06. April 2008 Die Fußball-Bundesliga bezieht ihre Attraktivität derzeit allein aus den spannenden Positionskämpfen, der Titelkampf ist nach dem Erfolg des FC Bayern entscheiden. Im Sonntags-Spiel war der Rekordmeister vom VfL Bochum auch in Unterzahl nicht zu stoppen und siegte 3:1. Mark von Bommel sah schon in der 27. Minute Rot. Die Münchner bauten damit ihren Vorsprung auf Rang zwei auf neun Punkte aus und haben den 21. Titelgewinn dicht vor Augen. Lucio (31.), Franck Ribéry (74.) per Handelfmeter und Christian Lell (88.) drehten das Spiel, nachdem Mimoun Azaouagh (4.) die Bochumer in Führung gebracht hatte.
Gleichzeitig verbuchten der FC Schalke 04, Werder Bremen und der VfB Stuttgart am 27. Spieltag wichtige Siege im Kampf um die internationalen Plätze. Verlierer des Tages sind der Hamburger SV, der nach dem 0:1 in Stuttgart den Königsblauen überlassen musste, und Bayern 04 Leverkusen. Die Werkself rutscht nach dem Tor von BVB-Verteidiger Dede in der Nachspielzeit des zweiten Sonntagsspiels zum 2:1-Sieg tiefer in die Krise.
Frankfurt-Spiel wird vom DFB untersucht
Fortgesetzt wird der 27. Spieltag bereits am Montag: Das Sportgericht des Deutschen Fußball-Bundes (DFB) wird sich mit den Vorfällen beim Bundesliga-Spiel zwischen Eintracht Frankfurt und dem 1. FC Nürnberg (1:3) beschäftigen. Wie der für Rechtsfragen zuständige DFB-Vizepräsident Rainer Koch mitteilte, wurden die Ereignisse, die zur Unterbrechung des Spiels führten, im Schiedsrichterbericht vermerkt. Von Bedeutung für die Ermittlung das Kontrollausschusses sind außerdem die Angaben der zuständigen Sicherheitsbehörden und -experten, sagte Koch.
Die Vorfälle seien unter zwei Aspekten zu beurteilen. Im Mittelpunkt steht natürlich die Haftung des Nürnberger Bundesligisten für seine Anhänger und deren Ausschreitungen. Eine weitere Frage ist, wie die aus dem 'Club'-Block geworfenen Feuerwerkskörper ins Stadion gelangen konnten und ob damit Frankfurt die Platzaufsicht eventuell vernachlässigt hat, meinte der Vizepräsident weiter. Von Geldstrafen über Platzsperren bis zu Punktabzügen reichen die Sanktionen, die der DFB-Kontrollausschuss verhängen könnte.
Die Nürnberger glauben nicht an Punktabzug
Der Bremer Schiedsrichter Peter Gagelmann hatte die Begegnung am Samstag in der 30. Minute für rund 20 Minuten unterbrochen. Während des Spiels in der Commerzbank Arena waren wiederholt Knall- und Feuerwerkskörper aus dem Nürnberger Fanblock in den Innenraum und auf das Spielfeld geflogen.
Die Nürnberger Spieler ließen sich von der Aufregung nicht beeindrucken. Sie stoppten, als der Ball wieder rollte, den Vormarsch von Frankfurt in Richtung Uefa-Cup. Das 3:1 des Abstiegskandidaten war der erste Sieg unter Coach Thomas von Heesen. Angelos Charisteas (18.), Robert Vittek (49.) und Zvjezdan Misimovic (83.) drehten das Spiel für die Franken, nachdem Michael Fink (3.) die Eintracht in Front gebracht hatte.
Deeskalierend wirkte das beherzte Eingreifen von Nürnbergs Präsidenten Michael A. Roth, der die Gästefans via Mikrophon beruhigte und sich selbst bis zum Schlusspfiff in unmittelbarer Nähe der Fankurve aufhielt. Sicherlich auch aus der Angst heraus, den ersten Sieg im zehnten Pflichtspiel unter dem neuen Trainer Thomas von Heesen möglicherweise nachträglich aberkannt zu bekommen. Sportdirektor Martin Bader machte sich jedenfalls selbst Mut: Ich glaube nicht an einen Punktabzug, das ist nicht Sinn und Zweck von Fußball.
Schalke nutzt die Gunst der Stunde
An der Tabellenspitze hat Schalke 04 den Hamburger SV als Verfolger Nummer eins von Spitzenreiter Bayern München abgelöst. Die Königsblauen gewannen am Samstag mit 1:0 gegen Hansa Rostock und verdrängten die Norddeutschen, die bei Titelverteidiger VfB Stuttgart mit 0:1 den Kürzeren zogen. Schalke 04 eroberte vier Tage vor dem Champions League-Rückspiel beim FC Barcelona den zweiten Platz. Halil Altintop (52.) erzielte das entscheidende Tor für die Knappen, bei denen Nationalstürmer Kevin Kuranyi zunächst auf der Bank Platz nehmen musste. Rostock fiel durch die 15. Saisonniederlage auf einen Abstiegsplatz zurück.
Auch ohne den verletzten Torjäger Mario Gomez setzte der VfB Stuttgart seine Aufholjagd in Richtung internationale Startplätze fort. Roberto Hilbert (20.) erzielte das Siegtor beim 1:0 gegen den Hamburger SV, der nach elf Spielen ohne Niederlage erstmals wieder als Verlierer den Platz verließ. Stuttgart kann als vorläufiger Fünfter bei drei Zählern Rückstand auf Rang zwei weiter auf die Teilnahme an der europäischen Königsklasse hoffen.
Siege für Bremen und Wolfsburg
Werder Bremen meldete sich nach vier sieglosen Spielen mit einem 2:1 bei Hertha BSC im Kampf um die Champions League-Plätze zurück. Tim Borowski erzielte in der 73. Minute den 2:1- Siegtreffer für die Hanseaten, die zuvor viermal nicht gewonnen hatten. Markus Rosenberg hatte die Hanseaten bereits nach 45 Sekunden in Führung gebracht, Andre Lima (10.) glich für die Hertha aus.
Der VfL Wolfsburg bleibt die beste Mannschaft der Rückrunde und kann sich weiter leise Hoffnungen auf einen Uefa-Pokal-Platz machen. Im Niedersachsen-Derby gegen Hannover 96 feierten die Wölfe durch Tore von Ashkan Dejagah (20./71.) und Marcelinho (29.) einen 3:2- Sieg. Arnold Bruggink (27.) und Jiri Stajner (79.) waren die Torschützen für die 96er.
Arminia Bielefeld feierte mit dem 1:0 gegen den Karlsruher SC das erste Erfolgserlebnis unter Trainer Michael Frontzeck. Leonidas Kampantais erzielte in der zweiten Minute der Nachspielzeit das gefeierte Tor für die Ostwestfalen, die mit dem ersten Rückrundensieg die Abstiegsplätze verließen.
Text: FAZ.NET
Bildmaterial: AP, ddp, dpa, REUTERS