Denk ich an Deutschland

„Schnitzel und Grünkohl kenne ich“

Ein Brasilianer in Deutschland: Grafite

Ein Brasilianer in Deutschland: Grafite

25. November 2009 Im vergangenen Jahr avancierte Grafite zum treffsichersten Stürmer der Bundesliga. Mit 28 Toren sicherte er sich die Torjägerkanone und wurde sogar zu Deutschlands Fußballer des Jahres gewählt. Grafite ist in seiner sportlichen Heimat zudem deutscher Meister geworden.

Außerdem ist er einer von 6,7 Millionen Ausländern in der Republik. Im Interview spricht der brasilianische Stürmer des VfL Wolfsburg über sein Leben im kalten Deutschland zwischen guter Organisation, Schnitzel, Grünkohl und schönen Frauen.

Grafite, Sie sind Brasilianer, spielen beim VfL Wolfsburg, sind Torschützenkönig der Liga. Was gefällt Ihnen an Deutschland?

“Man lebt in Europa besser als in Brasilien“

"Man lebt in Europa besser als in Brasilien"

Ich mag die Organisation, die klaren Regeln und deren Einhaltung. Mir gefällt auch, wie hier Kinder erzogen werden und dass man sich gegenseitig respektiert.

Was gefällt Ihnen nicht?

Das ist ganz klar: die Kälte!

Ist der Winter nicht ein Vorteil, weil man hübsche Mäntel, schöne Schals und warme Pullis tragen kann?

Ja, schon. Aber mir scheint es so, als ob jeder in Deutschland Schwarz trägt. Es könnte farbiger sein. Ich persönliche trage gerne Schals und Mützen.

Wenn es kalt wird, isst man hier Grünkohl. Haben Sie schon mal Grünkohl gegessen? Und wie ist es mit Schnitzel? Oder Altbier, trinken Sie Altbier?

Ja, Schnitzel und Grünkohl kenne ich. Altbier nicht. Ich trinke keinen Alkohol.

Mögen Sie deutsche Frauen?

Ja, sie sind schön.

Was fehlt Ihnen am meisten aus Ihrer Heimat?

Meine Familie. Aber natürlich auch das Klima und der Strand. Mittlerweile habe ich mich daran gewöhnt und sehe Brasilien als Urlaubsland. Ich mag es hier, und auch die Kälte macht mir nicht mehr so viel aus.

Was wundert Sie an Deutschland?

Ich wundere mich über nichts, aber ich bewundere einiges. Zum Beispiel, wie es den Deutschen gelungen ist, nach dem Krieg, der vieles zerstört hat, aus ihrem Land ein führendes Wirtschaftsland gemacht zu haben. Und ich bewundere ihre Intelligenz, die immer neue Erfindungen hervorbringt.

Werden Sie mit der Familie deutsche Weihnachten feiern?

Ja, der Baum steht schon. Und auch der Weihnachtsmann wird uns besuchen.

Wie unterscheidet sich eine deutsche Kneipe von einer brasilianischen Bar?

Das weiß ich leider nicht, ich war noch nie in einer deutschen Kneipe. Ich kenne bislang nur Cafés - und da gibt es keine großen Unterschiede.

Sie haben gern Ihren Übersetzer dabei. Ärgert Sie die deutsche Sprache?

Ich ärgere über mich selbst, weil ich nicht alles verstehe oder ausdrücken kann. Ich müsste mehr lernen. Ich kenne viele Worte nicht. Die Deutschen sprechen sehr schnell, das macht es nicht einfacher. Es ist eine schwierige Sprache.

Weiß man in Brasilien, dass Deutschland bis vor 20 Jahren aus zwei Staaten bestand?

Ich weiß das. Ich habe schon als Kind viel davon gehört oder im Fernsehen gesehen. Seit ich hier in Deutschland bin, habe ich noch mehr davon mitbekommen. Ich habe Interesse an der deutschen Geschichte.

Sie haben in Brasilien, Südkorea, Frankreich und Deutschland gespielt und gelebt - wo möchten Sie nach der Karriere leben?

In Brasilien, aber teilweise auch in Europa. Vielleicht sechs Monate dort und sechs Monate hier. Man lebt in Europa besser als in Brasilien. Es ist besser für die Erziehung, für die Zukunft und Sicherheit meiner Kinder, hier zu leben.

Das Gespräch führte Frank Heike.

Grafite mit dem wertvollsten Pokal Deutschlands
Grafite mit dem wertvollsten Pokal Deutschlands

Denk ich an Deutschland

Gemeinsam haben die Alfred Herrhausen Gesellschaft und die Frankfurter Allgemeine Zeitung eine neue Konferenz entwickelt, die sich mit Deutschlands Stärken, Schwächen und Problemen beschäftigt. Ziel ist es, frei von jeglichen „Denkverboten“ der Parteien, eine objektive aber leidenschaftliche Bestandsaufnahme der deutschen Politik, Wirtschaft und Kultur - aus deutscher und internationaler Sicht - zu präsentieren. Die erste Veranstaltung findet an diesem Mittwoch in Berlin statt. Weitere Informationen finden Sie unter www.denkichandeutschland.net.

Text: F.A.Z.
Bildmaterial: ddp, dpa, REUTERS

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