Münchener DFB-Pokal-Derby

Ein „cooler Hund“ lässt die Rasselbande leiden

28. Februar 2008 Frech - frecher - Ribéry: 120 Minuten hatte die tapfere Rasselbande des TSV 1860 dem FC Bayern in einem irren Münchner Pokal-Derby erfolgreich die Stirn geboten, dann kam der Millionen-Unterschied doch noch zum Tragen. Beim Elfmeterschießen vor dem Elfmeterschießen demonstrierte der 25 Millionen Euro teure Ausnahmekönner Franck Ribéry jenen Klassenunterschied, der dem haushohen Favoriten beim 1:0-Sieg nach Verlängerung bis dahin abgegangen war.

Erst traf Ribéry eiskalt rechts unten, dann in der notwendigen Wiederholung rotzfrech mit einem Lupfer mitten ins Tor. „Verrückt“, meinte Bayern-Manager Uli Hoeneß nur - und auch Oliver Kahn konnte nur staunen über die Abgebrühtheit des Franzosen. „Man muss sich das mal überlegen: Man schießt den ersten Elfer topsicher unten rechts rein, der Ball wird wiederholt. Mental eine unglaublich schwierige Situation. Aber was macht der! Das ist legendär. Solche Spieler gibt es nur ganz wenige auf der Welt.“

Respekt selbst vom Gegner „Ribery ist ein cooler Hund“

Sogar 1860-Schlussmann Philipp Tschauner äußerte einfach nur pure Hochachtung für seinen umjubelten Bezwinger: „Ein cooler Hund.“ „Ich wusste sofort, wie ich es anstellen wollte“, berichtete Schlitzohr Ribéry, der sich beim zweiten Elfer seiner Sache sehr sicher war, am Donnerstag: „Ich habe gesehen, dass der Torwart nervös war und springen wird. Und außerdem: Wer nichts wagt, der nichts gewinnt.“ Der Lupfer in die Tormitte sei ein Schuss, „den ich mag“, sagte Ribéry: Ein „Opfer“ der Variante, bei welcher der Schütze zum Helden oder Deppen werden kann, war in dieser Saison schon Werder Bremens Torwart Tim Wiese beim Münchner 4:0 am zweiten Bundesliga- Spieltag.

Über Ribérys Ein-Mann-Schau, die die Bayern zum 20. Mal ins Pokal-Halbfinale beförderte und ihnen die Chance auf drei Titel erhielt, gab es keine zwei Meinungen. Über den Elfmeterpfiff von Schiedsrichter Peter Gagelmann (Bremen), der auch für zwei seiner drei Gelb-Roten Karten für Bayern-Angreifer Luca Toni (84.) sowie die „Löwen“ Benjamin Schwarz (111.) und Markus Thorandt (120.+4) Kritik erntete, schon: Beim Foulspiel des Unglücksraben Chhunly Pagenburg an Nationalspieler Miroslav Klose blieb strittig, ob es nicht vor der Strafraumlinie erfolgt war. Eine „waghalsige Entscheidung“ nannte es der wütende 1860-Coach Marco Kurz: „Es ist ganz bitter, nach so einer Entscheidung zu verlieren.“

„Mehr Unterhaltungswert kann ein Fußballspiel nicht bieten“

Der aufgrund des Chancen-Plus verdiente Bayern-Sieg wahrte die Machtverhältnisse in München. „Bayern war die Nummer 1 und wird auch immer die Nummer 1 bleiben“, sagte Trainer Ottmar Hitzfeld nach dem 105. Sieg der „Roten“ im 204. Lokalderby, das zäh begann, niemals hochklassig wurde, aber emotionsgeladen und dramatisch endete.

„Mehr an Unterhaltungswert kann ein Fußballspiel nicht bieten“, urteilte Hoeneß, der gleich sein Wunschlos für das Halbfinale, das an diesem Sonntag ausgelost wird, parat hatte: „Carl Zeiss Jena zu Hause.“ Fußballerisch müssen die Bayern aber schleunigst wieder mehr bieten, wenn die Großinvestition in den Luxus-Kader tatsächlich Rendite in Form von bis zu drei Titeln abwerfen soll, wie Kapitän Kahn deutlich anmerkte: „Das Spiel hat exakt das Manko gezeigt, was wir in dieser Saison haben: Wir bestimmen fast immer die Spiele, aber letztendlich kommt nichts dabei heraus.“

Ein Spiel so zu verlieren, tut ungemein weh“

Auch Hitzfeld war mit der gezeigten Leistung „nicht zufrieden“, etliche Akteure schwächeln bedenklich - und schon am Samstag muss der Bundesliga-Spitzenreiter beim FC Schalke Größe demonstrieren. Dass der Kräfteverschleiß ein Problem sein könnte, wischte Hoeneß beiseite: „Wir sollten aufhören zu lamentieren. Das sind Profis, Samstag ist Spiel - basta!“ Auch die „Löwen“ lamentierten nicht groß nach dem bitteren Last- Minute-K.o. Sie waren traurig, das ja.

„In der 120. Minute so ein Spiel zu verlieren, tut ungemein weh“, bemerkte Verteidiger Torben Hoffmann. Aber der Zweitliga-Verein mit seinen vielen Talenten schöpfte Mut, dass es irgendwann auch wieder Bundesliga-Derbys gegen den ungeliebten Lokalrivalen geben wird. „Die Mannschaft kann stolz sein“, meinte Manager Stefan Reuter. Die „Löwen“-Asse von morgen müssten aber noch lernen von Bayern-Superstars wie Ribéry, empfahl Kurz: „Wir müssen ausgebuffter werden. Das ist ein brutaler Lernprozess.“

Fan-Auseinandersetzungen gibt es nur vor dem Duell

Unterdessen zog die Polizei am Tag danach Bilanz: zwölf Festnahmen, vier Löwen-Fans in Gewahrsam, drei eingeschlagene U-Bahn-Scheiben und zwei Verletzte. Während des Duells zwischen blieb es ruhig, und auch nach der Begegnung kam es nicht zu Zwischenfällen. Vor dem Spiel hatte die Polizei jedoch alle Hände voll zu tun. „So schlimm war es lange nicht mehr“, sagte Polizeisprecher Wolfgang Wenger. Die Sicherheitskräfte waren mit über 400 Beamten im Einsatz und hielten die rivalisierenden Fangruppen vor dem Spiel getrennt. Dennoch kam es zu Rangeleien, als einige der Fans auf die Polizei losgingen.

Vier Löwen-Anhänger wurden dabei wegen Missachtung von Platzverweisen in Gewahrsam, zwei weitere festgenommen - einer nach einem Flaschenwurf, der zweite wegen einer Bierattacke. Beim Transport der 1860-Fans mit der U-Bahn zum Stadion wurden drei Scheiben in drei verschiedenen Zügen zerstört, ein Löwen-Fan verletzte sich dabei leicht an der Hand und wurde festgenommen. Eine Angestellte der U-Bahnwache wurde von einem Bayern-Fan durch Schläge ins Gesicht verletzt. Der Täter wurde ebenso festgenommen und angezeigt wie ein weiterer, flaschenwerfender Bayern-Fan.

Bayern München - 1860 München 1:0 n.V. (0:0)
Bayern München:
Kahn - Sagnol (76. Lell), Lucio, van Buyten, Lahm - Altintop (46. Ribery), van Bommel, Ze Roberto, Kroos (65. Klose) - Podolski, Toni. - Trainer: Hitzfeld
1860 München: Hofmann (35. Tschauner) - Benjamin Schwarz, Thorandt, Berhalter, Hoffmann - Danny Schwarz, Sven Bender (59. Holebas) - Gebhart, Lars Bender, Bierofka (67. Pagenburg) - Kucukovic. - Trainer: Kurz
Schiedsrichter:
Gagelmann (Bremen)
Tore: 1:0 (120.+2) Ribery (Strafstoß)
Zuschauer: 69.000 (ausverkauft)
Gelbe Karten:
Kroos, Lahm - Berhalter, Hoffmann, Gebhart
Gelb-Rote Karten:
Toni (Bayern / 84.) - Schwarz (1860 / 110.), Thorandt (1860 /120.+4)



Text: FAZ.NET
Bildmaterial: AP, ddp, dpa, REUTERS

Niederlagen gegen die Bayern tun immer weg - solche ganz besonders Die Entscheidung: Ribery versenkt den Ball im Netz Und am Ende gewinnen die Bayern Hauptsache weiter: die Roten haben die Blauen geschlagen Am Anfang fand Luca Toni das Spiel noch amüsant Mamma Mia, das war doch kein Foul Gelb hatte es nach einer halben Stunde wegen Meckerns gegeben Schmerzlicher Abend: Daniel Bierofka von 1860 Der Ersatzmann auf der Gegenseite: Philipp Tschauner Derby-Zeit in München: Blau gegen Rot Spaßbremse Mark van Bommel Fußball-Fieber in München Schiedsrichter Gagelmann lässt sich nicht beirren: Es gibt Elfmeter; Pagenbur... Klose holte den entscheidenden Elfmeter heraus, Ribery verwandelte ihn Auf geht's zum Feiern mit den Fans Sein Spiel war es nicht: Große Gesten, kleine Wirkung bei Luca Toni Seine Tore wurden nicht anerkannt - einmal Foul, einmal Abseits Der Schiri versteht keinen Spaß: Rot für den Stürmer Und tschüss Wie man ihn eben kennt: Oliver Kahn Löwe am Boden: Michael Hofmann musste nach diesem Zusammenprall mit Toni ausg... Bierofka und Bayerns Ze Roberto haben nur den Ball im Blick Ziehen und Zerren für den Erfolg Im Glanze des DFB-Pokals: Bayern-Manager Hoeneß und 1860-Kollege Reuter