Bayern München

„Wir sollen nicht ständig mit dem Handy herumlaufen“

03. Juli 2008 Die Profis des deutschen Fußball-Rekordmeisters FC Bayern München müssen bei ihren Acht-Stunden-Tagen im neuen Leistungszentrum weitgehend auf ihre Handys verzichten. „Wir sollen halt nicht ständig mit einem Handy herumlaufen“, erklärte Torhüter Michael Rensing am Donnerstag die Anordnung des neuen Trainers Jürgen Klinsmann und bestätigte damit weitgehend einen Bericht der Münchner „tz“.

Zwar sei das Senden einer SMS durchaus erlaubt, betonte der 24 Jahre alte Nachfolger von Oliver Kahn im Bayern-Tor. Grundsätzlich solle das Mobiltelefon aber während des Aufenthalts auf der Vereinsanlage an der Säbener Straße im Spieler-Spind abgelegt sein. „Wir sollen das Handy-Telefonieren reduzieren.“

Ziel: „Für Deutschland spielen“

Derweil ist die Fußball- Nationalmannschaft für Rensing noch Zukunftsmusik. „Wenn man Stammtorhüter beim FC Bayern ist, dann wird das Thema zwangsläufig kommen. Jetzt konzentriere ich mich aber erst einmal auf den FC Bayern“, sagte der Schlussmann des deutschen Rekordmeisters. „Aber natürlich ist es ein Wunschziel, eines Tages auch für Deutschland zu spielen.“

„Michael Rensing geht in die Saison als ganz klare Nummer eins“, hatte der neue Bayern-Trainer Jürgen Klinsmann Rensing in der ersten Spielzeit nach der Ära Oliver Kahn ausdrücklich den Rücken gestärkt. Klinsmann habe ihn schon vor seinem Sommerurlaub darüber informiert, dass er mit ihm als neuem Stammtorhüter plane, betonte Rensing.

Butt sieht sich als „Teamplayer“

Bundesliga-Rückkehrer Hans-Jörg Butt hat sich mit der Ersatzbank beim deutschen Rekordmeister bereits angefreundet. „Ich sehe mich als Teamplayer“, sagte Butt am Donnerstag.

„Ich habe mehr als 300 Bundesliga-Spiele. Ich brauche jetzt nicht mehr meine persönliche Spielstatistik zu erweitern, um glücklich zu werden.“ Den Sprung in die Nationalmannschaft traut der Routinier Rensing durchaus zu: „Das kann er sicherlich packen. Aber wichtig ist, dass er sich jetzt auf den FC Bayern konzentriert.“

„Klinsmann will wohl amerikanische Verhältnisse“

Unterdessen befürchtet der Bayerische Journalisten-Verband (BJV) beim FC Bayern eine „massive Einschränkung der Pressefreiheit“. Die Neuerung, dass etwa künftig bei Pressekonferenzen nur in den ersten drei Minuten Fotos vom neuen Trainer Jürgen Klinsmann gemacht werden dürfen, stelle eine „massive Einflussnahme“ dar, erklärte der BJV am Donnerstag in München. „Jürgen Klinsmann will beim FC Bayern offensichtlich amerikanische Verhältnisse einführen“, erklärte der BJV-Vorsitzende Wolfgang Stöckel.

Der FC Bayern reagierte mit „völligem Unverständnis“ auf die Vorwürfe. Bei der ersten Pressekonferenz von Klinsmann nach dessen Amtsantritt hatten am Mittwoch in München rund zwei Dutzend Fotografen den Saal aus Protest verlassen. Diese Boykottaktion sei die einzig richtige Reaktion gewesen, sagte Stöckel. Dem hielt Bayern-Vereinssprecher Markus Hörwick entgegen: „Das ist ein ganz übliches Prozedere in der Politik und im Show-Business, dass nur in den ersten Minuten Fotos gemacht werden und die Pressekonferenz anschließend nicht durch Blitzlicht-Gewitter gestört wird.“

„Es muss kein einziger die Bilder nehmen“

Massiv kritisiert der BJV auch die Neuerung, dass sich künftig alle Medienvertreter für die tägliche Pressekonferenz einen Tag vorher akkreditieren lassen müssen. Der BJV befürchtet, dass kritisch berichtende Journalisten keine Akkreditierung erhalten könnten. Hörwick erklärte dazu: „Die Akkreditierung soll allein den Zugang regeln, wie es bei allen Pressekonferenzen auf der Welt üblich ist.“

Auch die neue Regelung, von nicht-öffentlichen Trainingseinheiten Fernsehbilder und Interviews ausschließlich über das eigene Bayern-TV zu verbreiten, stieß beim Verband auf Kritik. Dies sei „hauseigene Hofberichterstattung“, befand der BJV. „Das ist ein Service für die Redaktionen. Bei allen anderen gibt es gar keine Bilder“, sagte Bayern-Sprecher Hörwick. „Es muss kein einziger die Bilder nehmen.“



Text: FAZ.NET mit dpa
Bildmaterial: AP, ddp

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