Tatort Bundesliga

„Wer sich nicht benimmt, der fliegt“

Michael Tarnat sieht Rot

Michael Tarnat sieht Rot

21. August 2006 Deutschlands Schiedsrichter erhoffen sich von der Kartenflut am zweiten Bundesliga-Wochenende eine Signalwirkung. „Nach so einem Spieltag, an dem es mal sauber rumst, reißen sich die Spieler danach wieder zusammen“, sagte Manfred Amerell vom Schiedsrichter-Ausschuß des Deutschen Fußball-Bundes (DFB) am Montag. Einen Trend nach den Ausrastern, groben Fouls und vermeintlichen Schauspiel-Einlagen einiger Profis sehe er aber „überhaupt“ nicht.

Michael Tarnat (Hannover 96, zwei Spiele Sperre), Guy Demel (Hamburger SV, Entscheidung noch offen), Sotirios Kirgiakos (Eintracht Frankfurt, ein Spiel), Mladen Krstajic (FC Schalke 04, drei Spiele) und Ricardo Osorio (VfB Stuttgart, ein Spiel) sahen die Rote Karte, der Stuttgarter Antonio da Silva die Ampelkarte. Insgesamt vermeldeten die Statistiker neun Platzverweise aus den ersten 18 Bundesliga-Partien dieser Saison - Rekord nach Einführung der Gelb-Roten Karte seit 1991 (Siehe auch: FAZ.NET-Spezial: Der zweite Spieltag).

„In England wirst du dafür gelyncht“

„Wenn Spieler sich nicht benehmen können, fliegen sie raus“, sagte Volker Roth, Vorsitzender des Schiedsrichter-Ausschusses, im Fachmagazin „kicker“. Amerell stellte zudem klar: „Es wird kein Schiedsrichter scharf gemacht.“

Schiedsrichter-Lehrwart Eugen Strigel räumte jedoch auch Fehler der Unparteiischen ein. Die Rote Karte gegen den Frankfurter Kirgiakos nach dem Umfaller von Wolfsburgs Diego Klimowicz wegen eines „Kontakts am rechten Ohr“ (Klimowicz) sei diskussionswürdig. „Um so etwas zu vermeiden, sind Trainer und Fans gefordert“, sagte Strigel in einem Interview mit der Tageszeitung „Die Welt“. Wolfsburgs Coach Klaus Augenthaler hatte gleich nach dem Spiel die Aktion seines Stürmers aufs schärfste kritisiert: „In England wirst du dafür gelyncht. Theatralische Schwalben gehören nicht in den Profi-Fußball. Diese Art zu provozieren verurteile ich.“

Jarolim hätte Rot sehen müssen

In Cottbus entschied Günter Perl zwar auf Elfmeter, für den Hand-Sünder vom HSV, David Jarolim, gab es aber keine Rote Karte. „Das verwundert mich“, kommentierte Strigel. „Es war bedauerlich, daß die Schiedsrichter zwar das Handspiel auf der Linie gesehen haben, nicht aber, wer es war.“ Schiedsrichter Perl selbst bezeichnete es als „bitter“, daß ihm und seinen drei Kollegen der Lapsus unterlaufen war. Nicht entgangen war dem Quartett kurz vor Schluß Guy Demels Würgegriff im Getümmel gegen den Cottbuser Kapitän Kevin McKenna. Demel drohen mindestens vier Spiele Sperre.

Ein Nachspiel könnte es auch für seinen Mitspieler Boubacar Sanogo geben. Der Neuzugang soll den Cottbuser Vragel da Silva angespuckt haben. Er bestreitet dies. „Da Silva hat aber zu mir gesagt: 'Scheiß Schwarzer'“. Davon will der Energie-Profi wiederum nichts wissen. „Wie kann ich so etwas sagen. Ich bin selbst dunkelhäutig.“ Selbst wenn ein Spieler provoziert werde, müsse er sich im Griff haben, forderte diesbezüglich Amerell und riet seinen Schiedsrichtern: „Man muß mit Augenmaß handeln. Man hat ja noch 32 Spieltage vor Augen.“

Text: FAZ.NET mit Material von dpa und sid
Bildmaterial: AP, dpa, REUTERS, Wonge Bergmann

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Rudelbildung im Stadion der Freundschaft in Cottbus...... und wird Zeuge der Auseinandersetzung zwischen Hamburgs Demel (li.) und McKenna... und bedankt sich anschließend für die Rote Karte auf seine WeiseKlimowicz fällt kurz darauf nach einer Berührung von Frankfurts Kirgiakos zu Boden - nach seiner umstrittenen Roten Karte ist der Grieche am Boden zerstörtGrobes Foulspiel: Nach nur 29. Minuten muß Schalkes Krstajic vom PlatzOsorio (li.) bejubelt mit seinen Kollegen den Treffer zum 1:0...Auch Osorios Mannschaftskollege Antonio da Silva (li.) ist noch guter Dinge...Insgesamt gab es in der noch jungen Saison schon neun Rote... ... Schiedsrichter Perl kommt hinzu...Demel greift vor den Augen des Unparteiischen zu...Tatort Frankfurt: Klimowicz ist nach seinem verschossenen Elfmeter frustriertUnglücklich verläßt Kirgiakos anschließend den PlatzDa hilft auch keine Versicherung: Krstajic auf dem Weg in die Kabine... das Ende des Spiels erlebte er aber nicht mehr: Rot nach Handspiel im Strafraum... doch auch er mußte nach Gelb-Rot (80.) vorzeitig zum Duschen... und zwei Gelb-Rote Karten