Robert Enke

Heimliches Leiden, erschütterndes Ende

Von Frank Heike, Hannover

Teresa Enke: “Ich habe versucht, für ihn da zu sein“

Teresa Enke: "Ich habe versucht, für ihn da zu sein"

12. November 2009 Klein, in sich zusammengesunken und doch unglaublich mutig, sagte Teresa Enke: „Wir waren so zusammengeschweißt, dass wir dachten, wir schaffen alles mit unserer Liebe. Aber man schafft nicht alles.“ Das, was die 33 Jahre alte Teresa Enke und ihr Ehemann Robert nicht schafften, war, gemeinsam seine Depressionen zu heilen, an denen er seit 2003 gelitten hat. Am Dienstagabend nahm sich der 32 Jahre alte Robert Enke das Leben. Er warf sich umweit seines kleinen Heimatortes Empede vor einen Zug, ganz in der Nähe des Friedhofes, auf dem seine 2006 verstorbene Tochter begraben liegt.

Die Gründe über den Freitod des deutschen Nationaltorwarts liegen seit Mittwoch nicht mehr im Bereich der Spekulation. In einer bewegenden Pressekonferenz unterrichtete der Kölner Therapeut Valentin Markser über seine lange Zusammenarbeit mit dem depressiven Patienten Robert Enke. Noch am Tag des Selbstmordes habe Markser mit Enke telefoniert: „Er wollte keine Behandlung, sagte aber, dass er sich die Möglichkeit stationärer Behandlung offen halten wolle.“ Er habe so den Ablauf der Tat nicht stören wollen, sagte Markser. In seinem Abschiedsbrief entschuldigte Robert Enke sich bei seiner Familie und seinem Arzt für diese Täuschung. Der Arzt erklärte: „Es hat bei Robert Enke keine Indikation für eine Zwangseinweisung gegeben. Er hat sich von Selbstmordgedanken immer distanziert.“

„Er hatte verstärkt mit depressiven Verstimmungen zu kämpfen“

Der behandelnde Arzt Valentin Markser: “Er konnte es gut verbergen“

Der behandelnde Arzt Valentin Markser: "Er konnte es gut verbergen"

Vor sechs Wochen hatte es zum ersten Mal einen Bericht einer Berliner Boulevardzeitung über Enkes Probleme gegeben; damals war von einem Burn-out-Syndrom die Rede. Enkes Berater ging damals anwaltlich gegen weitere Veröffentlichungen vor. Enke war seit 2003 bei Markser in Behandlung; er habe unter Depressionen und Versagensängsten gelitten. Damals war Enke als Torwart beim FC Barcelona nicht mehr berücksichtigt worden und wechselte zu Fenerbahce Istanbul; den Verein verließ er nach Fanbeschimpfungen schon im Dezember 2003 wieder. Eine sportlich besonders schwierige Phase für Enke, in der er sich über Monate in Köln behandeln ließ.

Vom Frühjahr 2004 an habe sich sein Zustand wieder stabilisiert, berichtete Markser; Enke spielte erfolgreich für CD Teneriffa und wechselte im Sommer zu Hannover 96. Danach sei der Kontakt zu Enke seltener geworden. Erst Anfang Oktober 2009, als ein Darmvirus verhinderte, dass Enke in zwei Länderspielen zum Einsatz kam, besuchte er den Therapeuten wieder: „Er hatte seit dem Sommer verstärkt mit depressiven Verstimmungen und Krisen zu kämpfen“, sagte Markser. Mehrere Tage habe er sich wieder in Köln behandeln lassen. Dass niemand das Ausmaß seines Leidens ermessen konnte, erklärte Markser damit, dass Enke nicht an endogenen Depressionen gelitten habe. „Es waren immer wieder depressive Phasen mit neurotischen Komponenten. Er hatte sicher latente Selbstmordgedanken, konnte es aber gut verbergen. “

“Wir dachten, wir schaffen alles. Wir dachten halt auch, mit Liebe geht das. Man schafft es aber doch nicht“

"Wir dachten, wir schaffen alles. Wir dachten halt auch, mit Liebe geht das. Man schafft es aber doch nicht"

Teresa Enke sagte am Mittwoch: „Es hätte für alles eine Lösung gegeben.“ Unter Tränen erzählte sie, dass ihr Mann große Angst gehabt habe, Karriere und Privatleben zu riskieren, würde er die Krankheit offen legen: „Die Depressionen und die Angst, dass es herauskommt, haben ihn immer begleitet. Der Fußball war alles für ihn, er hat ihm Halt und Kraft gegeben.“ Auch bei Hannover 96 bemerkte niemand etwas. Der sichtlich bewegte Präsident Martin Kind sagte: „Wir hatten keine Signale, keine Anzeichen, dass irgendetwas war. Ich wusste nur, dass Robert nach außen stark war, innen aber sensibel.“

Teresa Enke: „Ich habe ihn immer begleitet“

Das junge Ehepaar war einen schweren Weg gegangen. In den depressiven Phasen sei ihr Gatte vor allem antriebslos gewesen, sagte Teresa Enke. „Ich habe ihn immer begleitet, wir wollten das gemeinsam durchstehen.“ Im September 2006 starb die gemeinsame Tochter Lara. Sie kam mit einem schwachen Herzen auf die Welt, lebte zwei Jahre, und als die Enkes dachten, ihre Tochter sei stark genug, um zu überleben, starb sie nach einer vergleichsweise harmlosen Nasenoperation. Schon sechs Tage später stand Enke wieder im Tor.

Im Mai 2009 adoptierte das Ehepaar die heute acht Monate alte Leila. Es war der neue Start als Familie. Doch die Ängste und Sorgen seien nicht weniger geworden, sagte Teresa Enke. Nun plagte sich Enke mit dem Gedanken, Leila könne der Familie als Tochter eines depressiven Vaters weggenommen werden. Eine Sorge, die unbegründet war, das hatte Teresa Enke in Gesprächen mit den hannoverschen Behörden schon herausgefunden. Doch bei ihrem Mann schien das nicht mehr anzukommen. „Er hatte solche Angst, dass er Leila verliert.“

Unglaublich und unfassbar waren die häufigsten Worte

Es war eine traurige Szenerie rund um die Arena an diesem tristen Novembertag. In langen Schlangen standen Menschen vor zwei Kondolenzbüchern, die mit Trikots des Torwarts und Bildern geschmückt waren. Weiße Kerzen brannten. Unglaublich und unfassbar waren die häufigsten Worte inmitten von weinenden und sehr stillen Menschen. Hunderte von im Regen erloschenen Grablichtern standen auf einer kleinen Grünanlage; Schals, Bilder, Trikots erinnerten an Robert Enke. Am Mittwochabend zogen ungefähr 35.000 Menschen durch die Stadt zum Stadion seines Vereins.

Zuvor hatten etwa 1500 Fußballfans an einer Trauerandacht teilgenommen, zu der die Ratsvorsitzende der Evangelischen Kirche und hannoversche Landesbischöfin Margot Käßmann in die Marktkirche eingeladen hatte. Zahlreiche Trauernde verfolgten die Andacht auch auf dem Platz vor der Kirche über Lautsprecher. An dem Trauergottesdienst nahmen die Spitze des Deutschen Fußballbundes (DFB), Vertreter der Nationalmannschaft und von Enkes Heimatverein teil.

Robert Enke wurde am 24. August 1977 in Jena geboren wurde. Er starb am 10. November 2009 in Eilvese.

Robert Enke hat einmal gesagt: „Ich habe sehr viel mitgemacht. Beruflich und privat. Ich weiß nicht, ob jemand das Leben lenkt. Aber soviel weiß ich: man kann es nicht ändern.“

Text: F.A.Z.
Bildmaterial: dpa, Pilar, Daniel

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Enkes Freitod

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Hannover nimmt Abschied von Robert Enke, die Zeit scheint für einen Moment still zu stehen. Landesbischöfin Margot Käßmann findet Worte, die berühren und nachdenklich stimmen. Und die Fans sagen: „Er war doch einer von uns.“ Von Frank Heike, Hannover

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Große Anteilnahme in Hannover: Etwa 35.000 Menschen haben am Mittwochabend des verstorbenen Fußball-Nationaltorhüters Robert Enke gedacht. Mehrere zehntausend Fans werden auch am Sonntag zur Gedenkfeier im Stadion erwartet.

Reaktionen

„Achtet aufeinander!“

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Länderspiel-Absage

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Kommentar

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Robert Enke

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Trauer über Enkes Tod

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Robert Enke

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