Bundestrainer Joachim Löw

Die Strategie: Die ersten sechs EM-Spiele gewinnen

04. Mai 2008 Bundestrainer Joachim Löw mag sich rund 30 Tage vor Beginn der Fußball-Europameisterschaft kein Rücktritts-Szenario ausmalen, wie es seine Vorgänger Rudi Völler und Erich Ribbeck bei den letzten zwei EM-Turnieren erlebt haben. „Also, sich über so etwas Gedanken zu machen, verwerfe ich total. Ich habe keine Negativ-Strategie“, sagte Löw bei einem Leser-Forum der „Bild am Sonntag“.

Der Nachfolger von Jürgen Klinsmann will bei der Endrunde vom 7. bis 29. Juni in Österreich und der Schweiz vielmehr einen Positiv-Plan realisieren: „Meine Strategie ist ganz einfach: Wir versuchen, die ersten sechs Spiele bei der EM zu gewinnen.“ Dann wäre Deutschland nach 1972, 1980 und 1996 zum vierten Mal Europameister.

Joachim Löw: „Es wird Zeit, dass es beginnt“

Für den angestrebten EM-Triumph müsste aber alles optimal laufen, wie Löw betonte: „Nur, wer in der Lage ist, alle sechs Spiele auf Top-Niveau zu spielen, wird Europameister“, meinte der 48-Jährige am Samstagabend bei einem gemeinsamen Auftritt mit DFB-Teammanager Oliver Bierhoff im „ZDF-Sportstudio“.

Seinem ersten großen Turnier als DFB-Chefcoach, auf das „wir zwei Jahre hingearbeitet haben“, fiebert Löw von Tag zu Tag mehr entgegen: „Es wird Zeit, dass es beginnt.“ Bierhoff erklärte in einem Interview mit „Spiegel online“ das WM- Abschneiden 2006 zum Maßstab für die EM: „Unser Mindestziel ist das Halbfinale“, sagte der 40-Jährige.

Bundestrainer ist von Platz zwei überzeugt

Der Teammanager erinnerte aber daran, dass die Nationalmannschaft seit seinem „Golden Goal“ im Finale gegen Tschechien beim letzten Titelgewinn 1996 in England kein EM-Spiel mehr gewinnen konnte. Für Löws Vorgänger Ribbeck (2000) und Völler (2004) war nach dem sieglosen Vorrunden-K.o. jeweils Schluss.

Löw ist „überzeugt“ davon, dass es in der Vorrunden-Gruppe mit Polen, Kroatien und Österreich mindestens zu Rang zwei und damit dem Einzug ins Viertelfinale reichen wird. Bei der Nominierung seines EM-Kaders erwägt er mit seinem Stab allerdings immer intensiver den Gedanken, den Kampf um die 23 Plätze doch noch bis zum EM-Testspiel gegen Weißrussland am 27. Mai in Kaiserslautern auszuweiten.

Löw auf den Auslese-Spuren von Beckenbauer

„Wir haben uns vorgenommen, dass wir bis zum 16. Mai eine definitive Entscheidung treffen, wie der Kader aussieht. Aber da einige Spieler jetzt verletzt waren oder auch angeschlagen sind, haben wir intern diskutiert, ob wir den einen oder anderen Spieler mehr mitnehmen ins Trainingslager nach Mallorca, um dann definitiv am 28. Mai zu entscheiden, wenn die Meldefrist bei der Uefa abläuft“, sagte Löw.

Er würde damit auf den Spuren von Franz Beckenbauer wandeln. Der „Kaiser“ hatte als bislang letzter Teamchef oder Bundestrainer vor der Weltmeisterschaft 1990 in Italien erst in der Vorbereitung seine Auslese beendet: Holger Fach war vor 18 Jahren derjenige, der aus dem damals noch 22 Spieler umfassenden WM-Kader gestrichen wurde.

„Das muss alle anregen nachzudenken“

Unterdessen mahnte Löw nach dem verpassten Einzug des FC Bayern München ins Uefa-Cup-Finale Konsequenzen im deutschen Fußball an. „Fakt ist, dass seit sechs Jahren kein deutscher Verein mehr in einem europäischen Finale war“, sagte er im „ZDF-Sportstudio“ zum unbefriedigenden Abschneiden der Fußball-Bundesliga-Vereine in den Europapopkal-Wettbewerben.

„Das muss alle anregen nachzudenken, was können wir optimieren“, meinte Löw, der „Ansatzpunkte“ zum gemeinsamen Handeln zwischen Deutschen Fußball-Bund (DFB) und Liga sieht. „Nur gemeinsam können wir es schaffen, dass deutsche Vereine oder die Nationalmannschaft dauerhaft zur Weltspitze gehören.“ Löw will dabei keineswegs die Philosophie der Nationalmannschaft „auf die Vereine überstülpen“.

Seit 2002 kein deutscher Klub in Europapokal-Finale

Allerdings sieht er klare Defizite im gesamten deutschen Fußball, insbesondere beim Spieltempo: „Im Spiel ohne Ball müssen wir uns alle noch steigern, um dauerhaft in der Weltspitze zu sein. Es ist nicht nur eine optische Täuschung, wenn in England schneller gespielt wird“, bemerkte der Bundestrainer.

Deutsche Vereine haben zuletzt 2002 in Europapokal-Endspielen gestanden. Bayer Leverkusen verlor vor sechs Jahren das Champions-League-Finale gegen Real Madrid mit 1:2. Borussia Dortmund unterlag in derselben Saison im Uefa-Cup-Endspiel mit 2:3 gegen Feyenoord Rotterdam. Der letzte deutsche Titelgewinn gelang Bayern München 2001 in der Champions League. Das Uefa-Cup-Finale 2008 hatten die Bayern am vergangenen Donnerstag durch eine 0:4-Niederlage im Halbfinal-Rückspiel bei Zenit St. Petersburg verpasst.



Text: FAZ.NET mit Material von dpa
Bildmaterial: picture-alliance/ dpa

 
07:40

Golf: European Masters
2. Runde 

10:00

Formel 1: GP von Belgien
Training 1 

14:00

Formel 1: GP von Belgien
Training 2 

FAZ.NET Suchhilfe
F.A.Z.-Archiv Profisuche