Von Roland Zorn
22. Februar 2008 Fußball-Fernsehmarathon: Von 17 Uhr bis kurz nach Mitternacht spielten, kämpften, zauberten und grätschten sich am Donnerstag eine Reihe der besten und auch eine der schlechteren Bundesliga-Mannschaften durch den Uefa-Pokal-Wettbewerb. So viel Deutschland auf einen Schlag war selten in dieser Konkurrenz zu besichtigen.
Bis zu viereinhalb Millionen Zuschauer schauten sich Hits wie Bayern München gegen Aberdeen, Hamburger SV gegen den FC Zürich oder Braga gegen Bremen an. Die Gegner, mit denen die Ligaspitzenteams denn auch keine Schwierigkeiten hatten, symbolisierten am besten, dass die aktuelle deutsche Erfolgsgeschichte im Uefa-Cup ein Fortsetzungsroman für nicht ganz so anspruchsvolle Gemüter ist.
Die Musik wird eine Klasse höher gespielt
Selbst der Traditionsklub Galatasaray Istanbul, mit dem Bayer Leverkusen Katz und Maus spielte, oder Benfica Lissabon, das mit großem Dusel dem 1. FC Nürnberg den Sieg vor der Nase wegschnappte, gehören inzwischen zum alten Fußballadel – aber längst nicht mehr zur Elite der Happy few. Die Musik, die den Ton angibt, wird eine Klasse höher gespielt: in der Champions League, wo der FC Schalke 04 ein Solo für Deutschland gibt.
Den feinen Unterschied zwischen begehrter deutscher Hausmannskost im Uefa-Pokal – erstmals nach 18 Jahren kommt wieder ein Viertel der Achtelfinalteilnehmer aus der Bundesliga – und der Delikatessabteilung mit großenteils englischen, italienischen oder spanischen Zutaten machen auch noch so viele deutsche Erfolge im Europacup 1b nicht wett.
Schöne Tage führen nicht an Realität vorbei
Doch der Fortschritt ist gleichwohl unaufhaltsam. Es gab zuletzt ja auch eine Reihe von Spielzeiten, in denen die Bundesliga in beiden Wettbewerben unterrepräsentiert war. Alles Bayern oder was, lautete das Motto der jüngeren Vergangenheit. Heute tragen die Münchner auf ihrer Strafexpedition durch Europas bessere Fußballprovinz tatkräftig dazu bei, dass sich die deutschen Klubs in der Fünfjahresrangliste der Europäischen Fußball-Union (Uefa) signifikant verbessern.
Bayern, Hamburg, Werder und Bayer beweisen mit ihren Erfolgen eine Punkte-Sammlerleidenschaft, die der Bundesliga die Chance verschafft, im nächsten Jahr sogar die Franzosen auf Platz vier der Uefa-Wertung zu überholen. Kleinvieh macht eben auch Mist, so dass von dem vor kurzem noch drohenden Verlust eines zweiten festen Startplatzes in der Champions League keine Rede mehr sein kann. Man ist wieder wer – und bleibt doch auf Abstand zu den europäischen Superstars. An dieser Realität führen noch so schöne Tage im Uefa-Cup nicht vorbei.
Text: F.A.Z.
Bildmaterial: dpa
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