Eintracht-Stürmer über Neuzugang

Amanatidis: Liberopoulos wird ein doppelter Gewinn

Von Josef Schmitt

15. Juli 2008 Seit Jahresbeginn hatte die Personalpolitik der Frankfurter Eintracht eine klare Ausrichtung. Die Frankfurter waren bereit, für junge und entwicklungsfähige Spieler auch viel Geld zu bezahlen. Aus Brasilien haben sie im Winter den 22 Jahre alten Caio, aus Tschechien den 21 Jahre alten Martin Fenin geholt. Im Sommer wurden der 22 Jahre alte Markus Steinhöfer aus Salzburg, der 21 Jahre alte Alexander Krük aus Emden, der 22 Jahre alte Ümit Korkmaz aus Wien und der ebenfalls 22 Jahre alte Habib Bellaid aus Straßburg verpflichtet. Der fünfte Neuzugang der Eintracht für die neue Saison fällt nun aus dem Rahmen. Nikos Liberopoulos, der am Sonntag einen Zweijahresvertrag unterschrieben hat, wird im August 33 Jahre alt. Seine sportliche Vita weist geballte Erfahrung auf: 60 Länderspiele, 350 Erstligaspiele in Griechenland, 76 Europapokal-Einsätze, dreimal „Fußballer des Jahres“, zweimal Torschützenkönig. „In Griechenland ist Nikos ein Star“, sagt Ioannis Amanatidis.

Der Kapitän der Eintracht ist erfreut über die Entscheidung des Vereins. Liberopoulos werde ein „doppelter Gewinn“, prophezeit Amanatidis, „er ist ein hervorragender Fußballer und ein toller Mensch.“ Amanatidis, in der vergangenen Saison nicht selten ziemlich alleine in der Sturmspitze, sieht den Landsmann nicht als Konkurrenten, sondern als Ergänzung. „Ein ganz anderer Spielertyp als alle anderen Frankfurter Offensivkräfte“ sei Liberopoulos. Dessen Stärken lägen im Kopfballspiel und im Durchsetzungsvermögen in der Zentrale des Angriffs. „Er ist eine Bereicherung für unser Spiel“, glaubt der Frankfurter Spielführer.

Nicht gerade mit Routiniers gesegnet

Liberopoulos setzt die jüngere Tradition von griechischen Spielern am Main fort. Neben Amanatidis standen in der vergangenen Saison Sotirios Kyrgiakos und Evangelos Mantzios bei der Eintracht unter Vertrag. Kyrgiakos ist trotz meist guter Leistungen ein Einzelgänger geblieben und hat sich früh entschieden, Frankfurt wieder zu verlassen. Einen neuen Arbeitgeber hat der 28 Jahre alte Abwehrspieler bisher noch nicht gefunden. Mantzios, für ein halbes Jahr von Panathinaikos Athen ausgeliehen, hat den Durchbruch nie geschafft. Nun also Liberopoulos, zehn Jahre älter als all die anderen Neuzugänge. „Ich habe ja im Trainingslager gesehen, dass wir nicht gerade mit Routiniers gesegnet sind“, sagte Vorstandschef Heribert Bruchhagen zur Begründung des Transfers.

Liberopoulos erhält die Trikotnummer 10 und kommt laut offizieller Sprachregelung als Stürmer Nummer drei. Soll heißen, dass er, ähnlich wie Mantzios in der vergangenen Saison, auch mal mit einem Platz auf der Bank rechnen muss. Funkel hat dem Neuen in einem persönlichen Gespräch die Perspektiven deutlich gemacht. „Er ist zu hundert Prozent Profi und kein Stinkstiefel“, sagt Amanatidis. Verständigungsprobleme werde es nicht geben. Er spricht fließend englisch und sei gewillt, Deutsch zu lernen. Liberopoulos wird am Mittwoch gemeinsam mit Amanatidis aus Athen nach Frankfurt kommen und am Donnerstag beim offiziellen Fototermin zum ersten Mal seine neuen Arbeitskollegen kennenlernen.

„Nikos wollte unbedingt noch einmal im Ausland spielen“

Sobald er eine Wohnung gefunden hat, wird er die Familie, seine Frau, seinen drei Jahre alten Sohn und seine eineinhalb Jahre alte Tochter, nachholen. „Nikos wollte unbedingt noch einmal im Ausland spielen“, erzählt Amanatidis. Diesen Traum hat er sich nun erfüllt. Bei AEK Athen waren sie ihm manche fest vereinbarte finanzielle Zuwendung schuldig geblieben. Ein ärgerlicher Umstand, der ihm nun aber geholfen hat, den Vertrag aufzulösen.

Liberopoulos wird aller Voraussicht nach der letzte Neuzugang in dieser Transferperiode sein. Vorstandschef Heribert Bruchhagen bezeichnet die Personalpolitik als „tendenziell abgeschlossen“. Die leichte Einschränkung in dieser Aussage bezieht sich auf sportliche Notfälle, weitere Verletzungsausfälle oder überraschende Entwicklungen – wie die günstige Gelegenheit, einen Wunschspieler zu bekommen. „Es wäre deshalb töricht, wenn ich weitere Neuzugänge völlig ausschließen würde“, sagte Bruchhagen.



Text: F.A.Z.
Bildmaterial: dpa

 
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