3:6 in Stuttgart

Derbes Debakel für Werder Bremen

08. März 2008 Werder Bremen hat auch im Titelkampf der Fußball-Bundesliga einen herben Rückschlag erlitten. 42 Stunden nach dem 0:2 im Uefa-Pokal bei den Glasgow Rangers gingen die Hanseaten mit 3:6 (1:2) beim deutschen Meister VfB Stuttgart unter.

„Von den sechs Stuttgarter Toren waren fünf Kontertore. Das ist schwer zu verdauen“, erklärte Bremens Manager Klaus Allofs. Die deutsche Meisterschaft sei nun für Werder „nicht aktuell. Wir müssen uns jetzt erstmal auf Platz zwei und die Champions-League-Qualifikation konzentrieren.“ Trainer Thomas Schaaf nahm die Schlappe sportlich: „Meine Mannschaft hat wunderbar mitgespielt, sich stark beteiligt - aber wir waren auch unglaublich naiv. Das hat der VfB gnadenlos bestraft. Bei aller Niedergeschlagenheit und allem Ärger muss man aber trotzdem sehen, dass die Mannschaft alles versucht hat.“

Dreierpack von Mario Gomez

Der VfB nährte durch den dritten Sieg in der Liga in Folge zumindest die Hoffnung auf die Qualifikation für den Europacup. Sieggarant für den VfB war einmal mehr Mario Gomez. Der Nationalstürmer unterstrich seine herausragende Form mit einem Dreierpack und seinen Pflichtspieltreffern Nummer 12, 13 und 14 (20., 43., 65.) im Jahr 2008. Der kurz zuvor eingewechselte Cacau erzielte das 4:2 (66.) und das 6:3 (87.). Zudem war Per Mertesacker mit einem unglücklichen Eigentor (83.) für die Gastgeber erfolgreich und flog anschließend nach einer Notbremse gegen Gomez auch noch mit Rot vom Platz (89.).

„Wir haben in den ersten 20 Minuten große Probleme gehabt“, resümierte Stuttgarts Meistertrainer Armin Veh: „Danach sind wir zum Glück besser ins Spiel gekommen. Vor allem unsere Konter waren wie aus dem Lehrbuch.“ Zugleich warnte er vor übertriebener Freude: „Wir dürfen trotz des dritten Sieges nacheinander nicht in Euphorie verfallen.“

Bremen ging sogar in Führung

Für Werder trafen Hugo Almeida (9.), Sebastian Boenisch (60.) und Markus Rosenberg (77.). Dabei war den Bremern die kurze Ruhepause nach dem Europapokal-Spiel in Glasgow zunächst nicht anzumerken. „Es war außergewöhnlich, dass wir kräftemäßig gut drauf waren, obwohl wir am Donnerstag gespielt haben“, erklärte Allofs. Auch ohne ihren in der Liga weiter rotgesperrten Spielmacher Diego begannen die Hanseaten vor 55.000 Zuschauern im Gottlieb-Daimler-Stadion druckvoll und wurden belohnt. Almeida traf per Kopf zur 1:0-Führung.

Doch Stuttgart konnte sich erneut auf die Torqualitäten von Gomez verlassen. Zunächst schloss der 22-Jährige ein mustergültiges Zuspiel von Sturmpartner Ciprian Marica zum 1:1 ab, wenig später verwandelte Gomez einen Pass von Yildiray Bastürk zur 2:1-Führung. Bei beiden Gegentreffern war Werder-Keeper Tim Wiese, der in Glasgow gepatzt hatte, machtlos.

Zwei Kontertore binnen 60 Sekunden

Bremens Trainer Thomas Schaaf hatte kräftig rotiert und die Startelf gleich auf fünf Positionen verändert. Beim VfB, dessen Auswärtsspiel am vergangenen Samstag bei Energie Cottbus wegen des Unwetters „Emma“ abgesagt worden war, rückte Serdar Tasci für den angeschlagenen Kapitän Fernando Meira (Adduktorenprobleme) in die Innenverteidigung. Nationalspieler Roberto Hilbert saß überraschend zunächst nur auf der Bank und wurde im Mittelfeld von Antonio da Silva vertreten. Youngstar Sven Ulreich bekam im Tor von Coach Armin Veh erneut den Vorzug vor Raphael Schäfer.

Nach dem Seitenwechsel hätte Ulreich mit einem Patzer fast den 2:2-Ausgleich verschuldet, doch Markus Rosenberg konnte die Unsicherheit des VfB-Schlussmanns nicht nutzen. Als Boenisch mit einem abgefälschten Schuss zum 2:2 traf, reagierten Gomez und Cacau prompt und sorgten innerhalb von 60 Sekunden für die Entscheidung. Rosenberg ließ die Norddeutschen zwar nochmals hoffen, aber am Ende behielten die Schwaben die Oberhand.

VfB Stuttgart - Werder Bremen 6:3 (2:1)
VfB Stuttgart: Ulreich - Osorio, Tasci, Delpierre, Boka (65. Magnin) - Pardo - Bastürk, Hitzlsperger - da Silva (28. Hilbert) - Gomez, Marica (61. Cacau)
Werder Bremen:
Wiese - Owomoyela (58. Fritz), Mertesacker, Naldo, Boenisch - Baumann (58. Hunt) - Jensen, Borowski - Özil - Rosenberg, Hugo Almeida
Schiedsrichter: Fandel (Kyllburg)
Zuschauer: 55.000
Tore: 0:1 Hugo Almeida (9.), 1:1 Gomez (20.), 2:1 Gomez (43.), 2:2 Boenisch (60.), 3:2 Gomez (65.), 4:2 Cacau (66.), 4:3 Rosenberg (77. ), 5:3 Mertesacker (84., Eigentor), 6:3 Cacau (87.)
Gelbe Karten:
Cacau (5), Bastürk (2) / Hunt (4), Jensen (7)
Rote Karte: Mertesacker (Bremen) nach einer Notbremse (89.)



Text: FAZ.NET
Bildmaterial: AP, ddp, dpa

 
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