18. Mai 2008 Als der Abstieg nach drei Jahren in der 2. Fußball-Bundesliga besiegelt war, herrschte bei den Offenbacher Kickers Frust und Fassungslosigkeit. Durch das 0:3 (0:1) beim VfL Osnabrück rutschten die Hessen am letzten Spieltag erstmals in dieser Saison unter den ominösen Strich und müssen nun in der 3. Liga einen Neuanfang starten. Am Ende entschied die schlechtere Tordifferenz gegenüber dem punktgleichen FC Augsburg (beide 38) gegen den OFC. Das ist ein harter Schlag und ein trauriger Moment. Die schlimmsten Befürchtungen sind eingetreten. Nach dieser Vorstellung sind wir verdient abgestiegen, denn ich habe kein Herz und keine Leidenschaft gesehen, sagte Präsident Dieter Müller.
Im Abstiegs-Endspiel agierte Offenbach viel zu passiv und hoffte vergeblich auf die Schützenhilfe anderer Vereine. Jan Schanda (36.), Mathias Surmann (57.) und ein Eigentor von Denis Epstein (70.) besiegelten vor 12 300 Zuschauern den auch in dieser Höhe verdienten Sieg für die Osnabrücker, die dadurch den Abstieg verhinderten. Wir haben heute versagt. Dieser Tiefschlag ist schwer zu verdauen. Jetzt kommen schwere Tage auf uns zu, erklärte Trainer Jörn Andersen, der keinen Vertrag für die 3. Liga besitzt.
Es herrscht absolute Leere
Ob der Norweger seine Arbeit in Offenbach trotz des Abstiegs fortsetzt, wird sich in den kommenden Tagen entscheiden. Der Verein hat angekündigt, mit mir sprechen zu wollen. Wir werden die Situation analysieren und sehen dann weiter, sagte Andersen. Bereits am Montag werden sich Müller und Vizepräsident Thomas Kalt über die Zukunftsplanung am Bieberer Berg austauschen.
Kickers-Torwart Cesar Thier kritisierte unterdessen den Auftritt seines Teams. Wir hatten uns so viel vorgenommen. Die Art und Weise, wie wir in diesem entscheidenden Spiel aufgetreten sind, war enttäuschend, kritisierte Torhüter Cesar Thier. Der 40-Jährige beendete seine Karriere am Tiefpunkt und war wie seine Kollegen entsprechend traurig. Es herrscht absolute Leere. In der Kabine wurde kein Wort gesprochen, berichtete Kapitän Thorsten Judt. Präsident Müller wollte den Kopf jedoch nicht in den Sand stecken: Das ist keine einfache Situation für uns, aber es geht weiter in Offenbach.
Kaiserslautern verhindert zehn Jahre nach der Meisterschaft den Niedergang
Um 15.25 Uhr brachen unterdessen auf dem Betzenberg alle Dämme. Nachdem der Kanadier Josh Simpson die Roten Teufel gegen den 1. FC Köln in der 70. Minute mit 1:0 in Führung gebracht hatte, kannte der Jubel im mit 48 500 Zuschauern ausverkauften Fritz- Walter-Stadion keine Grenzen mehr. Der überragende Marcel Ziemer machte mit einem Doppelpack (75., 81.) alles klar und krönte damit eine nicht mehr für möglich gehaltene Aufholjagd des FCK in der 2. Fußball-Bundesliga. Ich habe mich in meinem Leben noch nie so toll gefühlt, sagte FCK-Defensivspieler Aimen Demai.
Passend zur unglaublichen Energieleistung des FCK in der Schlussphase öffnete der Himmel über dem Betzenberg seine Schleusen. Bei Fritz-Walter-Wetter machten die Hausherrn in der Schlussphase die Rettung perfekt, mit der nach einer chaotischen Saison lange Zeit niemand gerechnet hatte. Die Spieler haben Können, Talent und Nerven. Das war lange Zeit verschüttet, ist aber in der Endphase der Saison zurückgekommen, lobte der FCK-Vorstandsvorsitzende Stefan Kuntz.
Kuntz und Sasic als Retter
Der Europameister von 1996 schaffte es mit Trainer Milan Sasic, die Stimmung rund um den Betzenberg wieder zu verbessern. Ich bin Stefan unendlich dankbar. Er hat mir und der Mannschaft mit seiner positiven Energie unglaublich geholfen, sagte Sasic. Der FCK-Coach musste gegen den bereits als Aufsteiger feststehenden 1. FC Köln noch einmal ein Wechselbad der Gefühle durchleben. Im ersten Durchgang mühten sich die Roten Teufel zwar redlich, konnten sich aber kaum Torchancen erspielen.
Lediglich Sebastian Reinert (7., 29.) und Ziemer (43.) hatten Möglichkeiten zur so wichtigen Führung.
Erst nach dem Seitenwechsel erhöhten die Pfälzer den Druck und kamen nun fast im Minutentakt gefährlich vor das von Ersatzkeeper Thomas Kessler gehütete Kölner Tor. Bei Reinerts Schuss rettete Kölns-Abwehrspieler Ümit Özat mit dem Kopf, eine Kopfball-Bogenlampe von Moussa Ouattara klärte Youssef Mohamad auf der Linie. In der 69. Minute musste der FCK noch einmal eine Schrecksekunde überstehen, als Nationalspieler Patrick Helmes nur den Pfosten traf.
Simpson brach den Bann
Praktisch im Gegenzug brach Simpson den Bann. Was folgte, war Gänsehautatmosphäre pur. Die Zuschauer auf den Rängen feierten die Wiederauferstehung ihrer Pfälzer, Retter Sasic rutschte auf dem nassen Rasen im Überschwang sogar aus. Ich bin unglaublich stolz auf meine Jungs. Vor fünf Wochen nach dem 0:0 in Aue waren wir fast weg, doch die Mannschaft hat unglaublichen Charakter gezeigt, sagte der Lauterer Trainer.
Zusammen mit Kuntz muss der Kroate nun an einem Team basteln, dass die kommende Saison nicht noch einmal zum Zitterjahr werden lässt. Heute Abend wird erst einmal gefeiert. Und dann steht mir eine Sommerpause mit vielen richtungweisenden Entscheidungen bevor, sagte Kuntz. Doch zunächst machte sich der Lauterer Hoffnungsträger mit der Mannschaft auf den Weg zur Nichtabstiegsparty in die Innenstadt, wo auf dem Stiftsplatz während des Spiels mehr als 6000 Fans mit dem FCK gezittert hatten.
Text: FAZ.NET
Bildmaterial: dpa
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