Wolfsburg

Das kommende Schwergewicht

Von Frank Heike, Wolfsburg

23. Juli 2008 Felix Magath wählt einfache Worte, er verzichtet auf schmückendes Beiwerk. Aber das, was er sagt, hat Gewicht, und es klingt, als spreche der Trainer eines kommenden Bundesliga-Schwergewichts: „Wir wollen versuchen, unter die ersten sechs zu kommen. Wir wollen aber ganz nach oben. Da sind wir noch nicht. Also war klar, dass wir noch mal investieren müssen. Ich setze keine Grenze nach oben.“

Es wird ein ganz neues Gefühl für die Profis der Wolfsburger, denn seit der Plazierung in der vergangenen Saison und nach zwei spektakulären Transfers wird der VfL von vielen Fachleuten als Anwärter auf einen Platz in der Champions League betrachtet. „Wir haben uns Respekt verschafft“, sagt Magath, „alle haben erkannt: Oh, da tut sich was in Wolfsburg, das wird die Saison für uns erschweren.“

Felix und die glücklichen Neuzugänge: Der neue VfL Wolfsburg soll nach Ansich...

Felix und die glücklichen Neuzugänge: Der neue VfL Wolfsburg soll nach Ansicht seines Trainers hoch hinaus

Magath war klar, dass in der Deckung etwas getan werden muss

Es sind die beiden italienischen Nationalspieler Andrea Barzagli und Cristian Zaccardo, die mithelfen sollen, aus dem Provinzklub eine große Nummer zu machen - mehr als 20 Millionen Euro hat der VfL für die beiden Verteidiger aus Palermo ausgegeben. Der fünfte Platz hat vieles leichter gemacht für Magath in seinem zweiten Jahr in der Doppelfunktion. Er sagt: „Die Entwicklung hat auch die Verantwortlichen bei Volkswagen beruhigt. Sie haben gesehen, dass die Weichen gestellt sind.“

Ihm war schon in der vergangenen Saison klar, dass in der Deckung etwas getan werden muss: „Da waren wir nicht so stabil, wie ich mir das vorstelle.“ Das lag auch daran, dass sich Ricardo Costa verletzt hatte. Also begann Magath dort zu suchen, wo die Kunst der Verteidigung zu Hause ist. Wenn Magath von seinen beiden Neuen erzählt, hört man seine Vorfreude auf die Zusammenarbeit heraus, aber auch das kleine Fragezeichen, das hinter ihrer Leistungsfähigkeit im neuen Kulturkreis steht - erst Palermo, dann Wolfsburgo?

Barzagli und Zaccardo kamen nur zusammen

„Der eine wäre ohne den anderen nicht gekommen. Man muss sagen, dass wir fast Neuland betreten. Es gibt ja kaum Italiener in der Bundesliga. Insofern ist es auch für mich spannend. Durch ihre taktische Ausbildung werden uns diese defensiven Spieler sicher helfen“, sagt Magath. Innenverteidiger Barzagli ist 27 Jahre alt, war bei der EM dabei und hat 14 Millionen Euro gekostet. Nach einer Knie-Operation ist er zwar noch nicht topfit, doch Magath sieht in ihm jetzt schon den Kopf der Mannschaft.

Zaccardo war 2006 im Kader des Weltmeisters und spielt rechter Verteidiger. Er hat sieben Millionen Euro gekostet und ist 26 Jahre alt. In der vergangenen Woche hat sich der VfL zudem die Dienste des Stürmers Mahir Saglik gesichert. Der Fünfundzwanzigjährige kommt vom Regionalligaklub SV Wuppertal. „Er ist ein Strafraumstürmer mit ausgeprägtem Torriecher. Er hat in der abgelaufenen Saison Außergewöhnliches geleistet“, sagte Magath. In der Tat kann sich die Anzahl seiner Tore sehen lassen: 27 Treffer bescherten ihm gleichzeitig die Torjägerkanone der Regionalliga Nord.

Manch etablierter Klub fürchtet jetzt schon die Neureichen

22 bis 24 Spieler soll der Kader des VfL umfassen, das beinhaltet, dass einige Profis gehen müssen. Es sind bekannte Namen dabei wie Radu und Munteanu, Boakye und vielleicht auch noch Krzynowek. Da ist Magath knallhart. „Es gibt Spieler, die aufgrund der Entwicklung wenig Chancen haben und an Motivation verlieren. Es ist dann sinnvoll, sich zu trennen.“ Mit der Arbeit am Kader in großem Stil soll dann bald Schluss sein. „Unser Umbruch wird noch zwei Jahre dauern“, sagt Magath, „aber der Weg wird sein, sich partiell zu verstärken, nicht wieder 16 Neue zu holen.“

Manch etablierter Klub fürchtet jetzt schon die Neureichen aus Hoffenheim und Wolfsburg, die demnächst den Weg nach oben verstopfen. Ob Neider dort mit dem Finger auf den Werksklub Wolfsburg zeigen, ist Magath gleichgültig. „Ich weiß, dass wir kritischer gesehen werden als andere. Bei uns wird immer das Geld in den Vordergrund gestellt. Aber ich halte unser Modell von Fußball für zukunftsträchtig: Wer auch in Europa nach vorn kommen will, der braucht einen starken Partner. Und den haben wir.“

Zur Bestätigung gibt es ein Zitat des Volkswagen-Finanzvorstandes Hans Dieter Pötsch. Der Aufsichtsratsvorsitzende des VfL sagte: „Wir haben uns vor der vergangenen Saison entschieden, den Verein revolutionär zu verändern. Uns war dabei das Risiko bewusst, dass es Anlaufschwierigkeiten geben kann. Aber entweder machen wir die Dinge richtig, oder wir lassen sie bleiben.“ Mit Revolutionsführer Magath soll nun der Angriff aufs Establishment fortgesetzt werden.



Text: F.A.S.
Bildmaterial: ddp, dpa, picture-alliance/ dpa

 
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