Streit um Olympia-Abstellung

Fifa stärkt Position der Bundesligaklubs

21. Juli 2008 Im Streit um die Abstellung von Fußball-Profis für das olympische Turnier in Peking hat der Weltverband Fifa die Position der Bundesligaklubs gestärkt. Jerome Valcke, Generalsekretär der Fifa, habe ihm am Sonntagabend in einem Telefonat bestätigt, dass „keine Verpflichtung besteht, Spieler abzustellen, egal ob unter oder über 23 Jahre“, teilte Generalsekretär Wolfgang Niersbach vom Deutschen Fußball-Bund der Zeitschrift „Sport Bild“ mit. Niersbach sagte weiter: „Unsere Auffassung ist also bestätigt. Wir werden die Vereine entsprechend informieren.“

Besonders um die Abstellung von Werder Bremens brasilianischem Spielmacher Diego, HSV-Star Vincent Kompany und Schalkes Brasilianer Rafinha hatte es zuletzt Streit zwischen den Verbänden und Vereinen gegeben, die eine Freigabe verweigerten. Diese Auffassung bekräftigte am Sonntag die Deutsche Fußball Liga (DFL). Sie prüft sogar, ob Spieler, die ohne Zustimmung der Clubs nach Peking reisen, für das olympische Turnier gesperrt werden können.

Bach „würde sich mehr Verständnis wünschen“

Das Turnier der Männer sei im internationalen Rahmenterminkalender nicht hinterlegt, deshalb gibt es keine Abstellungspflicht, erklärte Holger Hieronymus, der stellvertretende Vorsitzende der DFL-Geschäftsführung. Der DFB teile die Auffassung der Liga und unterstütze das Anliegen im direkten Kontakt mit dem Fußball-Weltverband.

Die Profis erhielten ihrerseits neue Unterstützung durch das Internationale Olympische Komitee (IOC). Vizepräsident Thomas Bach sagte der Deutschen Presse-Agentur dpa am Sonntag: „Ich finde es sehr schade, dass die Vereine ihren jungen Spielern den Olympia-Traum verbauen. Da würde ich mir mehr Verständnis wünschen.“ Auch Schalke 04, der Hamburger SV, Hertha BSC und 1899 Hoffenheim wollen im Streit mit dem IOC nicht klein beigeben. Für Schalke-Manager Andreas Müller gibt es keine Handhabe, den Brasilianer Rafinha nach China reisen zu lassen.

Rafinha: Österreich oder Singapur?

Die Vereinsvertreter lehnen die Zuständigkeit von Rogge ab, der den Fußballclubs mit Konsequenzen gedroht hatte, wenn sie Spieler bis 23 Jahren nicht freistellen. Laut dem IOC-Präsidenten werden dann die Profis für die Dauer des Olympia- Turniers gesperrt. Rafinha kündigte in der „Bild am Sonntag„ bereits an: „Ich glaube nicht, dass ich Montag mit Schalke ins Trainingslager fliege, sondern Dienstag mit Brasilien zu Olympia.“

Er erwarte auch Diego am Treffpunkt in Paris. Von dort aus geht es für die Brasilianer zunächst nach Singapur. Das letzte Wort in der verworrenen Angelegenheit ist aber noch nicht gesprochen. Diego hat auf seiner Homepage ein erneutes Gespräch mit der Werder-Führung für diesen Montag angekündigt. An dem Treffen soll auch der Vater des Profis teilnehmen, der sich vehement für die Olympia-Teilnahme seines Sohnes einsetzt.

Eine Frage des Alters

Vorige Woche war Werders „Schlüsselspieler“ mit seinem Olympia-Wunsch bei Allofs und Trainer Thomas Schaaf abgeblitzt. Hertha BSC hatte den 21 Jahre alten Serben Gojko Kacar zu einem Verzicht bewegt und will auch Torjäger Marko Pantelic nicht nach Peking lassen. Pantelic ist aber schon 29 Jahre alt, daher hat der Club das letzte Wort. Der 22 Jahre alte Vincent Kompany vom Hamburger SV soll indes für Belgien spielen, was der HSV ablehnt.



Text: FAZ.NET mit dpa
Bildmaterial: AP, ddp, dpa

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