Zehn Fragen an Kevin Kuranyi

„Ich lebe momentan in einer eigenen Welt“

Der gebrochene Stürmer: „Keiner steckt in meinem Körper und meiner Psyche, um zu wissen, wie schlimm es ist”

Der gebrochene Stürmer: „Keiner steckt in meinem Körper und meiner Psyche, um zu wissen, wie schlimm es ist”

13. Oktober 2008 Kevin Kuranyi hat nach seinem Rauswurf aus der deutschen Nationalmannschaft auf einer Pressekonferenz in Gelsenkirchen seine Entscheidung verteidigt, gleichzeitig aber einen Fehler eingeräumt. Er sei gegangen, weil er das, was in den vergangenen Jahren passiert sei, nicht mehr ertragen konnte. FAZ.NET dokumentiert zehn Fragen an den früheren Nationalspieler.

Wie ist ihre Gefühlslage nach dem Ende Ihrer Karriere in der deutschen Fußball-Nationalmannschaft?

Ich glaube, ich lebe momentan in einer eigenen Welt. Es ist eine sehr, sehr schwierige Situation für mich. Das wünsche ich keinem. Keiner hat so etwas von mir erwartet und keiner kann fühlen, was ich gespürt habe.

War es ein Fehler, dass Sie in der Halbzeitpause des Russland-Spiels einfach verschwunden sind?

Jeder Mensch macht Fehler. Es tut mit für die Mannschaft leid, dass ich einfach gegangen bin. Es war falsch. Dafür habe ich mich in einem Telefonat mit dem Bundestrainer auch entschuldigt. Dafür gibt es keine Worte der Wiedergutmachung. Ich habe mich in der Nationalmannschaft immer sehr wohl gefühlt.

Bereuen Sie Ihre Entscheidung?

Ich stehe vollkommen dahinter. Ich bereue nichts. Der Zusammenbruch kam über das, was in den vergangenen drei Jahren passiert ist. Ich habe immer versucht, für jeden da zu sein und immer alles zu geben. Ich konnte das nicht mehr ertragen - als Spieler und als Mensch. Keiner steckt in meinem Körper und meiner Psyche, um zu wissen, wie schlimm es ist. Es ist vieles zusammengekommen.

Haben Sie schon länger mit dem Gedanken gespielt, Ihre Karriere in der Nationalmannschaft zu beenden oder war letztendlich nur Ihre Nichtberücksichtigung für das Russland-Spiel ausschlaggebend?

Diese Entscheidung hat alles durcheinander gebracht. Es war eine schwierige Überlegung. Ich habe die WM 2006 verpasst, die ein großes Traum für mich war. Ich habe mich dann zurückgekämpft. Es ist sehr hart für mich. Ich hoffe, die Leute verstehen mich.

Wie hat der Bundestrainer reagiert?

Er hat die Entschuldigung angenommen, hätte aber schon vorher einen Anruf erwartet. Das Gespräch war okay. Der Trainer war natürlich überrascht. Ich glaube aber, dass er Verständnis hat.

War es nun eigentlich ein Rücktritt oder ein Rauswurf?

Nichts von beiden. Der Trainer hat eine Entscheidung getroffen, bevor wir gesprochen haben. Das akzeptiere ich.

Wie geht es jetzt bei Ihnen weiter?

Ich hoffe, dass das alles schnell vorbei ist, sich wieder beruhigt und der Alltag kommt. Ich habe noch genügend Ziele, für die ich kämpfen werde. Ich werde alles für Schalke geben und alles dafür tun, damit wir Erfolg haben.

Hatten Sie schon Kontakt mit Ihren ehemaligen Kollegen im deutschen Team?

Ja, hatte ich mit einigen. Viele haben sich über meine Aktion gewundert.

Inwieweit hing Ihre Entscheidung mit Joachim Löw zusammen?

Ich habe noch nie persönliche Probleme mit einem Trainer gehabt. Ich habe Respekt vor jedem Trainer. Auch die Mannschaft ist sehr stark. Wir haben im Sturm Topleute, die es verdient haben, dabei zu sein. Die Nationalmannschaft kann viel erreichen.

Schließen Sie kategorisch eine Rückkehr ins Nationalteam aus?

Nein. Aber das ist Zukunftsmusik. Wichtig ist, dass ich Leistung bringe. Was passiert, müssen andere entscheiden.

Text: FAZ.NET mit sid

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