Von Rainer Seele
27. April 2008 Die Frage mag provozierend klingen, aber man muss sie jetzt auch an dieser Stelle mal stellen dürfen: Kann man im Knast gute Laune haben? Man kann, das steht fest. Das lässt sich auch an einem aktuellen Beispiel aus Stuttgart-Stammheim gut festmachen. Dort traten unlängst die Stuttgarter Kickers an, sie spielten gegen eine Juniorenauswahl der Justizvollzugsanstalt – und prompt überrannten sie nun in der Regionalliga den Aufstiegskandidaten VfR Aalen mit 5:1 Toren.
Ein Gefängnisbesuch mit befreiender Wirkung? Auf alle Fälle scheint dieser Ausbruch aus dem Alltag den Kickers – und den Häftlingen – keineswegs geschadet zu haben. Immer wieder suchen Fußballtrainer, vor allem in schwierigen sportlichen Zeiten, ja nach ungewöhnlichen Methoden, um ihr Personal ein wenig aufzuheitern.
Hemmende Hängepartie für den Hamburger SV
Da hatte nun auch Huub Stevens einen glorreichen Einfall: Der Niederländer schickte die Profis des Hamburger SV auf die Kartbahn. Vermutlich hat es ihnen tatsächlich Spaß gemacht, ein bisschen Schumi zu spielen – allerdings mangelte es den Hamburgern am Samstag in der Bundesliga dann doch wieder an Tempo. Niederlage gegen Schalke 04, kaum noch Aussicht auf die Champions League, bestenfalls reicht es jetzt noch für Reisen in Städte wie Wladikawkas, für den Uefa-Cup also.
Ist dem HSV noch zu helfen? Weder ist die Mannschaft des zum Saisonende scheidenden Stevens stabil genug, um die Liga-Herausforderungen zu bewältigen, noch scheint die Führung des Klubs Entschlossenheit und Einigkeit bei der Suche nach einem Nachfolger für Stevens zu zeigen. Zwar weisen die Hanseaten einen Zusammenhang zwischen der sportlichen Flaute und der bevorstehenden Demission von Stevens entschieden zurück. Gleichwohl könnte die andauernde Hängepartie in Sachen Neubesetzung eines wichtigen Postens belastend, vielleicht sogar hemmend auf das Team wirken.
Einkehr hinter wirklich verschlossenen Türen?
Nichts geht voran in Hamburg, die Situation mutet, da wie dort, verfahren an. Geduld, Ruhe: Das sind die Hamburger Schlagworte in diesen Tagen. Nur nichts überstürzen bei der Wahl des künftigen Fußballlehrers, lieber genau abwägen und mit detektivischer Akribie den Markt sondieren. Schließlich soll ja der Richtige verpflichtet werden. Das ist grundsätzlich eine begrüßenswerte Haltung. Allerdings erwecken die hanseatischen Fußball-Kaufleute derzeit auch den Eindruck, konsequentes Handeln zu scheuen.
Im Gegensatz etwa zu ihren Gelsenkirchener Kollegen, die sich flugs neu orientierten und Fred Rutten unter Vertrag nahmen. Der HSV hingegen fahndet weiter – so lange vielleicht, bis doch nur noch eine Notlösung übrigbleibt. Und der Flug nach Wladikawkas endgültig gebucht werden kann. Womöglich täte auch einem Vereinsvorstand eine radikale Abwechslung mal gut. Macht ja vielleicht doch die Köpfe frei. In Hamburg sollte es an Möglichkeiten nicht fehlen. Warum nicht eine Einkehr hinter wirklich verschlossenen Türen? In Fuhlsbüttel etwa.
Text: F.A.Z.
Bildmaterial: AP
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