Champions-League-Finale

Unbezahlbare Begabung

Von Peter Heß

22. Mai 2008 Manchester United und der FC Chelsea haben sich in der Nacht zum Donnerstag in Moskau ein hinreißendes Duell um die europäische Fußballkrone geliefert. Das Champions-League-Finale bot alle Qualitäten des Spiels in einer Ausprägung, die sich der englische Fan nur wünschen und der deutsche nur erträumen kann: Dramatik, Akrobatik, Dynamik, Tempo, Kampf, Emotionen. Was sich im Luschniki-Park abspielte, wird in einer Bundesliga-Begegnung nie zu bewundern sein. Und ob Bayern München, das Symbol deutscher Extraklasse, jemals in der Lage sein wird, in der Königsklasse höchstes europäisches Niveau zu erreichen, ist auch fraglich.

Falls die Münchner nicht mehr aufschließen könnten, wäre das auch nicht so schlimm. Chelsea und Manchester haben den Qualitätsvorsprung teuer, zu teuer erkauft. 1,5 Milliarden Pfund Schulden häuften die beiden Klubs an – wobei man unterscheiden muss: Chelsea ist das Spielzeug seines Besitzers Abramowitsch, der 578 Millionen Pfund an zinslosen Krediten hineinpumpte (Gesamtschulden 736 Millionen Pfund), Manchester ein Investmentobjekt, das sich für die Anleger bei Weiterverkauf lohnen könnte.

Lieber schlechterer Fußball, als Schulden wie Chelsea

So oder so: Es sind atemraubende Beträge. Dagegen verkündete Bayern-Manager Uli Hoeneß unlängst, dass sein Klub nicht nur schuldenfrei sei, sondern auch die gerade abgelaufene Saison mit schwarzen Zahlen überstanden habe – und das nach dem Rekordinvestment in neues Personal von über 70 Millionen Euro. Zum Vergleich: Der FC Chelsea meldete im Februar stolz, das Minus im Geschäftsjahr 2006/07 habe sich im Vergleich zum Vorjahr von 80 auf 75 Millionen Pfund verringert. Herzlichen Glückwunsch. Dann doch lieber etwas schlechter Fußball spielen.

Die Münchner wollen ihrer seriösen Geschäftsidee treu bleiben, Manager Hoeneß setzt auf den neuen Trainer Jürgen Klinsmann, um irgendwann irgendwie die Lücke nach oben zu schließen. Klinsmanns Ansatz ist es, jeden einzelnen Profi durch individuelles Training zu verbessern. Damit hat er bei der Nationalmannschaft nette Erfolge erzielt. Aber die Luft nach oben ist dünn.

Talent ist nicht trainierbar - aber es ist käuflich

So gut kann Klinsmanns Training gar nicht sein, um aus einem Klose einen Drogba, aus einem Schweinsteiger einen Cristiano Ronaldo, aus einem Altintop einen Rooney oder aus einem Lucio einen Terry zu machen. In der absoluten Spitzenklasse befinden sich nur die größten Talente, die ihre Begabung durch eine hervorragende Berufsauffassung veredelt haben. Aber Talent ist nicht trainierbar, sondern nur einzukaufen.

Im Moskauer Finale standen zwei ehemalige Bundesligagrößen der Bayern: Owen Hargreaves bei Manchester, Michael Ballack bei Chelsea. Hargreaves spielte eine gute, Ballack eine dominierende Rolle in seiner Mannschaft. Beide haben sich in der Premier League deutlich weiterentwickelt. Vielleicht, weil dort auch besser trainiert wird als im Bundesliga-Durchschnitt. Sicher, weil sie durch ihre besseren Mitspieler mit einem neuen, höheren Level konfrontiert und dann vertraut wurden. Sie haben sich angepasst, weil sie genug Talent dazu haben. Und zu viel Begabung ist für die Bayern unbezahlbar.



Text: F.A.Z.
Bildmaterial: AFP, AP, dpa, REUTERS

Das ist ihr Ding: Manchester Uniteds Spieler feiern sich Geknickt: John Terry hatte den Sieg auf dem Fuß - und traf den Pfosten Völlig losgelöst: die Jungs aus Manchester Star-Appeal im Luschniki-Park Am Ende wurde es sehr turbulent Verlängerung: Wayne Rooney kühlt sich ab Er hatte getroffen: Ausgleich zum 1:1 Das Glück des Moments: Chelseas Ausgleich kurz vor der Pause Die Männer am Rande: Manchesters Sir Alex Ferguson (r) und Avram Grant Geballte englische Energie: Wayne Rooney Der russische Geldgeber auf der Tribüne: Chelsea-Besitzer Roman Abramowitsch Der zur Zeit beste Spieler der Welt hatte das 1:0 geköpft: Cristiano Ronaldo Mann zeigt Bauch: typisch britisch Zehn Blaue und ein Roter: der FC Chelsea vor dem Finale Untröstlich: Michael Ballack (r) Sein Sieg: Edwin van der Sar hielt den entscheidenden Elfmeter Folgen eines Schusses: Anelka (l) trauert, Hargreaves und Co. jubeln Feuilletonistischer Einstieg ins Finale: halbe Bälle im Vorprogramm Rot nach Tätlichkeit: Drogba muss raus Pfosten! Van der Sar im Glück nach Drogbas Schuss Erst zwei Mal abgefälscht, dann van der Sar ausgerutscht, schließlich trifft ... Ronaldo: Tor Blick auf dem Ball: Michael Ballack (r), verfolgt von Paul Scholes Chelseas Mann von der Elfenbeinküste: Didier Drogba Der Deutsche im Mittelfeld: an Ballack richtete sich Chelsea auf Ein Fall für van der Sar: Manchesters fliegender Holländer mittendrin Blau-weiße Parade in Moskau: Chelsea-Fans bekennen Farbe Zehn Rote und ein Grüner: Manchester United nimmt Stellung Auftrumpfend: Wayne Rooney Die Parade von van der Sar gegen Anelka Dabei sah es gut aus für Chelsea, als Cech gegen Ronaldo parierte Latte in der Verlängerung! Noch mal Glück für Manchester Trauriger Abgang eines großen Spielers Choreographie des Jubelns für die Kamera: Didier Drogba mit Frank Lampard Gruß nach oben: Lampard widmet das Tor seiner kürzlich verstorbenen Mutter Spieler-Traube: alle wollen Ronaldo tätscheln Hoher Luftstand: Florent Malouda (l) und Wes Brown Portugiesische Momentaufnahme: Cristiano Ronaldo am Boden Manchesters Argentinier im Einsatz: Carlos Tévez Alex Ferguson: Spielanalyse an der Seitenlinie Manchesters Liebe: United Das Objekt der Begierde