Christoph Daum im Interview

„Die Realität wird einige schnell einholen“

12. Mai 2008 Im Kölner Siegesrausch präsentierte sich Trainer Christoph Daum überraschend nüchtern. Im Interview spricht er über seine Zukunft beim 1. FC, die Chancen der Mannschaft in der Bundesliga und die vielen Rückschläge.

Wie ist Ihre erste Reaktion nach der Rückkehr in die Bundesliga?

Wir sind heute die großen Sieger, wir können feiern.

Wie haben Sie das alles erlebt?

Jeder sieht, was sich hier abspielt. Es ist ein unglaublich schönes Gefühl, toll, beim 1. FC Köln zu sein. Noch schöner ist es, hier Erfolge miteinander zu feiern. Das ist immer etwas Angenehmes. Unsere Fans, unsere Liebe und Leidenschaft zum 1. FC Köln - ich kann nur Dank sagen.

Und wie beurteilen Sie das Spiel gegen Mainz?

Da ging es in erster Linie nur um das Ergebnis. Einen Schönheitspreis konnten wir nicht gewinnen.

Wie ist es denn um Ihre Zukunft beim 1. FC Köln bestellt?

Die Zukunft wird gleich in entspannten Feierlichkeiten weitergehen. Darauf freue ich mich, das haben wir uns alle verdient. Es war schon eine der schwierigsten Traineraufgaben. Ich freue mich, dass es erfolgreich ausgegangen ist. Das sah nicht immer so aus. Ich habe immer gesagt, wenn die Saison vorbei ist, setzen wir uns zusammen. Das werden wir zeitnah tun. Ob das diese Woche ist oder am 19. Mai nach dem letzten Spiel - das kann ich jetzt nicht mit Sicherheit sagen.

Gehen Sie ergebnisoffen in dieses Gespräch?

Ich werde erstmal alles sacken lassen. In der Stunde des Erfolgs werden oft die tollsten Sachen verkündet.

Sie haben gesagt, es habe nicht immer nach dem Aufstieg ausgesehen. Wie beurteilen Sie die Entwicklung Ihres Teams?

Wir haben unsere Erfahrungen gesammelt, wir haben aus den Fehlern gelernt und gegen Ende der Saison eine gemeinsame Sprache gesprochen. Der eine wusste, dass er den anderen braucht. Die Mannschaft ist eine Einheit geworden. Aber erst, als wir in einer Drucksituation waren, konnten wir alle etwas gewinnen, da haben sie sich zusammengerissen. Das ist eine Entwicklung, die auch durch Rückschläge geprägt ist. Ich glaube, für die Mannschaft wird es in der ersten Liga leichter, weil sie nicht, wie in der zweiten Liga, in der absoluten Favoritenrolle ist.

Ist es nicht reizvoll, den 1. FC Köln auch in der Bundesliga zu betreuen?

Der 1. FC Köln ist immer reizvoll, für mich war das eine Herzensangelegenheit. Meine Mission war es, diesen Club wieder in die erste Liga zu bringen. Dieses Versprechen habe ich heute eingelöst.

Wie ist die Zukunft des Teams geplant? Wie ist es um die Erstliga-Tauglichkeit bestellt?

Auch der 1. FC Köln wird den Weg über Transfers und innerbetriebliche Verbesserungen gehen. Aber es würde den Spielern, die unbedingt in die erste Liga wollten und das auch geschafft haben, nicht gerecht, jetzt, in dieser Freudenstimmung, über das zu reden. Aber die Realität wird einige schnell einholen, sowohl die Spieler als auch den Verein.



Text: FAZ.NET
Bildmaterial: AP, ddp, dpa, REUTERS

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