18. Februar 2007 Dämpfer für Tabellenführer FC Schalke 04, Blamagen für Werder Bremen und Bayern München - ein närrischer Spieltag voller Überraschungen hat den VfB Stuttgart endgültig in den engsten Kreis der Titelaspiranten befördert.
Die Schwaben hielten sich am Karnevals-Wochenende als einziges Spitzenteam schadlos und sind nach dem 4:0-Kantersieg bei Eintracht Frankfurt als neuer Tabellenzweiter nur noch fünf Punkte vom Platz an der Sonne entfernt. Zum Leidwesen des Spitzenreiters aus Gelsenkirchen, der es trotz einer 2:0-Führung in Wolfsburg versäumte, den Vorsprung auszubauen. Wenn man deutscher Meister werden will, muss man solche Fehler unterlassen, klagte Trainer Mirko Slomka.
Dritte Werder-Niederlage hintereinander
Auf dem Weg zum siebten Sieg in Serie wurden die Schalker eine Minute vor dem Ende aus allen Träumen gerissen. Der zweite Treffer von Diego Klimowicz sorgte nach wochenlangem Höhenflug für Ernüchterung. Zudem gab das anhaltende Verletzungspech zu denken. Weil sich Peter Lövenkrands einen Bänderriss im Knöchel zuzog, muss Slomka in den kommenden Wochen auf eine weitere Offensivkraft verzichten. Dennoch zwang sich der Coach zu einer positiven Sicht der Dinge: Wir haben einen Punkt auswärts gewonnen und nicht verloren.
Noch schlechter werden die Profis aus Bremen und München den 22. Spieltag in Erinnerung behalten. Werder leistete sich beim 0:2 gegen den HSV die dritte Niederlage in Serie und rutschte auf den dritten Rang ab. Beim FC Bayern gerät nach dem 0:1 in Aachen sogar das Minimalziel in weite Ferne. Zum ersten Mal seit 1996 droht der Ausfall der für den Rekordmeister wichtigen Einnahmen aus der Champions League. (Siehe auch: Bayern verliert in Aachen: Aus dem Paradies vertrieben)
Kahn: Spielen wie im Abstiegskampf
Nicht zuletzt deshalb redete Oliver Kahn Tacheles: Wir müssen spielen, als wären wir im Abstiegskampf. Mit sarkastischem Unterton schwor der Bayern-Torhüter seine Mitstreiter auf die anstehende Partie gegen Real Madrid in der europäischen Königsklasse ein: Vielleicht wollen wir uns in diesem Jahr als Champions-League-Sieger für die Champions League qualifizieren. (Siehe auch: Der Bundesliga-Kommentar: Bayerisches Gebräu) Im unfreiwilligen Kampf um einen Uefa-Cup-Platz haben die Münchner nun unerwartet Konkurrenz aus Bayern bekommen: Der 1. FC Nürnberg gewann mit 1:0 gegen Energie Cottbus und liegt mit nur einen Punkt hinter der Macht von der Isar auf Platz 5.
Auch für die noch in der Hinrunde hochgelobten Bremer geht es stetig nach unten. Und doch hat Werder den Kampf um die Meisterschaft noch nicht aufgegeben. Ungeachtet des stattlichen Rückstandes von nunmehr sieben Punkten machten Durchhalteparolen die Runde. Was uns mit zuletzt drei Niederlagen passiert ist, kann auch den Schalkern und Stuttgartern passieren. Aber dann müssen wir zur Stelle sein, sagte Manager Klaus Allofs.
Klopp: Nur eine Pflichtaufgabe
Ähnlich furios wie an der Spitze ging es im Tabellenkeller zu. Dort machen neben den Hamburgern vor allem die Mainzer positiv von sich reden. Mit 13 von 15 möglichen Punkten avancierte das noch in der Winterpause abgeschriebene Team von Trainer Jürgen Klopp in der Rückrunde zur Mannschaft der Stunde. Dank des 2:1 bei dem bis dato vor heimischer Kulisse ungeschlagenen Uefa-Cup-Anwärter Hertha BSC verbesserte sich der FSV auf den 11. Tabellenplatz. Obernarr Klopp gab seinen Profis dennoch keine freie Fahrt zum Feiern. Wenn man die anderen Ergebnisse sieht, dann war dies hier nur eine Pflichtaufgabe, um überhaupt im Rennen zu bleiben.
Misslungen ist das Cheftrainer-Debüt von Frank Geideck, der das Heimspiel mit Arminia Bielefeld gegen den VfL Bochum 1:3 verlor und die Negativserie von nun zehn Spielen ohne Erfolg nicht stoppen konnte. Die Bochumer machten mit ihren ersten Treffern der Rückrunde wichtigen Boden im Abstiegskampf gut.
Verlierer des Spieltages war Borussia Mönchengladbach. Nach dem 0:1 bei Borussia Dortmund rutschte der Altmeister auf den letzten Tabellenrang ab. Aus Angst vor dem zweiten Bundesligaabstieg nach 1999 rief Spordirektor Peter Pander Alarmstufe Rot aus: Nun ist jedem klar, worum es geht. Wir stehen mit dem Rücken zur Wand, von nun an haben wir noch Endspiele.
Text: FAZ.NET mit Material von dpa/sid
Bildmaterial: ddp, dpa, REUTERS