Gespielt wird eben doch nicht immer. Und das ist nur zu verständlich nach dem unfassbaren Tod von Robert Enke. Am Deutschen Fußball-Bund (DFB) und seiner Nationalmannschaft war es tags darauf, ein Zeichen des Innehaltens zu setzen. Es war das richtige in einem Moment, da niemand unter den Kameraden des verstorbenen Torwarts der DFB-Auswahl auch nur entfernt in der Lage war, sich mit dem für Samstag in Köln geplanten Länderspiel gegen Chile zu beschäftigen. Die vielen Gefühle und Gedanken waren bei dem aus dem Leben geschiedenen Hannoveraner, der in seinem Bundesligateam Kapitän und in der Nationalelf eine Persönlichkeit aus der ersten Reihe war.
Wie der DFB, voran sein Präsident Theo Zwanziger, aber auch der seine Tränen nicht verbergende Teammanager Oliver Bierhoff, das Gedenken an Enke, die Fragen nach dem Warum von dessen Freitod und die Gründe für die Spielabsage erläuterten, das atmete Würde und Gespür für die Außergewöhnlichkeit dieses Tages der tiefen Trauer.

Auch dass sich die Verantwortlichen beim DFB fest vorgenommen haben, vielleicht doch eine Antwort darauf zu finden, wie es dazu kommen konnte, dass sich ein Spitzensportler wie Robert Enke in eine ausweglose Situation versetzt sah, ist begrüßenswert. Doch die letzten Rätsel, die an schweren Depressionen leidende Menschen selbst ihren engsten Wegbegleitern aufgeben, sind oft genug von niemand mehr zu lösen.
In einem solchen Augenblick des elementaren Erschreckens ist jedenfalls kein Platz für den Fußball. Wo die Freude am Spiel fehlt und die Trauer über den Verlust eines Freundes zu groß ist, um für neunzig Minuten verdrängt werden zu können, ist die Entscheidung, eine sportliche Begegnung mit Chiles Nationalmannschaft abzusagen, tatsächlich alternativlos, wie Zwanziger am Mittwoch hervorhob.
Am Sonntag treffen sich die deutschen Nationalspieler in Düsseldorf wieder, um sich auf das Gelsenkirchener Länderspiel gegen die Elfenbeinküste drei Tage später vorzubereiten. Sich in den professionellen Alltag zurückzutasten, dürfte manchem schwer genug fallen. Andererseits ist es für alle Beteiligten vielleicht nicht so schlecht, dass von einem geplanten Doppelspieltag noch ein Spiel übrig bleibt. Die intensive Trauerphase kann so überführt werden in einen Fußballabend, den die Nationalelf gerade jetzt zu ihrer Selbstvergewisserung braucht.
Text: F.A.Z.
Bildmaterial: ddp