Die Liga schlägt zurück

Politik soll es richten

Von Michael Ashelm

25. Juli 2008 Eine Nacht nach der als bitterer Rückschlag empfundenen Intervention des Bundeskartellamtes bei den Vermarktungsplänen im Fernsehen ist die Deutsche Fußball-Liga (DFL) zur Gegenoffensive angetreten und hofft nun auf Hilfe aus Berlin. „Wenn jetzt einer unserer Grundpfeiler angegangen wird, darf die Politik im Interesse der Fans nicht zuschauen“, sagte Ligapräsident Reinhard Rauball am Freitag in Frankfurt.

Zudem wird über rechtliche Schritte gegen die Vorgaben der Bundesoberbehörde aus Bonn nachgedacht; das präferierte DFL-Modell mit einer Erstverwertung im frei empfangbaren Fernsehen am Hauptspieltag (Samstag) erst nach 22 Uhr ist aus kartellrechtlicher Sicht bei Drohung von Sanktionen untersagt. Die Ligaorganisation hatte auf die Möglichkeit gebaut, vom Exklusivpartner im Pay-TV für die Übertragung der Livespiele am Nachmittag mehr Geld zu erhalten. „Wir haben mehrere Prüfungen in Auftrag gegeben, wie juristisch mit der Ablehnung umgegangen wird“, so Rauball.

Eine Garantie existiert nicht

Für das Gesamtpaket – mit einer neuen Verteilung der Berichterstattung auf den unterschiedlichsten Fernseh-, Kabel- und Online-Plattformen – hatte die Agentur Sirius des Münchner Medienunternehmers Leo Kirch der Liga in der Hoffnung auf einen verschärften Bieterwettbewerb eine halbe Milliarde Euro von 2009 an für sechs Spielzeiten geboten, 80 Millionen Euro pro Jahr mehr als derzeit ohne Sirius. Ob der Partner unter den neuen Gegebenheiten noch bei der Stange bleibt, ist offen. Eine Garantie für die durchschnittlich 500 Millionen Euro im Jahr unter allen Bedingungen existiert nicht.

Die klare Ansage des Bundeskartellamtes „entzieht dem Vertrag mit Sirius die Grundlage“, bestätigte der Vorsitzende der DFL-Geschäftsführung, Christian Seifert. Doch den Vertrag gebe es noch, was wohl heißen soll, dass in Zusammenarbeit mit den Kirch-Leuten und durch weitere Konsultationen beim Kartellamt ein neues, kompromissfähiges Vermarktungsmodell gesucht wird.

„Das Bundeskartellamt verhindert den Wettbewerb“

Besondere Rücksicht auf die ungeliebte Verhandlungspartei in Bonn war gestern trotzdem nicht angesagt. „Wir wollten dem Markt eine Wahl geben und sind davon ausgegangen, dass dies eine deutsche Behörde auch wünscht“, so Seifert. „Es ist paradox: Das Bundeskartellamt verhindert den Wettbewerb.“

Damit meinte er vor allem die aus seiner Sicht zu erwartende Zementierung der Preisverhältnisse zwischen Pay-TV und Free-TV sowie der unverändert guten Ausgangsposition der gebührenfinanzierten ARD-„Sportschau“ im Wettbieten um die Free-TV-Rechte mit den privaten Sendern. Rauball sprach deshalb von einer „Lex Sportschau“, als hätte das Bundeskartellamt als staatliche Institution dem öffentlich-rechtlichen Sender eine Vorlage gegeben im Machtspiel um die medialen Sahnestücke im Fußball.

Von der Jugendarbeit bis zum verlässlichen Steuerzahler

Der Ligapräsident aus Dortmund sieht nun die Wettbewerbsfähigkeit des ganzen Profifußballs in Deutschland in Gefahr und führte nochmals die vielschichtige Funktion des Volkssports Fußball in der Gesellschaft an – von der Jugendarbeit bis zum verlässlichen Steuerzahler. Er forderte eine besondere Behandlung.

Rauball und Seifert ließen auch die Gefahren nicht unerwähnt, die aus ihrer Sicht auf der nun zu streng reglementierten Fußballbranche lasteten. Für den DFL-Geschäftsführer ist keinesfalls sicher, dass von 2009 an wenigstens die derzeit aktuelle Summe von 420 Millionen Euro wieder auf dem Medienmarkt erzielt werden kann, und er sprach deshalb von einer „existenzbedrohenden Situation“. Vorerst aber gilt noch, was die DFL gerne in den guten Stunden verbreitet: Die Bundesliga ist so gesund wie nie zuvor.



Text: F.A.Z.
Bildmaterial: AP, ddp

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