Lothar Matthäus

Und wieder darf er nicht

Von Thomas Klemm

12. Januar 2008 Klinsmann kommt – und alle sind begeistert. So oder so ähnlich lauteten die Reaktionen auf den Coup des deutschen Fußball-Rekordmeisters, Jürgen Klinsmann künftig als Cheftrainer zu beschäftigen. Im allgemeinen Überschwang wurde aber – wieder einmal – einer übersehen, der vor Enttäuschung womöglich ins Kissen gebissen hat.

Lothar Matthäus, der Mann, der monatelang fränkisch und frei von seinem Tagtraum erzählt hat, Trainer des FC Bayern zu werden, hätte es wohl oder übel hingenommen, wenn die Münchner einen namhaften Ausländer wie Mourinho, Hiddink oder Rijkaard verpflichtet hätten; aber ausgerechnet seinen alten Münchner Intimfeind Klinsmann? Das musste für Matthäus wie ein Affront wirken. So konnte der 46 Jahre alte Rekordnationalspieler in seiner ersten Wortmeldung eine Spitze nicht verkneifen: Er sei „gespannt, wer für den Teamchef Klinsmann die Trainingsarbeit machen wird“.

„Gedurft ham sie mich nicht gelassen“

Wie ein Hase muss sich Matthäus vorkommen, der um die halbe Welt rennt, um als Trainer endlich in der Bundesliga anzukommen. Er schlug Haken über Wien, Belgrad, Ungarn, Brasilien und Salzburg, doch hierzulande ist Klinsmann sein Igel, der nun schon zum zweiten Mal eher am Ziel ist. 2004, als der DFB einen Nachfolger für Rudi Völler suchte, brachte sich Matthäus wortreich ins Spiel - und musste mitansehen, wie Klinsmann mit einer dezenten Bewerbung den Posten bekam, den DFB umkrempelte und Deutschland für das WM-Team begeisterte.

Nun darf Klinsmann in München schalten und walten; also jener Mann, den Matthäus einst als Abzocker und Schwindler bezeichnete, bis er von Bundestrainer Berti Vogts aus dem Kader für die EM 1996 geworfen wurde. Es war Matthäus’ erste böse Niederlage gegen Klinsmann: Der Schwabe übernahm seine Kapitänsbinde – und führte das DFB-Team zum Titel.

In den vergangenen Wochen hatte sich Matthäus besonders große Hoffnungen auf den Münchner Trainerjob gemacht, nachdem Manager Uli Hoeneß angedeutet hatte, dass ein Matthäus mit Trainerschein – „anders als in der Vergangenheit“ – ein Thema sein könnte. Aber am Ende musste Matthäus einsehen, dass ihn die Vergangenheit doch wieder eingeholt hat: Es gilt sein Wort von 2004, als er nicht Bundestrainer wurde: „Gewollt hab ich schon gemocht, aber gedurft ham sie mich nicht gelassen.“



Text: F.A.Z./kle.
Bildmaterial: AP, dpa, picture-alliance / dpa, REUTERS

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