31. Mai 2009 Werder Bremen und Diego haben sich beim DFB-Pokalfinale in Berlin einen wunderbaren Abschiedsabend geschenkt. Der Brasilianer bereitete in der 58. Minute den entscheidenden Treffer durch Mesut Özil in der 59. Minute zum 1: 0-Sieg gegen Bayer Leverkusen genau in jener eleganten Weise vor, die ihn nach drei Jahren in Bremen zu einem der begehrtesten Spieler in Europa gemacht haben - und seinem Arbeitgeber nach dessen Abschied zu Juventus Turin nun auch noch den Zutritt in die Europa League verschaffte.
Werder verdiente sich den sechsten Erfolg im DFB-Pokal im Berliner Olympiastadion durch eine engagierte Leistung, die gepaart mit großer Erfahrung reichte, um den jungen Leverkusener entscheidend zuzusetzen. Als Kapitän Baumann nach seinem letzten Spiel für Werder mit dem Pokal belohnt wurde, hatte die Saison für die Bremer dann doch noch einen versöhnlichen Abschluss genommen nach dem zuletzt verlorenen Finale im Uefa-Pokal (siehe auch: 1:2 gegen Donezk - Werder Bremen verliert das Uefa-Pokal-Finale) und Platz zehn in der Bundesliga (siehe auch: Die aktuelle Tabelle der Fußball-Bundesliga).
Labbadias Ablösung wäre alles andere als eine Überraschung
Bayer Leverkusen erlebt sehr schmerzhaft, wie einem jungen Team an diesem Abend auch die letzte Chance genommen wurde, als Mannschaft mit Perspektive zu gelten. Der großen Bremer Präsenz hatten die Abgestürzten dieser Saison am Ende trotz spielerischer Qualität zu wenig entgegenzusetzen. Es ist wahrscheinlich, dass Trainer Bruno Labbadia, dessen Team in der kommenden Saison nur national mitspielen darf, der ganz große Verlierer dieser Berliner Nacht wird. Eine Ablösung des Trainers wäre alles andere als eine Überraschung (siehe auch: Die Stimmen zum Finale: Bayer Vizekusen ist nur ein Wort).
Es war schon vor dem Anpfiff klar, dass den Verlierer die Niederlage besonders hart treffen würde. Eine komplett verlorene Saison und als Höhepunkt der Verlustrechnung 2009 dann auch noch eine Niederlage im Finale von Berlin mit Verlust der europäischen Perspektive - wer würde sich dieser Belastung in Berlin entziehen können? Die Antwort war schon nach wenigen Minuten zu erkennen: beide.
Es entwickelte sich ein unterhaltsames, flottes, offenes Finale
Werder und Leverkusen waren von Beginn an bemüht, ihre in diese Spielzeit immer wieder verschütteten spielerischen Fähigkeiten im Pokalfinale zu demonstrieren. Es entwickelte sich ein unterhaltsames, flottes und offenes Finale mit eindeutig verteilten Rollen. Die routinierten Bremer bestimmten das Spiel, die jungen Leverkusener lauerten auf ihre Chance.
In der ersten Halbzeit fehlte es aber sowohl Werder als auch Bayer in den entscheidenden Momenten an der nötigen Präzision und Klasse, um spielerisch ambitionierte Angriffe auch erfolgreich abzuschließen. Werder entwickelte über Diego bei dessen letzten Auftritt zwar immer wieder temporeiche Attacken und selbstbewussten Angriffsdruck. Doch Prödl (6.), Özil (11.) und Almeida (44.) konnten sich dann doch nicht entscheidend gegen die Leverkusener Defensive oder Adler durchsetzen.
Helmes hat freie Bahn und trifft den Ball nicht richtig
Der Nationaltorwart von Bayer geriet in der ersten Halbzeit zwar bei einer Flanke von Frings (14.), die zu einem unabsichtlichen Torschuss wurde, in Bedrängnis. Er knallte bei seiner Rettungstat gegen den Pfosten. Und auch einen Freistoß von Naldo (26.) aus gut 25 Meter ließ der Leverkusener Torwart abprallen, aber Bremen konnte von dieser Schwäche nicht profitieren. Bayer suchte den Erfolg nicht durch langen Ballbesitz wie Werder, sondern in schnellen Attacken. Chancen für Leverkusener waren selten, aber besser.
In der 23. Minute hatte plötzlich Helmes im Strafraum vollkommen freie Bahn, nachdem sich Augusto bis zur Grundlinie durchgespielt hatte und klug auf Helmes zurückgespielt hatte. Doch der Nationalstürmer scheiterte freistehend in der Nähe des Elfmeterpunkts. Er traf den Ball nicht richtig und verpasst die Führung für Bayer. Ansonsten wurden die Leverkusener Angriffe immer wieder von der Bremer Defensive gebremst, doch gefährlich wirkten die Attacken trotzdem.
Bayer fehlt es am Ende an Kraft, Klasse und Entschlossenheit
Leverkusen war in der zweiten Halbzeit bemüht, die Dominanz der Bremer nicht zu groß werden zu lassen. Sie hielten die Partie nun offener - was den Bremern nun etwas mehr Raum gab, den Diego nach 59 Minuten bestens zu nutzen wusste. Umringt von drei Gegnern machte sein Pass den Weg frei für den starken Özil.
Dem deutschen Nationalspieler mit türkischen Wurzeln kommt dabei der Abwehreinsatz von Manuel Friedrich zu Hilfe, der dem Schuss Özils eine tückische Richtungsänderung gibt - an Adler vorbei ins Tor zum 1:0 für Werder. Leverkusen vermochte es nach dem Rückstand nicht, die Bremer zu gefährden. Dafür fehlte es der Mannschaft an Kraft, Klasse und Entschlossenheit - und wohl auch am Glauben, einer enttäuschenden Saison in letzter Minute doch noch mal eine Wendung geben zu können.
Bayer Leverkusen - Werder Bremen 0:1 (0:0)
Leverkusen: Adler - Castro ab 85. Charisteas, Friedrich, Sinkiewicz, Kadlec - Rolfes - Renato Augusto, Vidal ab 85. Kroos, Barnetta - Helmes, Kießling. - Trainer: Labbadia
Bremen: Wiese - Fritz, Prödl, Naldo, Boenisch - Baumann ab 59. Niemeyer - Frings, Özil ab 87. Tziolis - Diego - Pizarro, Hugo Almeida ab 90. Rosenberg. - Trainer: Schaaf
Schiedsrichter: Dr. Helmut Fleischer (Sigmertshausen)
Tore: 0:1 Özil (58.)
Zuschauer: 74.244 (ausverkauft)
Gelbe Karten: Vidal - Prödl, Niemeyer, Frings, Wiese
Text: F.A.Z.
Bildmaterial: AFP, AP, ddp, dpa, REUTERS