Die brasilianische Fußball-Legende Pelé, einst selbst in Amerika aktiv, meldet sich mit Tipps für David Beckham zu Wort. Im Interview spricht er auch über seine Zeit bei Cosmos New York und meinen Freund Beckenbauer.
Wie geht es meinem Freund Franz Beckenbauer?
Golf? Ja, ja bestimmt, irgendwo in den Bergen, oder?
Doch, das ist der richtige Sport für ältere Herren. Und ich sage Ihnen, ich habe vor sechs Monaten auch damit begonnen.
Mein Freund, was glauben Sie, ich gehe auf die siebzig zu! Trotzdem, ich trage noch viel Energie in mir. Ich spüre das. Und ich spiele noch Tennis. Björn Borg und Boris Becker haben mir mal Schläger geschenkt, da bin ich stolz drauf.
Der Fußball verändert sich permanent. Es kommt immer etwas dazu, was einem Freude bereitet. Allein die Tatsache, dass Diego in der vergangenen Saison der beste Bundesligaspieler war in Deutschland, auch in Holland ein Brasilianer aufhorchen ließ und wir Typen wie Ronaldinho und Kaká haben, zeigt doch, wie genussvoll der Fußball immer wieder ist. Mich begeistert das. Ich bin ein großer Fußballfan, daran wird sich nichts ändern. Der Fußball bleibt die Sportart, die Arm und Reich zusammenführt und eine Leidenschaft generiert wie keine andere.
Meinen Sie das ernst? Also gut: Victoria Beckham trägt ihren Teil bei zu dem derzeitigen Stimmungsaufschwung im nordamerikanischen Fußball. Zweifellos. Dem Sport auf die Beine helfen muss aber David. Er muss auf dem Platz die richtigen Antworten geben, da hat Victoria nichts zu suchen.
Victoria war schon zu Zeiten von Manchester United und Real Madrid der Karriere ihres Mannes sehr förderlich. Nicht erst jetzt in Los Angeles.
Erst einmal muss ich sagen: David Beckham ist mehr Popstar als Spieler. Ich rate ihm deshalb aus meiner Erfahrung damals bei Cosmos New York, sehr gut vorbereitet in die Partien zu gehen. Ich kenne das Niveau dort in der Liga, das ist sehr ausgewogen, und entsprechend viel einfordern wird das Publikum von einem Star wie ihm. In seinen spielfreien und trainingsfreien Zeiten kann er ja dann durch Hollywood flanieren.
Vielleicht, es ist ja nicht weit. Ich habe ja noch eine Wohnung in New York und lebe dort drei Monate im Jahr. Meine Tochter ist mit einem Amerikaner verheiratet, dann sehe ich auch meine drei Enkel.
Ich muss betonen, dass Franz und ich zuerst dazu beigetragen haben, den Fußball in den Vereinigten Staaten populärer zu machen. Zusammen mit so großen Spielern wie Carlos Alberto, George Best, Johan Cruyff, Giorgio Chinaglia oder Gordon Banks. Heutzutage ist der Fußball die beliebteste Sportart unter den Zehn- bis Zwanzigjährigen.
Ja, die sind schon Weltmeister und Olympiasieger geworden. Als wir damals angefangen haben mit Cosmos, haben sich plötzlich immer mehr Frauen für den Sport begeistert und ihn selber ausgeübt. Das war ein Ergebnis. Ich kann mich noch gut daran erinnern, als ich mit Franz durch die Lande fuhr und versuchte, den Jugendlichen den Fußball näherzubringen. Da hörten wir von den Kids nicht - wie in Brasilien oder Deutschland -, wie toll doch ihre Väter Fußball spielen könnten. Nein, in den Vereinigten Staaten war das - zumindest damals - genau anders herum. Da hieß es immer: Meine Mutter hat einen Hammerschuss, meine Mutter ist eine brillante Dribblerin.
Bei Cosmos war es dem Publikum damals wichtig, ein Spektakel zu sehen. Darauf kam es an. Und es hat funktioniert. Sehen Sie, es kamen damals jedes Mal etwa 50 000 Zuschauer in das Stadion - nicht nur bei uns in New York, auch in Dallas, Los Angeles oder San José. Das hat es ja noch nicht einmal in Brasilien gegeben. Heute ist der Fußball in den Vereinigten Staaten viel mehr verwurzelt und gehört zum sportlichen Standardprogramm. Das Spektakel hat keine so große Bedeutung mehr wie früher. Jedes Collegeteam hat seine eigene Mannschaft - und nicht nur bei den Frauen. Doch, das muss ich sagen: Der Fußball ist weiterhin mehr ein Breitensport, der in der Freizeit ausgeübt wird. Es fehlen die Investoren und Sponsoren.
Das Gespräch führte Michael Ashelm.
Text: Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung, 29.07.2007, Nr. 30 / Seite 18
Bildmaterial: dpa