Von Elisabeth Schlammerl, München
23. März 2008 Die letzten Minuten eines sehr einseitigen Spieles sind dann doch noch ziemlich unruhig geworden für den FC Bayern München. Der deutsche Rekordmeister hat gegen Bayer Leverkusen am Samstag teilweise meisterhaft gespielt, wie Manager Uli Hoeneß fand, ist beim 2:1-Sieg allerdings mit seinen Torchancen viel zu nachlässig umgegangen und musste nach einem späten Gegentreffer am Samstag noch um die drei Punkte zittern. Es wäre fatal gewesen, wenn wir noch das 2:2 kassiert hätten - und unverdient, sagte Hoeneß.
Die beiden Tore von Luca Toni reichten am Ende doch gegen harmlose Leverkusener, die seit 1989 beim FC Bayern nicht mehr gewonnen haben, um nicht nur die eigenen Fans unter den 69.000 Zuschauern im Münchner Stadion zufrieden zu stellen, sondern auch noch den Vorsprung in der Tabelle auf sieben Punkte vor dem Hamburger SV auszubauen. Das Polster an der Spitze könne die Mannschaft zwar nicht in Sicherheit wiegen, fand Hoeneß, aber wenn wir so spielen wie heute, tut uns in Deutschland keiner weh. Kapitän Oliver Kahn sieht dagegen neun Spieltage vor dem Saisonende praktisch keinen Konkurrenten mehr für den Tabellenführer.
Wir haben das Spiel total verschlafen
Nicht viel war zu sehen von jenen stürmischen Leverkusenern, die sich dank guter Rückrunden-Leistungen vor diesem Spieltag auf den dritten Rang der Tabelle geschoben hatten. Wir haben das Spiel total verschlafen, gab Stürmer Stefan Kießling zu. Die Mannschaft von Michael Skibbe zog sich im Münchner Stadion zurück, überließ dem Tabellenführer von Anfang an die Regie dieses Spitzenspiels. Nach vier Minuten lag der Ball zum ersten Mal im Tor von Leverkusen - nach einem Kopfball von Luca Toni, aber der Italiener befand sich im Abseits. In der 17. Minute dann stand er perfekt. Franck Ribéry, dem bis dahin noch nicht viel gelungen war, setzte sich auf der rechten Seite gegen Hans Sarpei und Manuel Friedrich durch und legte auf Miroslav Klose ab. Der deutsche Nationalstürmer marschierte bis zur Grundlinie und passte zurück auf Toni, der aus fünf Metern zum 1:0 einschob.
Man wolle Leverkusen aus dem Meisterrennen werfen, hatte Kapitän Kahn am Mittwoch nach dem Einzug ins Pokalfinale und dem Ende der kleinen Krise mit zwei Niederlagen nacheinander selbstbewusst erklärt. Und der Torhüter der Münchner durfte auch zum Gelingen dieses Unternehmens beitragen. In der 29. Minute bewahrte er seine Mannschaft vor dem Ausgleich, als er einen abgefälschten Distanzschuss von Bernd Schneider mit dem Fuß parierte. Dass dies einer von zwei halbwegs aussichtsreichen Vorstößen der Rheinländer war, sagt viel aus über Bayers verhaltenes Engagement in München. Wir haben zu viel zugelassen, haben bei Ballverlusten den Gegner mehr begleitet als gestört und haben zur selten zu unseren eigenen Spiel gefunden, kritisierte Skibbe. Kahns Gegenüber René Adler, der wohl beste Torhüter der jungen Generation in dieser Saison, stand dem baldigen Fußball-Pensionär in nichts nach. Fünf Minuten vor dem Pausenpfiff wehrte er einen Kopfball-Aufsetzer von Miroslav Klose aus fünf Metern ab.
Berauscht von der Leichtigkeit des eigenen Spiels
Die Münchner hatte schon in der ersten Hälfte mehrere gute Möglichkeiten, das Duell mit dem Verfolger frühzeitig für sich zu entscheiden, aber es dauerte bis zur 59. Minute, ehe das zweite Tor an diesem Nachmittag fiel. Wieder einmal überlistete der FC Bayern mit schnellen Kurzpassspiel in der eigenen Hälfte die Leverkusener Abwehr. Mark van Bommel, nach seiner Sperre in der Bundesliga zum ersten Mal wieder dabei, schickte Philipp Lahm steil, der per Direktabnahme den Ball punktgenau zu Toni flankte, und dieses Mal vollendete der Weltmeister aus nur vier Metern mit dem Kopf. Man hat gesehen, dass Luca Toni einen unheimlichen Torriecher hat und sehr wertvoll für uns ist, sagte Bayern-Trainer Ottmar Hitzfeld.
Seinem 16. Saisontreffer hätte der Italiener locker noch der 17. oder auch 18. folgen können, aber er war wie seine Kollegen danach zu wenig zielsicher - oder er scheiterte an Bayer-Torhüter Adler. In der letzten Viertelstunde durfte sich auch noch Lukas Podolski beteiligen am munteren Auslassen bester Chancen. Da haben wir gesündigt, sagte Trainer Hitzfeld, und deshalb sei es am Ende noch mal brenzlig geworden. Die Münchner, womöglich berauscht von der Leichtigkeit des eigenen Spiels, haben einfach vergessen zu verteidigen, und Leverkusen kam in der 81. Minute durch den eingewechselten Dmitry Bulykin zum Anschlusstreffer, der fast wie Doping gewesen sei für den Gegner. Aber mehr als ein paar wenig aussichtsreiche und auch halbherzige Versuche, nach vorne zu spielen, gab es in den letzten Minuten eines kurzweiliger Partie nicht mehr. Leverkusen hätte sich die Reise in den Süden schließlich doch sparen können - wie in den vergangenen 19 Jahren auch.
Bayern München - Bayer Leverkusen 2:1 (1:0)
München: Kahn - Lahm, Lucio, Demichelis, Jansen - Altintop, Ze Roberto, van Bommel, Ribery (77. Schweinsteiger) - Klose (78. Podolski), Toni. - Trainer: Hitzfeld
Leverkusen: Adler - Castro, Haggui, Friedrich, Sarpei - Rolfes, Barnetta - Schneider, Barbarez (46. Vidal), Kießling (78. Bulykin) - Gekas (46. Freier). - Trainer: Skibbe
Schiedsrichter: Florian Meyer (Burgdorf)
Tore: 1:0 Toni (17.), 2:0 Toni (59.), 2:1 Bulykin (83.)
Zuschauer: 69.000 (ausverkauft)
Gelbe Karten: van Bommel (5) - Sarpei, Vidal (4), Castro (5/3)
Text: F.A.Z.
Bildmaterial: picture-alliance/ dpa
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