Von Peter Heß
24. März 2008 Die ersten Gratulanten zur Meisterschaft meldeten sich schon im vergangenen September bei den Münchner Bayern. Der Rekordmeister verzauberte mit Fußball der Marke Werder Bremen das Publikum, die neuen Solisten Franck Ribéry und Luca Toni harmonierten mit dem Rest des Ensembles, als ob sie seit Jahren eingespielt wären, und die Leistung spiegelte sich in einer bequemen Tabellenführung.
Wer damals schon die Bayern zum Meister küren wollte, hatte keine Ahnung von den Tücken einer langen Bundesliga-Saison und den Fliehkräften, die auf eine Profigemeinschaft wirken. Oder er wollte die Münchner ganz einfach nur in Sicherheit wiegen. Neun Spieltage vor Saisonschluss verbietet es nur noch der Glaube an fußballerische Naturkatastrophen, den Bayern vorab zum nationalen Titel zu gratulieren.
Wenn wir so spielen, tut uns in Deutschland keiner weh
Die Bayern haben die gefährlichen Situationen dieser Spielzeit gebannt. Aus kleinen sportlichen Durchhängern gingen sie gestärkt hervor, bevor diese zu Krisen ausarteten. Dem strahlenden Helden und Alleskönner Ribéry wird der Glanz und der Glorienschein von den Kollegen nicht geneidet, jedenfalls nicht in einem Maße, das der Gemeinschaftsarbeit abträglich wäre. Miroslav Klose hat sich mit der Position des Stürmers Nummer zwei neben Luca Toni abgefunden.
Und Trainer Ottmar Hitzfeld gelingt es, seine Autorität gegenüber den Profis zu wahren, obwohl sein Abschied zu Saisonende seit langem feststeht. Die Kommentare von Manager Uli Hoeneß nach dem 2:1 über Bayer Leverkusen sind realistisch: Wenn wir so spielen wie heute, dann tut uns in Deutschland keiner weh. Das war teilweise meisterlich heute.
Die Konkurrenz macht ihrem Namen keine Ehre
Natürlich sind die Münchner nicht unverwundbar. Die 0:2-Niederlage in Cottbus ist erst eine Woche her. Natürlich kann die Mannschaft von einer Verletzungsserie geschwächt werden. Aber der Kader ist so stark, dass er ein Niveau garantiert, das ausreicht, um auf der Zielgeraden nicht ins Trudeln zu geraten. Und das Entscheidende: Keiner der Titelkonkurrenten erweckt den Eindruck, unmittelbar vor einer glorreichen Aufholjagd zu stehen. Dem schärfsten Verfolger ist am wenigsten eine Superserie zuzutrauen. Sieben Punkte müsste der zweitplazierte HSV gegenüber den Bayern wettmachen – wie soll das gehen bei der ausgeprägten hanseatischen Vorliebe für Unentschieden?
Im Gegensatz zu den konstant auf mittelprächtigem Niveau befindlichen Hamburgern hatten die Bremer und Leverkusener in dieser Saison schon Ausreißer nach oben. Aber wie bei den wechselhaften Schalkern sträubt sich alles gegen den Gedanken, dass die spielstarken Teams von Werder und Bayer in der Lage sein könnten, in den neun verbleibenden Partien neun Punkte aufzuholen. Glückwunsch, Bayern.
Text: F.A.Z.
Bildmaterial: ddp
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