Fußball-Wettskandal

Weitere fünf Klubs unter Verdacht

Von Roland Zorn

25. November 2009 Die Europäische Fußball-Union (Uefa) hat am Mittwoch im Rahmen ihrer Ermittlungen zum internationalen Wettskandal weitere sieben manipulationsverdächtige Qualifikationsspiele zur Champions League (eins) und Europa League (sechs) bekanntgegeben. Betroffen sind die Klubs KF Tirana, KS Vilaznia (beide Albanien), FC Dinaburg (Lettland), NK Laibach (Slowenien) sowie Honved Budapest.

Dazu seien möglicherweise drei Schiedsrichter und ein Uefa-Offizieller betroffen. Diese Begegnungen gehören nicht zum Paket der 200 Spiele, die nach Ansicht der Bochumer Schwerpunktstaatsanwaltschaft in neun europäischen Ländern regelwidrig beeinflusst worden sein sollen.

Die Europäische Fußball-Union bringt ein wenig mehr Licht ins Dunkel des Wettskandals
Die Europäische Fußball-Union bringt ein wenig mehr Licht ins Dunkel des Wettskandals

Am Mittwoch trafen sich Vertreter dieser neun Verbände am Nyoner Amtssitz der Europäischen Fußball-Union. Die Delegation des Deutschen Fußball-Bundes (DFB), der von 32 Verdachtsfällen betroffen ist, führte DFB-Generalsekretär Wolfgang Niersbach an. Der Informationsabgleich habe, so Niersbach, gezeigt, dass der DFB für Fälle von Wettmanipulationen „durch den Albtraumfall Hoyzer – der Berliner Zweitligaschiedsrichter manipulierte 2005 Fußballspiele in Zusammenarbeit mit einer Wettbande – besser als die anderen aufgestellt ist“.

„Das ist eine große Gefahr und Bedrohung für den Fußball“

Der DFB habe „präventiv und statuarisch alles getan“ und sei doch nicht vollends „gefeit“ gegenüber Korruption und Manipulation im Wettgeschäft. „Wir dürfen nicht in Hektik verfallen, sondern müssen den Behörden die nötige Zeit geben. Und wie bitter die Wahrheit ist: Sie muss komplett auf den Tich, und die Sanktionen werden knallhart sein.“ Uefa-Präsident Michael Platini sagte nach dem Krisentreffen zum Thema Wettmanipulationen: „Das ist eine große Gefahr und Bedrohung für den Fußball.“

Zwischen dem DFB und dem Ligaverband, angeführt von Präsident Reinhard Rauball, gab es am Mittwoch einige Irritationen, nachdem DFB-Präsident Theo Zwanziger in einem „Sportbild“-Interview gesagt hatte: „Ich war als Mitglied des Uefa-Exekutivkomitees inoffiziell schon seit Monaten über die Tatsache informiert, dass es sehr konkrete Ermittlungen und eine enge Zusammenarbeit zwischen der Staatsanwaltschaft Bochum und der Uefa gibt.“

Regionalligaverein SC Verl weist Meldungen zurück

Der DFB-Präsident, der das Interview autorisiert hatte, sagte gegenüber Rauball nach dessen Worten telefonisch, dass „ihm (Zwanziger) erst später bewusst geworden“ sei, „dass er sich geirrt habe. Er sei allgemein über Gerüchte in Bezug auf Spielmanipulationen im europäischen Raum informiert worden, nicht aber über die Tätigkeit der Staatsanwaltschaft Bochum und Verdachtsmomente in Deutschland.“

Unterdessen wies der Regionalligaklub SC Verl Meldungen zurück, nach denen drei seiner Spieler Manipulationen rund um die Spiele aus der vorigen Saison gegen Borussia Mönchengladbach II (4:3) und 1. FC Köln II (0:1) eingeräumt hätten. Zu den am Vortag suspendierten Spielern Patrick Neumann und Tim Hagedorn sei ein weiterer verdächtiger Kicker gekommen, der nach Auskunft von Jochen Scholz, dem zweiten Vorsitzenden der Verler, „nicht mehr hier beschäftigt“ sei.

Die sieben Partien unter Manipulationsverdacht:

Champions League, Qualifikation - 2. Runde:

Stabaek IF - KF TIRANA (4:0 am 21. Juli 2009)

Europa League, Qualifikation - 2. Runde:

SK Rapid Wien - KS VLLAZNIA (5:0 am 16. Juli 2009)
Bnei Yehuda Tel Aviv - FC DINABURG (4:0 am 16. Juli)
KS VLLAZNIA - SK Rapid Wien (0:3 am 23. Juli 2009)
FC DINABURG - Bnei Yehuda Tel Aviv (0:1 am 23. Juli 2009)

Europa League, Qualifikation - 3. Runde:

Fenerbahce Istanbul - HONVED BUDAPEST (5:1 am 30. Juli 2009)
NK IB LJUBLJANA - Metalurg Donezk (0:3 am 6. August)



Text: F.A.Z.
Bildmaterial: AP

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