Von Richard Leipold, Dortmund
19. Mai 2008 Zwei Tage nach der letzten Bundesligarunde hat sich Borussia Dortmund von Thomas Doll getrennt. Wie der börsennotierte Fußballklub am Montagnachmittag in einer Presseerklärung mitteilte, hat der Cheftrainer der Geschäftsführung nach eingehender Analyse des Saisonverlaufs seinen Rücktritt dem angeboten. Dieses Angebot wurde von den BVB-Verantwortlichen angenommen, heißt es in der Erklärung. Nach Medienberichten erhält der Fußball-Lehrer eine Abfindung in Höhe von 500 000 Euro.
Als Nachfolger ist Jürgen Klopp im Gespräch. Klopp ist als Trainer des FSV Mainz 05 bekannt geworden. Er wird die Rheinhessen nach 18 Jahren als Spieler und Trainer in jedem Fall verlassen, weil Mainz den Aufstieg in die Bundesliga verpasst hat. Auf die vielen Nachfragen nach seiner sportlichen Zukunft antwortete Klopp ausweichend: Ich habe keine Ahnung, was passiert. Alles ist möglich, auch eine Pause.
Dolls Vertrag wurde erst im Februar bis 2010 verlängert
Doll hatte seinen Dienst bei den Westfalen erst im März 2007 angetreten. Sein Vertrag war erst im Februar dieses Jahres bis Juni 2010 verlängert worden. Hans-Joachim Watzke der Vorsitzende der Geschäftsführung, sagte am Montag. Von seiner Arbeit bleibt, dass Thomas Doll dem BVB im letzten Jahr souverän den Klassenerhalt gesichert hat und dass er durch das Erreichen des DFB-Pokalfinales dem Klub für die kommende Saison die Teilnahme am Uefa-Cup ermöglicht hat.
Die Rückkehr ins internationale Geschäft vermochte jedoch nicht den nachhaltig schlechten Eindruck zu überdecken, den die Dortmunder Mannschaft in der vergangenen Spielzeit der Bundesliga hinterlassen hatte. Der BVB beendete die Spielzeit als Tabellendreizehnter - so schlecht wie seit zwei Jahrzehnten nicht mehr. Besonders unangenehm fiel die insgesamt enttäuschende Mannschaft durch ihre Abwehrschwäche auf. Dortmund musste 62 Gegentore hinnehmen, mehr als jede andere Mannschaft der ersten Bundesliga.
Doll stand bei Medien, Sponsoren und Präsident Rauball in der Kritik
Obwohl die sportliche Entwicklung nicht erst seit dem Saisonende von allen Beteiligten als unbefriedigend eingestuft wurde, hatte Watzke erwogen, weiter mit Doll zusammenzuarbeiten. Als in der Öffentlichkeit längst über die Ablösung des Trainers spekuliert wurde, hatte der Geschäftsführer immer wieder darauf hingewiesen, wie gut er sich mit dem Fußball-Lehrer verstehe. Doch dieses menschliche Fundament reichte offenbar nicht aus, um darauf eine Fortsetzung der Zusammenarbeit zu gründen.
Zuletzt stand Doll nicht nur bei den meisten Medien in der Kritik, sondern auch bei einflussreichen Sponsoren und bei Vereinspräsident Reinhard Rauball. Zwei Tage vor dem letzten Saisonspiel in der Bundesliga soll der Wirtschaftsrat des BVB dafür votiert haben, die Trennung vom Trainer herbeizuführen. Watzke behauptet, dieses Votum sei nicht präjudizierend gewesen. Aber ganz wirkungslos dürfte es auch nicht gewesen sein. Werner Müller, Vorstandsvorsitzender des Hauptsponsors Evonik, hatte in einem Interview sogar gesagt, er habe sich zuweilen geschämt, wenn er Gäste zu Spielen des BVB eingeladen habe und die Mannschaft dann schlecht gespielt habe.
Dolls Wutrede: Er wurde laut, aber verstanden haben ihn nicht viele
Die Leistungen der Mannschaft und vor allem die Ergebnisse in der Rückrunde deuteten nicht darauf hin, dass Doll noch eine Zukunft haben würde. Kurz nach dem Pokalfinale im April versuchte er sich mit einer Wutrede Gehör zu verschaffen. Er wurde laut, aber verstanden haben ihn nicht viele. Die Trennung war nur eine Frage der Zeit. Die Wutrede geschah nachdem am Tag des Pokalfinales ein Fernsehsender den Mainzer Jürgen Klopp als designierten Nachfolger vermeldet hatte.
Der 40 Jahre alte Trainer gilt in Dortmund als Wunschkandidat, seit er seinen Abschied aus Mainz angekündigt hatte für den Fall, dass der Bundesliga-Aufstieg mit Mainz 05 in dieser Saison verpasst werde. Diese Vorraussetzung ist nun erfüllt - und mit Dolls Abschied ist auch schon der nächste Schritt gemacht.
Text: FAZ
Bildmaterial: ddp, dpa
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