Von Jörg Hahn
24. Juli 2008 Was die Deutsche Fußball Liga (DFL) als verheerenden Rückschlag beschreibt, ist für die Fernsehzuschauer ein Grund zur Freude: Weil das Bundeskartellamt das geplante Vermarktungsmodell für den deutschen Profifußball zurückweist, wird vieles so bleiben (müssen), wie es der Fan liebgewonnen hat. Am Samstag findet das Gros der Bundesligaspiele statt, und Zusammenfassungen im frei empfangbaren Fernsehen wird es vor 20 Uhr geben. Das kann, wie derzeit, in der Sportschau“ der öffentlich-rechtlichen ARD sein, aber auch in einem Privatsender.
Die DFL vermarktet die Fernsehrechte der 36 Profiklubs der ersten und zweiten Liga zentral, ist also Monopolist – was das Kartellamt akzeptiert, wenn daraus ein erkennbarer Nutzen für den Verbraucher entsteht. Doch das Gegenteil wäre der Fall gewesen, hätte die DFL ihren Vertrag mit dem Medienunternehmer Leo Kirch eins zu eins umsetzen dürfen: noch mehr Spieltage, und eine Berichterstattung im frei empfangbaren Fernsehen hätte es erst nach 22 Uhr am Samstag oder gar erst am Sonntagvormittag gegeben.
Es steht weder ein finanzieller noch ein sportlicher Notstand bevor
Das Fußball-Lager wollte sich vom traditionellen Spiel- und Sendeschema verabschieden, um dem Abonnenten-Fernsehen mehr Exklusivität zu sichern und die eigenen Einnahmen zu steigern. Angeblich kann der deutsche Fußball nur mit mehr Geld in Europa mithalten. Garantiert hatte Kirch der DFL über sein Unternehmen Sirius drei Milliarden Euro für 2009 bis 2015, also 500 Millionen pro Jahr. Derzeit werden insgesamt rund 420 Millionen Euro pro Saison erlöst. Dass dieser Betrag künftig weit unterschritten wird, selbst wenn Kirch sein Angebot zurückziehen und eine neue Ausschreibung stattfinden sollte, ist kaum zu erwarten. Um am deutschen Volkssport teilhaben zu können, nimmt fast jeder Sender gerne viel Geld in die Hand.
Die DFL war dabei, sich mit immer neuen Fernseh-Strategien ihre treuesten Fans irgendwann zu vergraulen. Verstörend ist auch ihre Drohung, bei nicht weiter steigenden Fernseheinnahmen müssten die Eintrittspreise in den Stadien erhöht werden. Um ihre stimmungsvollen Anhänger werden die deutschen Klubs im Ausland beneidet. Jetzt wäre es an der Zeit, ehrlich zu gestehen, dass dem deutschen Fußball unmittelbar weder ein finanzieller noch ein sportlicher Notstand bevorsteht.
Text: F.A.Z.