FAZ.NET-Meister-Spezial

Ribéry & Toni - Die Stars machen den Unterschied

Von Elisabeth Schlammerl, München

05. Mai 2008 Die erwartete Titelparty war gut vorbereitet worden beim FC Bayern München. Sie endete nach der Rückkehr aus Wolfsburg bei einem gemeinsamen Essen. Nur im kleinen Kreis feierte die Mannschaft am Sonntagabend die 21. Meisterschaft in der Vereinsgeschichte, aber eine große Sause wäre nach den Ereignissen in dieser Woche auch nicht angemessen gewesen. Die Münchner haben trotz aller Versuche, gute Laune zu demonstrieren, noch daran zu knabbern, dass aus dem Double kein Triple mehr werden kann - und auch das lustlose 0:0 in Wolfsburg mit dem letzten notwendigen Pünktchen wirkte auch nicht gerade als Stimmungsaufheller.

In der Vorbereitung auf die Partie war es aus Münchner Sicht vielleicht trotzdem ganz gut, die Sicht der Dinge auf die nationale Ebene zu konzentrieren. Der Traum von Manager Uli Hoeneß in der vergangenen Saison, dass sich die Konkurrenz in der Bundesliga wieder auf Fernglas-Distanz bewegt, hat sich am 31. Spieltag endgültig erfüllt. Und nebenbei auch der schon langgehegte Wunsch, die Mannschaft möge endlich nicht immer nur erfolgreichen, sondern auch mal attraktiven Fußball spielen. „Wir machen die Leute glücklich und begeistern sie“, hatte Hoeneß vor einer Woche zufrieden festgestellt, als die Bayern beim 4:1 gegen Stuttgart nicht genug bekommen konnten.

Franck Ribéry ist der Magier in der Titelfabrik

Dass sich die ergebnisorientierte Titelfabrik, die in Wolfsburg wieder zu besichtigen war, in dieser Saison aber mitunter in eine kleine Erlebniswelt verwandelte, haben die Münchner vor allem Franck Ribéry und Luca Toni zu verdanken. Ribéry hat das Spiel des FC Bayern in dieser Saison verändert. Ihm sind die magischen Momente zu verdanken, die es in den vergangenen Jahren viel zu selten gegeben hatte.

„Er kann bei seinen Dribblings im höchsten Tempo noch den fünften Gang einlegen - und bei anderen ist es beim vierten Gang schon ausgereizt“, sagt Hoeneß. Die französische Sportzeitung „L'Equipe“ krönte Ribéry in der vergangenen Woche zum „König von München“. In Wolfsburg fehlte er.

Schönheit ist bei Luca Tonis Toren nicht wichtig

Aber was wären Ribérys Kunststückchen in dieser Spielzeit wert gewesen, wenn nicht in der Mitte ein Luca Toni so oft goldrichtig gestanden hätte? Manche seiner Tore waren ein Genuss, andere kurios. Aber Schönheit ist bei Toren ja auch nicht so wichtig. Der Italiener trifft notfalls mit dem Allerwertesten, wenn Beine oder Kopf zu weit entfernt sind vom Ball. Das Publikum ließ sich mitreißen. Denn Ribéry und Toni wissen zu feiern - und auch sich selbst zu feiern. „Wann gab es das zuletzt, dass Spieler, die vom Platz gehen, standing ovations bekommen“, sagt Hoeneß.

Die gut 70 Millionen Euro, die die Verantwortlichen des FC Bayern im vergangenen Sommer investiert haben, waren gut angelegt, weil der größte Teil davon für Ribéry und Toni ausgegeben wurde. Er habe sich nie Gedanken gemacht, sagt der Franzose, „ob es in München klappt. Ich wollte einfach nur Fußball spielen und Spaß haben. Wenn es meinem Kopf gutgeht, dann tragen mich auch meine Beine.“ Die Bayern haben von Anfang alles unternommen, dass es ihm und seinem Kopf gutgeht.

Der Abstand der Bayern auf Europas Topklubs scheint nicht kleiner geworden

In der Bundesliga machen Ribéry und Toni den Unterschied aus. Aber auch die Mischung aus Künstlern und Arbeitern stimmt beim Meister. Die Defensive ist die Beste in der Liga (18 Gegentore) und dem fabelhaften Rekord von Werder Bremen mit 22 Gegentreffern vor 20 Jahren auf der Spur. International allerdings ist sie nur Mittelmaß, da haben Münchner in 14 Spielen 19 Tore kassiert.

Im Uefa-Cup erlebte das Publikum in München nur zweimal ein Fuballfest, gegen Saloniki und gegen Aberdeen; zwei Mannschaften, die in der Bundesliga vermutlich keine große Rolle spielen würden. Der FC Bayern war zwar wieder einmal der letzte deutsche Vertreter im Europacup, aber der Rückstand auf die Spitze scheint nicht kleiner geworden zu sein.

Der Weg zurück an die Spitze wird weitere Millionen kosten

Getafe und St. Petersburg offenbarten im Viertel- und Halbfinale die bei aller nationalen Begeisterung vorhandenen Defizite des FC Bayern. Das Spiel ist nicht sehr variantenreich, weil die Geniestreiche meist nur von links kommen. In der Zentrale fehlt die ordnende Hand. Ribéry war in der französischen Nationalmannschaft mal als Nachfolger von Zinedin Zidane gehandelt worden. Aber er selbst mag solche Vergleiche nicht, und diese Saison zeigt auch, weshalb das so ist.

Ribéry ist ein Ausnahmespieler, der auf der linken Seite mit einem Geniestreich mal drei Verteidiger austricksen kann. Aber er besitzt keine Spielmacher-Qualitäten. In der Bundesliga allerdings fällt das nicht weiter auf. Da fällt auf, wenn er fehlt. Der Schritt des deutschen Meisters zurück an Europas Spitze wird die Bayern wohl noch ein paar Millionen Euro kosten.



Text: F.A.Z.
Bildmaterial: AFP, AP, ddp, dpa, REUTERS

 

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