Von Elisabeth Schlammerl, München
31. Januar 2007 Der FC Bayern München hat bei seinem spektakulären Trainerwechsel einen Schritt in die Vergangenheit unternommen. Am Mittwochnachmittag entließ der Rekordmeister Felix Magath und verpflichtete dessen Vorgänger als Nachfolger. Ottmar Hitzfeld und sein früherer Assistent Michael Henke kehren an die Säbener Straße zurück, werden an diesem Donnerstag zum ersten Mal das Training leiten und nach mehr als zweieinhalb Jahren am Freitag im Bundesligaspiel beim 1. FC Nürnberg wieder auf der Trainerbank des FC Bayern sitzen. Hitzfelds Vertrag läuft bis zum Saisonende.
Es hatte schon ein paar Stunden zuvor, als Magath zum letzten Mal das Training in München leitete, bedrohliche Ruhe geherrscht am Trainingsgelände an der Säbener Straße. Zuerst hatte sich der Vorstandsvorsitzende Karl-Heinz Rummenigge wortlos in sein Büro im zweiten Stock verzogen, kurz darauf traf Uli Hoeneß ein. Aber auch der Manager wehrte jegliche Interviewwünsche ab, wie auch am Abend zuvor nach dem 0:0 gegen den VfL Bochum. Der Zustand der Sprachlosigkeit bei den Vereinsbossen hielt bis Nachmittag an.
Keinen Draht mehr zu den Spielern
Allerdings wurde die Meldung über den spektakulären Wechsel nicht vom FC Bayern verlautbart, sondern von der Bild-Zeitung, die gegen halb drei Uhr auf ihrer Online-Seite verkündete: Bayern feuert Magath. Die Bestätigung des FC Bayern ließ auf sich warten, vielleicht, weil der Trainer von seiner Entlassung noch gar nichts wusste. Um kurz nach 15.30 Uhr traf Magath auf der Geschäftsstelle ein. eine Dreiviertelstunde später war er auch offiziell seinen Job los. Wir bedauern diesen Schritt, ließ Rummenigge per Presseerklärung wissen. Felix Magath hat in den vergangenen zweieinhalb Jahren beim FC Bayern sehr gute Arbeit mit großartigen Erfolgen, allen voran den zweifachen Double-Gewinn, geleistet. Dennoch müssen wir als Klub-Verantwortliche die aktuellen Entwicklungen sehen und darauf reagieren. Magath ließ wissen, natürlich ist dies keine schöne Situation. Aber es war mir immer klar, dass es ein Engagement auf Zeit ist. Eine vermutlich gar nicht so schlechte Abfindung wird Magath die vorzeitige Entlassung aus seinem bis 2008 laufenden Vertrag erleichtern.
Das 0:0 am Dienstagabend hatte alle großspurigen Ankündigungen des Meisters in der Winterpause endgültig ad absurdum geführt. Das neue Jahr sollte eigentlich mit einem Aufbruch beginnen, aber nach nur zwei Spieltagen in der Rückrunde wurden die hehren Ziele über den Haufen geworfen, von einer Mannschaft, die leblos wirkt, verunsichert und ratlos. Magath hatte ganz offensichtlich keinen Draht mehr zu den Spielern, erreichte sie nicht mehr. Das Spiel am Dienstag war wie ein Offenbarungseid. Die Ausreden der Vorrunde, die Mannschaft sei wegen der schwierigen Vorbereitung nicht fit, zogen nicht mehr. Die Situation ist für uns momentan recht ernüchternd, gab Kapitän Oliver Kahn zu. Magath fand nach dem Spiel keine richtige Erklärung für den zweiten armseligen Auftritt innerhalb von drei Tagen. Er wollte sogar Fortschritte gegenüber dem vorangegangenen Spiel in Dortmund gesehen habe. Diese Einschätzung hatte er am Dienstagabend allerdings ziemlich exklusiv.
Auch unter Hitzfeld lief es nicht rund
Der FC Bayern ist nach der Niederlage von Dortmund am vergangenen Freitag und dem Unentschieden gegen Bochum nun sogar aus den für die Teilnahme an der Champions League berechtigenden Tabellenplätze herausgefallen. Die Sorge um die Qualifikation für die europäische Königsklasse, verkündet Rummenigge, habe die Bayern zur Trainerentlassung bewogen. Aus dem Kampf um Platz eins hatten sich die Bayern schon am Dienstag verabschiedet. Wir haben keine Dauerkarte auf den Titel, hatte Kapitän Oliver Kahn erklärt, gleichzeitig aber vor einer Diskussion um Felix Magath gewarnt. Es bringt jetzt nichts, den Trainer in Frage zu stellen oder populistische Aussagen zu machen. wir müssen jetzt die Kräfte bündeln. Zu jenem Zeitpunkt haben aber wohl die Verantwortlichen schon den Wechsel vorbereitet.
Dass der Vorgänger auch der Nachfolger wird, mutet auf der einen Seite seltsam an, weil es auch im letzten Jahr von Hitzfeld beim FC Bayern nicht rund gelaufen war, die aktuelle Situation jener vor drei Jahren ähnlich ist. Auf der anderen Seite hat Hitzfeld den Vorteil, große Teile der Mannschaft, das Umfeld und die Anforderungen rund um den Rekordmeister bestens zu kennen. Er muss sich nicht erst vertraut machen mit den Eigenheiten des Vereins. Außerdem ist es nicht leicht, auf die Schnelle einen Trainer zu finden, der den hohen Ansprüche des FC Bayern genügt. Hitzfeld ist seit der Entlassung in München ohne Trainerjob gewesen. Nun wagen er und der FC Bayern den Schritt zurück in die Vergangenheit.
Die Bundesliga-Trainer des FC Bayern und ihre Verweildauer:
01.07.1965 - 30.06.1968 Tschik Cajkovski
01.07.1968 - 13.03.1970 Branko Zebec
14.03.1970 - 02.01.1975 Udo Lattek
16.01.1975 - 30.11.1977 Dettmar Cramer
02.12.1977 - 28.02.1979 Guyla Lorant
01.03.1979 - 16.05.1983 Pal Csernai
17.05.1983 - 30.06.1983 Reinhard Saftig
01.07.1983 - 30.06.1987 Udo Lattek
01.07.1987 - 08.10.1991 Jupp Heynckes
09.10.1991 - 10.03.1992 Sören Lerby
11.03.1992 - 27.12.1993 Erich Ribbeck
28.12.1993 - 30.06.1994 Franz Beckenbauer
01.07.1994 - 30.06.1995 Giovanni Trapattoni
01.07.1995 - 27.04.1996 Otto Rehhagel
29.04.1996 - 30.06.1996 Franz Beckenbauer
01.07.1996 - 30.06.1998 Giovanni Trapattoni
01.07.1998 - 30.06.2004 Ottmar Hitzfeld
01.07.2004 - 31.01.2007 Felix Magath
01.02.2007 Ottmar Hitzfeld
Text: F.A.Z.
Bildmaterial: AP, ddp, dpa, picture-alliance / dpa, picture-alliance / dpa/dpaweb, REUTERS