Um die Position von Manchester United richtig zu beurteilen, bedarf es einer Klarstellung: der Club ist hoch-profitabel und war schuldenfrei -- bis die derzeitigen amerikanischen Investoren den Kaufpreis ueber Schuldenaufnahme finanzierten, die sie dem Verein aufbuerdeten. Manchester United war - aehnlich wie Bayern Muenchen - schuldenfrei und profitabel und kann dennoch solchen Fussball spielen. Dann muss man sich auch noch Arsenal ansehen: der Kader kostet weniger als die Haelfte dessen von Manchester United und dennoch spielen sie dort den - wenn das denn moeglich ist - schoensten Fussball der Insel. Gescheitert sind sie dieses Jahr an mangelnder Erfahrung (Durchschnittsalter des Teams: 23). Die einzigen Schulden, die Arsenal hat, stammen aus dem Stadion-Neubau, der zu 100% selbst finanziert wurde, d.h. ohne grosse Spritzen der Stadt London (das haben die Muenchener nicht geschafft). Es ist also bei weitem nicht so, dass es alles nur mit wahnsinnigen Maezenatentum ginge. Es geht auch profitabel! Und was Koennen und Passion angeht, kann ich meinem Vorredner nur zustimmen: das ist nicht zu kaufen!
Ich gebe dem Autor in Bezug auf die nicht zu ersetzende Begabung recht, aber mit dem Personalvergleich Bayern - ManU liegt er ziemlich daneben. Lucio ist ein sehr viel besserer Fußballer als der arg limitierte Terry, ein Ribery kann sehr wohl einem Christiano Ronaldo das Wasser reichen und ein Toni ist genauso gut wie Drogba. Wenn man wie der Autor willkürlich hier Leute herausgreift, kommt man auch zu willkürlichen Ergebnissen. Interessant ist doch der Vergleich der Stammpositionen. Ich behaupte, dass die Bayern-Abwehrkette mit Lahm, den ManU ja haben wollte, Lucio, Demichelis und Jansen in Europa überhaupt keinen Vergleich zu scheuen braucht. Das Potential, diese Vereine zu schlagen, ist vorhanden. Wichtig ist natürlich schon ein moderner Trainer, der die Mannschaft personell, in Taktik und Spielrythmus weiter bringt. Das war unter Hitzfeld nicht der Fall.
Erfolgreich ist derjenige, der Erfolg hat. Mal ist es die Mannschaft aus jenem Land und dann ist es wieder jene Mannschaft aus diesem Land. Das war noch nie anders. Loblieder wurden gesungen, tiefschürfende Analysen drangehängt, wenn es darum ging, die Vorteile in Italien, Holland oder Spanien zu manifestieren. Die Industrialisierung des Fußballs zeigt Wirkung, aber nächstes Jahr stehen Mannschaften aus anderen Ländern im Finale. Die Wahrheit liegt auf dem Platz.
Den Fußball gibt es nicht nur in der Bundesliga nicht zu sehen, sondern auch nicht, wenn demnächst in den beiden betulichen Alpenländern die betuliche EM ihren Lauf nimmt. Keine der dort antretenden Nationalmannschaften dürfte in der Lage sein, den beiden Champions-League-Finalisten ernsthaft Paroli zu bieten. Die Jungs vom Luschniki-Park waren neben ihren ausgeprägten fußballerischen Qualitäten außerdem mit einer Leidenschaft dabei, die auch mit Geld nicht zu erkaufen ist. Es ist eine einfache, unkomplizierte, handfeste Welt, in der sich dergleichen abspielt, die Fans eingeschlossen. Aber sie zieht und ist für einen Moment das Highlight in der realen Welt.
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