08. November 2009 Dem Berliner Publikum konnte man nicht absprechen, den Ernst der Lage zu verkennen. An einem nebelgrauen Novemberabend kamen rund 50.000 Zuschauer ins Olympiastadion und sie waren schon lange vor den Anpfiff entschlossen, ihren lautstarken Beitrag zum ersehnten Aufschwung der Hertha beizutragen. Der Tabellenletzte allerdings konnte auch gegen den 1. FC Köln den Eindruck nicht verwischen, dass sich der Beinahe-Meister der Vorsaison immer weiter zu einem Fast-Absteiger entwickelt. Die Kölner siegten in Berlin 1: 0 durch einen Kopfballtor von Novakovic in der 79. Minute, was die Krise der Hertha bedrohlich zuspitzte.
Das Berliner Erfolgserlebnis vom Donnerstag in der Europa League durch den 3:2-Sieg in Heerenveen ist jedenfalls vollkommen wirkungslos verpufft. Die Hertha hat nun auch unter Trainer Friedhelm Funkel schon das vierte Spiel nach fünf Partien in der Bundesliga verloren (bei einem Unentschieden). In den fünf Begegnungen bis zur Winterpause müssen die Berliner nach dem Spiel in Stuttgart dann auch noch gegen Leverkusen, Schalke und Bayern antreten - und bisher konnte sich keine Mannschaft der Bundesliga retten, die nach zwölf Spielen gerade einmal vier Pünktchen ergatterte.
Weit jenseits von Bundesliga-Qualität
Schon in der ersten Halbzeit geriet aus dem ersten Endspiel gegen den Abstieg (Kapitän Arne Friedrich) nur ein eindrucksvoller Beleg, weshalb die Hertha sich auf dem letzten Tabellenplatz festgesetzt hat - und sich auch der 1. FC Köln auf Rang fünfzehn sorgen musste. Der Krisengipfel wurde zu einem Duell des Dilettantismus. Beide Mannschaften bewiesen in der ersten Halbzeit ganz unfreiwillig, dass sie eine Bereicherung für die zweite Liga sein könnten. Ungezählte Fehlpässe, technische Defizite und Kombinationsarmut summierten sich zu einem Auftritt weit jenseits von Bundesliga-Qualität. Immerhin die Einsatzbereitschaft der Hertha war zu erkennen, um aus einer bisher miserablen Spielzeit noch an ein rettendes Ende zu gelangen.
Ein unachtsamer Moment genügt den Berlinern
Aber Torchancen aber wollten und konnten bei dem Stückwerk kaum gelingen. Erst in der 41. Minute erspielte sich der Tabellenletzte seine erste gute Gelegenheit als Raffael aus 20 Metern erst den rechten Pfosten traf - und dann nach einem abgeblockten Nachschuss von Artur Wichniarek wieder an den Ball kam und dann an den anderen Pfosten schoss. Der doppelte Treffer knapp am Ziel vorbei, war zwar nicht der ganz große Wachmacher für den Tabellenletzten, aber nach dem Wechsel entwickelte die Hertha immerhin so etwas wie Dominanz.
Die Kölner, die es zunächst nicht vermocht hatten, der anfänglich arg nervösen Hertha entschlossen zuzusetzen, verlegten sich darauf, sich ein Pünktchen zu sichern und den Letzten somit auf Abstand zu halten. Eine Enttäuschung blieb dabei Lukas Podolski, der in der gewünschten zentralen Angriffsrolle seiner Mannschaft nicht zu führen verstand. Auch Sturmpartner Novakovic bedeutete neben dem antriebsschwachen deutschen Nationalspieler lange keine ernsthafte Gefahr für die Berliner Defensive. Aber ihm genügte in der 79. Minute ein unachtsamer Moment, um die Abstiegsangst der Berliner riesenhaft anwachsen zu lassen.
Hertha BSC Berlin - 1. FC Köln 0:1 (0:0)
Berlin: Drobny - Stein (67. Ebert), Friedrich, von Bergen, Pejcinovic - Lustenberger - Piszczek (83. Kacar), Nicu (74. Cicero) - Raffael - Wichniarek, Domowtschiski. - Trainer: Funkel
Köln: Mondragon - Schorch, Geromel, Mohamad, Brecko - Maniche (90. Matip), Pezzoni - Freis (90.+4 Chihi), Ehret (83. McKenna) - Podolski, Novakovic. - Trainer: Soldo
Schiedsrichter: Babak Rafati (Hannover)
Tor: 0:1 Novakovic (79.)
Zuschauer: 48.623
Gelbe Karten: Lustenberger, Piszczek, Friedrich (4), Raffael (5) - Pezzoni, Maniche (2), Mondragon (2), Podolski (4)
Text: FAZ.NET
Bildmaterial: ddp, dpa