nicht da, weiter im Fußball-Geschäft zu arbeiten. Das Leben als Trainer oder Manager wäre mir viel zu stressig gewesen.

Glauben Sie, dass Ribéry oder Luca Toni mit dem Namen Schwarzenbeck etwas anfangen können?

Vermutlich nicht. Ribéry ist 25 Jahre alt, woher soll der mich kennen? Viele Leute, die in meinen Laden kommen, wissen nicht, dass ich früher beim FC Bayern gespielt habe. Das macht mir aber nichts aus. Ich wollte ja nie im Rampenlicht stehen.

Es gibt aber bestimmt viele Kunden, die den "Katsche" sehr wohl kennen. Wird oft über Fußball gesprochen?

Sehr oft. Fußball ist das wichtigste Gesprächsthema hier im Laden. Und das ist mir auch recht so.

Und was sagen Sie zur Meistermannschaft 2008?

Es ist sensationell, wie die neuen Leute gleich eingeschlagen haben. Ich bin gespannt, wie der Jürgen Klinsmann die Sache in München angeht.

Die Fragen stellte Roland Wiedemann.



Text: F.A.Z.
Bildmaterial: dpa

 
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