FAZ.NET-Spezial: 10. Spieltag

Gelassene Bremer und ein Schlager ohne Sieger

Schalker Wunschdenken - wurde nicht erfüllt

Schalker Wunschdenken - wurde nicht erfüllt

06. November 2006 Ein glanzloser Tabellenführer, ein Schlager ohne Sieger, ein immer stärker aufspielender Verfolger und eine sich zuspitzende Krise: Während Werder Bremen nach dem enttäuschenden 1: 1 gegen Aufsteiger Energie Cottbus betont sachlich mit der Überraschung umging und der VfB Stuttgart mit der jüngsten Mannschaft der Bundesliga Richtung Spitze stürmt, konnten die Titelkandidaten Schalke 04 und Bayern München beim 2:2 im direkten Duell kein Kapital aus dem Punktverlust des Spitzenreiters schlagen. (Siehe auch: Nur ein Punkt nach zwei frühen Toren)

Völlig vom Erfolgsweg abgekommen ist Borussia Mönchengladbach. Nach der dritten Pleite in Folge mit 0:1 bei Eintracht Frankfurt haben die Rheinländer nur vier Punkte Vorsprung auf die Abstiegszone, während die Hessen durch Tor von Takahara (78. ) den Anschluß ans obere Tabellenmittelfeld herstellten. Beim Hamburger SV wird die Situation unterdessen immer bedrohlicher, und auch bei Borussia Dortmund sowie Bayer Leverkusen steigt der Frust. (Siehe auch: Bundesliga: Ergebnisse und Tabelle)

Bayern machen mal wieder einen Gastpunkt

Auf Schalke verpaßte der umstrittene Trainer Mirko Slomka durch das Remis gegen Meister München den erhofften Befreiungsschlag. Zwar gelang den Königsblauen ausgerechnet während der „Schweigeminuten“ ihres Anhangs durch Treffer von Peter Lövenkrands (13.) und Lewan Kobiaschwili (20.) schnell ein versöhnendes 2:0.

Doch verspielten die Gastgeber, bei denen Slomka überraschend im Tor Manuel Neuer den Vorzug gegenüber Stammkeeper Frank Rost gegeben hatte, ihren Vorsprung noch: Andreas Ottl (45.) und Roy Makaay mit seinem sechsten Saisontor (52.) retteten den zuvor auswärts dreimal in Folge geschlagenen Bayern, die auf Rang drei vor den punktgleichen Schalkern drei Zähler Rückstand auf Bremen haben, das Remis.

Bremer betont norddeutsch

„Ich sehe das Ergebnis aus meiner festen Überzeugung heraus positiv. Wir haben konzentriert gespielt und den Gegner nicht unterschätzt“, sagte Sportdirektor Klaus Allofs nach dem Remis gegen Energie. Trainer Thomas Schaaf ergänzte: „Ich mache mir keine Sorgen darüber, daß man ein solches Spiel auch einmal nicht gewinnt.“

Nach vier Fußball-Galas in der Bundesliga und dem lockeren 3:0-Erfolg in der Champions League bei Lewski Sofia fehlte dem Tabellenführer gegen den frechen Aufsteiger „ein wenig körperliche und geistige Frische“, wie Allofs anmerkte. Dennoch bleibt der Vizemeister, bei dem der zuletzt formschwache Ivan Klasnic die Führung durch Francis Kioyo ausglich, weiter Tabellenführer.

Stuttgarter Höhenflug

Zu einem Höhenflug setzt derweil der VfB Stuttgart an. „Wir dürfen nicht den Fehler machen, uns die Ziele von außen diktieren zu lassen. Wir bleiben bei unserer Zielsetzung, leidenschaftlichen Fußball zu zeigen. Das gelingt der Mannschaft ganz gut“, erklärte VfB-Coach Armin Veh nach dem überzeugenden 4:2-Erfolg bei Aufsteiger Alemannia Aachen betont zurückhaltend.

Beim HSV spitzt sich die ohnehin bedrohliche Lage immer weiter zu. Trotz der abermaligen Niederlage (0:1 beim VfL Wolfsburg) erteilte Trainer Thomas Doll aufkommenden Spekulationen um einen Rücktritt jedoch eine klare Absage. „Ich habe gesehen, wie meine Jungs bis zum Ende gefightet haben, und diesen Kampfgeist werde auch ich zeigen: Wir werden in Hamburg diesen schweren Weg gemeinsam gehen“, sagte der Coach im Wissen um breite Rückendeckung: „Es gibt doch nichts Schöneres für einen Trainer als Vereinsführung, Mannschaft und Fans hinter sich zu wissen.“

Ärger bei Bayer und dem BVB

Das Vertrauen in den 40jährigen war selbst durch den neuerlichen Dämpfer nur drei Tage nach dem Europapokal-Aus ungebrochen. Klubchef Bernd Hoffmann und Sportdirektor Dietmar Beiersdorfer ließen keinen Zweifel an ihrer Loyalität zu Doll, die Spieler sprachen den Coach von jeder Verantwortung frei und die Fans skandierten nach der Pleite minutenlang „außer Thomas könnt ihr alle geh'n“.

Längst nicht so düster sieht die Lage in Dortmund und Leverkusen aus, doch nach den enttäuschenden 1:1-Unentschieden zu Hause gegen die Außenseiter Arminia Bielefeld beziehungsweise FSV Mainz 05 wächst der Druck auf die Trainer deutlich an. Vor allem BVB-Coach Bert van Marwijk, der zwar jüngst Rückendeckung durch Geschäftsführer Hans-Joachim Watzke bekommen hatte, wurde für seine Auswechslungen mit lauten Pfiffen der enttäuschten Fans bedacht, die nun schon zum vierten Mal in Folge vergeblich auf einen Heimsieg warteten.

Auch bei Bayer verlieren die Anhänger so langsam die Geduld. „Es ist schade, daß meine Mannschaft für den Aufwand, den sie betreibt, nicht belohnt wird. Aber so lange wir uns so viele Tormöglichkeiten herausspielen, bin ich sicher, daß wir in die Erfolgsspur finden“, beschwichtigte Bayer-Chefcoach Michael Skibbe.

Text: FAZ.NET mit Material von dpa und sid
Bildmaterial: AP, dpa, REUTERS

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