Krise auf Schalke

„Ein Trainerwechsel ist derzeit nicht denkbar“

02. März 2008 Mirko Slomka soll auch im Falle eines Ausscheidens in der Champions League am Mittwoch beim FC Porto Trainer des Schalke 04 bleiben. Das bestätigte Schalkes Aufsichtsrats-Chef Clemens Tönnies, der am Samstag noch wortlos das Stadion verlassen hatte, gegenüber der Tageszeitung „Die Welt“ (Montag).

Ob Slomka in jedem Fall auch bis zum Saisonende beim Fußball-Bundesligaklub bleiben werde, wollte Tönnies allerdings nicht garantieren: „Wenn uns der Himmel auf den Kopf fällt, müssen wir natürlich umdenken. Aber derzeit ist ein Trainerwechsel für uns nicht denkbar.“ (Alle Spiele: FAZ.NET-Spezial: Der 22. Bundesliga-Spieltag)

„Es gibt Klubs, die sich selbst hinrichten“

Tönnies nahm Präsident Josef Schnusenberg, der Slomka vor der 0:1-Niederlage gegen Bayern München öffentlich kritisiert hatte („Wir haben Handlungsbedarf“), in Schutz. Auf Schalke seien immer alle Beteiligten sehr emotional. Schnusenberg habe den Trainer nach der Niederlage in Leverkusen wachrütteln wollen. „In den letzten Jahren haben wir in solchen Situationen geschwiegen. Dies hat uns wichtige Punkte gekostet“, sagte Tönnies.

Schnusenberg und Slomka haben derweil in einem Vier-Augen-Gespräch am Sonntag ihren Disput anscheinend aufgearbeitet. „Zwischen Mirko und mir gab es eine sehr offene, sehr deutliche und sehr ehrliche Unterredung. Diese war nötig, um die Atmosphäre zu bereinigen. Wir können unsere gesteckten Ziele nur erreichen, wenn sich Vorstand und Trainer völlig im Klaren darüber sind, was wir gemeinsam tun müssen, um in der Bundesliga wieder erfolgreich zu sein“, sagte Schnusenberg. Er betonte, dass es „kein Ultimatum für den Trainer“ gebe (Siehe auch: Bundesliga-Kommentar: Die hohe Kunst der Trainerrotation).

Nach der dritten Schalker Bundesliga-Niederlage in Folge war die geballte Bayern-Prominenz am Samstag Slomka zur Seite gesprungen. Franz Beckenbauer, Uli Hoeneß und Ottmar Hitzfeld setzten sich vehement für den umstrittenen Coach der „Königsblauen“ ein. „Das war schon immer so bei Schalke. Es gibt Klubs, die sich selbst hinrichten“, sagte Beckenbauer und attackierte Schnusenberg. „Wenn es denen ein bisschen zu gut geht, dann kommt irgendeiner aus der Ecke und schießt dem Verein und der Mannschaft ins Knie.“

Müller um Ausgleich bemüht

Um nicht noch mehr Öl ins Feuer zu gießen, hat Schnusenberg sich am Samstag Redeverbot erteilt. „Ich habe ein Schweigegelübde abgelegt. Das habe ich zwischendurch gebrochen. Jetzt halte ich mich wieder dran“, sagte Schnusenberg.

Dass es dem Präsidenten bei der rasanten Talfahrt allmählich schwindelig wird, kann ihm wohl niemand verübeln. Nicht einmal der schleichend demontierte Slomka selbst, der eigene Fehler offen eingestanden hatte. „Es war eine schwere Woche“, gab Slomka zu. „Für mich war der Druck nicht so passend vor den wichtigen Spielen. Aber auch damit muss man umgehen.“

Anders als Schnusenberg war Manager Andreas Müller um Ausgleich bemüht und sagte im Hinblick auf Achtelfinal-Rückspiel beim FC Porto: „Wir haben ein Spiel vor der Brust, das es für diesen Verein noch nie gegeben hat. Das sollte alle zusammenschweißen.“

„Wer Angst hat, sollte besser zu Hause bleiben“

Kapitän Marcelo Bordon machte in der eigenen Mannschaft mangelnden Rückhalt für den Coach aus. „Wenn wir wollen, dass der Trainer nicht gehen muss, müssen wir auf dem Platz mehr machen“, sagte der Brasilianer und antwortete auf die Frage, ob denn wirklich alle für Slomka kämpfen würden: „Ich sage nichts über einzelne Spieler, aber die wissen schon ganz genau, wie viel Prozent sie bringen.“

Der ehemalige Schalke-Manager Rudi Assauer bescheinigte der Mannschaft im Deutschen Sportfernsehen am Sonntag „Holperfußball“ und stichelte gegen Slomka. „Es ist immer schwierig, wenn ein ehemaliger Kotrainer zum Chef befördert wird und von den Spielern geduzt wird. Das sind die Geschichten, die meistens nicht gut ausgehen.“

„Wie man mit Mirko umgeht, ist nicht fair“

Dass der Schalker Trainer nach dem Abrutschen auf den sechsten Tabellenplatz von den eigenen Bossen in Frage gestellt wird, konnten derweil die Münchner Beckenbauer und Hoeneß einfach nicht nachvollziehen. Hoeneß unterstützte den wackelnden Schalke-Trainer: „Mirko ist mit seiner Mannschaft der einzig verbliebene Bundesliga-Vertreter in der Champions League und kann in dieser Saison auch noch einen Champions-League-Platz erreichen, deshalb verstehe ich die Diskussion nicht.“

Hitzfeld, der den phasenweise deutlichen Klassenunterschied elegant unter den Tisch fallen ließ und von einem glücklichen Sieg sprach, ergänzte: „Wie man mit Mirko umgeht, ist nicht fair. Das ist schlechter Stil.“ Kapitän Bordon beschwor einmal mehr den Kampfgeist. „Wir brauchen nun echte Männer. Die Partie in Porto wird das Spiel des Jahres. Wer Angst hat, sollte besser zu Hause bleiben.“



Text: FAZ.NET
Bildmaterial: AP, ddp, dpa, REUTERS

 
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