26. April 2008 Der FC Schalke 04 hat den Hamburger SV im Kampf um die Champions-League-Plätze mit 1:0 (1:0) besiegt und den direkten Konkurrenten nun auf sechs Punkte distanziert. Mit einem Blitztor nach 93 Sekunden brachte Torjäger Kevin Kuranyi die Gäste am Samstag auf die Siegerstraße und erhöhte seine Trefferquote auf 15. Seit nunmehr sechs Partien wartet der HSV auf einen Sieg und muss sogar um einen Uefa-Cup-Rang zittern.
Ich bin sehr erfreut, dass wir einen direkten Konkurrenten besiegt haben, sagte Schalkes Interimstrainer Michael Büskens, das frühe Tor hat uns perfekt in die Karten gespielt.
Kuranyi hat genug Platz für das 1:0
Die Gelsenkirchener Interimstrainer Michael Büskens und Youri Mulder mussten nach dem 5:0 gegen Cottbus in der Defensive umstellen. Heiko Westermann vertrat vor 57.000 Besuchern in der ausverkauften Nordbank-Arena den verletzten Christian Pander (Adduktorenprobleme) auf der linken Seite der Viererkette, Mladen Krstajic (Magen-Darm- Infekt) kehrte ins Abwehrzentrum zurück.
Doch geprüft wurde die Abwehr zunächst nicht - im Gegenteil: die Gäste überraschten mit bedingungslosem Offensivspiel und kamen durch Kuranyi zum 1:0. Nach einem Konter gab der zweikampfstarke Albert Streit die Vorlage für den Kopfballtreffer des Nationalstürmers. Keeper Frank Rost konnte den frühen Rückstand gegen seinen ehemaligen Verein nicht verhindern. Die Hamburger Abwehrformation stand viel zu weit weg. Wir haben Schalke geholfen, in dem wir nur 85 Minuten auf dem Platz waren, sagte HSV-Trainer Huub Stevens, die ersten fünf Minuten haben wir den Gegner aufgebaut.
Altintop hätte den Vorsprung ausbauen können
Der HSV wirkte geschockt. Statt einer Gegenoffensive gelang den Hanseaten minutenlang kaum etwas, ein Fehlpass nach dem nächsten gab den motivierten Schalkern noch mehr Aufwind. So hatte auch Halil Altintop bereits nach sieben Minuten die Möglichkeit zu erhöhen, als ihn Fabian Ernst bestens einsetzte. Der türkische Nationalspieler hatte sich den Ball aber zu weit vorgelegt.
Der emsige HSV-Angreifer Ivica Olic brachte die Gastgeber wieder ins Spiel, konnte aber seine Chancen (12./16.) nicht verwerten. Erst lenkte S04-Schlussmann Manuel Neuer den strammen Schuss über das Gehäuse, dann köpfte der Kroate vorbei.
Dem HSV fehlt die spielerische Klasse
Eine Verletzung von Vincent Kompany zwang Stevens bereits nach einer halben Stunde, seine Taktik mit Guy Demel auf der rechten Außenbahn zu ändern. Der eingewechselte Piotr Trochowski konnte den Offensivbemühungen kaum Impulse geben - der HSV wirkte zunehmend einfallslos gegen die körperlich robusten Gäste.
Auch nach dem Wechsel blieben die Offensivbemühungen der Norddeutschen Stückwerk, Paolo Guerrero (54./73.) gab lediglich Warnschüsse auf das gegnerische Tor ab. Nach 54 Minuten hatte Stevens von den Aktionen Thimothee Atoubas genug, der nicht nur bei der Verhinderung des Führungstreffers zu passiv agierte. Der Kameruner musste Miso Brecko weichen. Mit verbessertem Zweikampfverhalten und erhöhtem Tempo stemmte sich der HSV gegen die drohende Niederlage, allein die spielerische Klasse fehlte.
Stevens wirkt immer ratloser
Der 15. Saisontreffer des vor Selbstbewusstsein strotzenden Kevin Kuranyi war praktisch der Champions League-K.o. für den HSV und warf in Hamburg die Frage auf, ob Trainer Huub Stevens in der Schlussphase der Saison mit seinem Latein am Ende ist. Das ist ein Rückschlag, bekannte Sportdirektor Dietmar Beiersdorfer die letzte Überzeugung und Entschlossenheit der spielbestimmenden, aber vor dem Tor harmlosen Hanseaten vermisste.
Bei sechs Punkten Rückstand auf Schalke ist nicht nur der Zug zur Königsklasse abgefahren - nun droht der HSV sogar nach unten durchgereicht zu werden. Königsblau kann sich dagegen mit 54 Zählern Hoffnungen machen, die punktgleichen Bremer in den ausstehenden vier Partien noch von Platz zwei zu verdrängen. Stevens, der nach der Suspendierung von Vincent Kompany und 15.000 Euro Bußgeld für Rafael van der Vaart in dieser Woche wieder den Kumpeltyp gab, wirkt angesichts der Talfahrt immer ratloser.
Seit Stevens im November seinen Abschied angekündigt hat, gewann der HSV drei Bundesligaspiele
Die Einstellung war gut, da kann ich niemandem Vorwürfe machen, sagte der 54-Jährige. Doch nach sechs Spielen ohne Sieg und vier Partien ohne Tor sei das Selbstvertrauen abhandengekommen. Wir versuchen alles und haben gar nicht schlecht gespielt, führte Kapitän Rafael van der Vaart an, für den derzeit ein bisschen das Glück fehlt. Doch nicht allein das Glück ist entscheidend für eine mannschaftlich geschlossene Leistung, die die Stevens-Elf nun schon seit Wochen nicht mehr bringt.
Seit seiner Ankündigung im November, den Club zum Saisonende in Richtung Eindhoven zu verlassen, gewann der Niederländer von 16 Partien lediglich drei. Paradebeispiel für den Leistungsabfall in der jüngsten Vergangenheit ist Thimothee Atouba, der weit von seiner Normalform entfernt ist und gegen Schalke bereits nach 54 Minuten den Platz verlassen musste.
Büskens: Lieber nach Barcelona als nach Wladikawkas
Diese Niederlage ist kein Grund zur Generalkritik, es war eine ordentliche Leistung, meinte HSV-Vorstandschef Bernd Hoffmann, der die Trainerfrage nicht in Zusammenhang mit dem Abrutschen sieht. So will man sich auch nicht unter Druck setzen lassen, den Stevens- Nachfolger schnell zu präsentieren: Wir haben uns eine Menge Zeit genommen und lassen uns nicht von unserem Weg abbringen, unsere Entscheidung bekanntzugeben, wenn wir sie getroffen haben.
Wie belebend ein Trainerwechsel zumindest kurzfristig wirken kann, demonstrierten die Schalker. Wir haben viel von Mirko Slomka gelernt, und lernen von Mike Büskens und Youri Mulder noch mehr dazu, stellte Kuranyi fest, dem in den letzten beiden Partien fünf Tore gelangen - dieses Mal nach nur 93 Spielsekunden gegen eine schläfrige HSV-Abwehr. Interimscoach Büskens wollte den Erfolg aber nicht für Mulder und sich reklamieren: Es geht nicht um den Anteil, den wir an dem Ganzen haben. Das ganze Team will für den Verein das beste herausholen. Dass damit die erneute Teilnahme an der Champions League gemeint ist, machte Büskens' Aussage deutlich: Jeder will lieber nach Barcelona reisen als nach Wladikawkas.
Hamburger SV - Schalke 04 0:1 (0:1)
Hamburg: Rost - Boateng, Mathijsen, Reinhardt, Atouba (54. Brecko) - de Jong, Kompany (27. Trochowski) - Demel, van der Vaart, Olic (79. Zidan) - Guerrero. - Trainer: Stevens
Schalke: Neuer - Rafinha, Bordon, Krstajic, Westermann - Ernst, Jones - Streit (82. Asamoah), Altintop (75. Rakitic), Sanchez (69. Kobiaschwili) - Kuranyi. - Trainer: Büskens
Schiedsrichter: Herbert Fandel (Kyllburg)
Tor: 0:1 Kuranyi (2.)
Zuschauer: 57.000 (ausverkauft)
Gelbe Karten: Boateng (4) - Neuer (2)
Text: FAZ.NET
Bildmaterial: dpa
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