Bundesliga-Kommentar

Suchen und Finden

Von Roland Zorn

23. April 2008 Die einen suchen immer noch, die anderen sind rasch fündig geworden. Die einen sollen inzwischen so viele Trainer kontaktiert haben, dass man damit die ganze Fußball-Bundesliga beliefern könnte, die anderen steuerten schnurstracks auf den einen zu und holten sich vorweg dessen bewährten Assistenten. Die einen können schon die Zukunft planen, die anderen müssen erst ihre Gegenwart meistern.

Mit anderen Worten: Schalke 04 hat seit dem Mittwoch in Fred Rutten genau den Trainer, den der Klub nach der Entlassung von Mirko Slomka vor elf Tagen haben wollte; der Hamburger SV geht auf die letzten fünf Bundesligarunden mit Huub Stevens und kann trotz monatelanger Bemühungen noch immer keinen Nachfolger für den nach Eindhoven wechselnden Niederländer präsentieren.

Auf dass sich Schalke qualifiziert

So viel Unentschiedenheit kann, auch wenn es keine unmittelbaren Kausalzusammenhänge gibt, den sportlichen Fortschritt lähmen – wie beim HSV in letzter Zeit zu sehen. Bei den Schalkern wiederum wurde nach der Trennung von Slomka erkennbar gehandelt, um mit der Zäsur kein Vakuum zu schaffen. Youri Mulder, einer der königsblauen Uefa-Pokalsieger, kam zurück und besetzte mit seinem früheren Mitspieler Mike Büskens wie selbstverständlich die frei gewordene Trainerstelle übergangsweise.

Es fügte sich, dass Mulder beim FC Twente der erste Helfer seines nun auch kommenden Chefs Rutten war. In dessen Sinne wird der Statthalter nun auch gemeinsam mit Büskens, der an der Seite von Mulder Schalker Co-Trainer bleibt, ganze Arbeit bis zum Saisonende leisten – auf dass sich die Westfalen für die nächste Champions-League-Serie qualifizieren.

Suche nach Hamburger Art mutete einst innovativ an

In Hamburg, wo sie zunächst innovativ anmuteten mit ihrem gründlichen Trainer-Scouting, haben sich die Spuren bei der langen Suche nach dem richtigen Mann irgendwann verlaufen. Zu viele Namen, aber keine Entscheidung: Zwischenzeitlich wurde stattdessen ein Dissens zwischen dem Vorstandsvorsitzenden Hoffmann und Sportchef Beiersdorfer sichtbar.

So unterliefen die Norddeutschen ihre eigene bessere Absicht, mit mehr Gründlichkeit einen Zeitvorsprung bei der Trainerfindung zu nutzen. Inzwischen steckt der Klub sowohl in der sportlichen wie auch in der personalpolitischen Bredouille.

Schnelle vielversprechende Lösungen gefunden

Dabei war die Grundidee, alle möglichen Daten und Erkenntnisse über den Mann einzuholen, der demnächst die Verantwortung für Wohl und Wehe der Bundesliga-Mannschaft tragen soll, im Grunde gut. Da aber große Teile der Suchphase öffentlich, und sei es auch nur spekulativ, begleitet wurden, wohnte der produktiven Absicht auch ein faktischer Entwertungsprozess inne.

Der Hamburger SV ist jetzt an einem Punkt, an dem er handeln sollte; die Schalker – auch die Bayern, als sie im Winter Jürgen Klinsmann als Nachfolger des zum Saisonende verabschiedeten Erfolgstrainers Ottmar Hitzfeld präsentierten – haben vorgemacht, wie man schnell ans Ziel kommen kann: mit einer Lösung, die vielversprechend anmutet. Schließlich gehörte Fred Rutten auch bei den Hamburger Trainerforschern mal zu den aussichtsreichsten Kandidaten.



Text: F.A.Z.
Bildmaterial: ddp

 
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