Von Roland Zorn
08. April 2008 Darauf, dass in diesem Fall einer möglichen Ordnungswidrigkeit bürgerliche Existenzen gefährdet seien und ganze Verbände vor ruinösen Zahlungen stünden, sollte besser nicht gewettet werden. Das Worst-Case-Szenario, das für den Fall des Falles schon mal an Bußgeldsanktionen - 183 Millionen Euro - aufgeschrieben wurde, wird die Wirklichkeit in diesem Verfahren des Bundeskartellamts gegen den Deutschen Fußball-Bund (DFB) und die Deutsche Fußball Liga (DFL) wohl kaum einholen. Noch ist überaus fraglich, ob es überhaupt so etwas wie eine wettbewerbsbeschränkende Absprache zwischen den beiden Organisationen bei der Suche nach Sponsoren gegeben hat.
Das Klima für eine sach- und faktenorientierte Entscheidung begünstigen die seit dem Wochenende in höchsten DFB-Kreisen ausgemalten Horrorszenarien nicht gerade. Eben ist das Pokalfinale am übernächsten Samstag, nach Ansicht von juristischen Kennern "nicht kartellrechtsrelevant", gerettet worden, da machen schon Meldungen die Runde, dass nun auch noch die Austragung der Frauen-Weltmeisterschaft 2011 in Deutschland gefährdet sei.
Wo droht die Kartellkeule noch?
Droht auf jedem Fußballplatz die Kartellkeule? Der DFB, die Liga und gewiss auch das Kartellamt, das wie ein Gericht autonom entscheiden soll, stehen unter erheblichem Druck. Wird am Ende die Vernunft siegen und die naheliegende Einsicht, dass ein großer Sportfachverband wie der DFB keine Firma ist? Hat so die Erkenntnis noch eine Chance, dass der Ligaverband unter dem Dach des DFB als ein Teil dieser deutschen Sportinstitution gegründet wurde?
Sehen die Bonner Kartellbehördenleiter, dass im Sport vieles zu vielem gehört - nicht nur beim Fußball, auch beim Handball, im Eishockey oder im Deutschen Olympischen Sportbund, der sich mit der Stiftung Deutsche Sporthilfe gemeinsam vermarkten lässt? Diese und viele andere Fragen hätten sich ohne das große Getöse, das seit dem Wochenende die aufgescheuchte Szene überlagert, leichter klären lassen.
Arg impulsiver DFB-Präsident
So ist der Ärger groß bei jenen, die mit der Indiskretion von Kollegen ihre Schwierigkeiten haben, bei anderen, die dem Kartellamt von vornherein einen unbotmäßigen Eingriff unterstellt haben, und wahrscheinlich auch in der Behörde selbst, die mit so viel Öffentlichkeit und emotionaler Anteilnahme an einem laufenden Verfahren kaum je behelligt worden ist.
Worte der Gelassenheit fand in dieser Gemengelage der für den Sport zuständige Bundesinnenminister Wolfgang Schäuble. Er wies darauf hin, dass "wir auch unter den Bedingungen des europäischen Binnenmarktes nicht alle Lebensbereiche, speziell den Sport und den Fußball, nur nach den Gesetzen von Markt und Wettbewerb regulieren sollten". Vorschreiben kann er den Kartellhütern nichts, doch ist die Atmosphäre, in der das Verfahren möglichst rasch beendet werden soll, nun auch politisch aufgeladen. Vor dem Bonner Urteil öffentlichkeitswirksam Einfluss zu nehmen und wenigstens den Diskurs bestimmt zu haben, darum geht es dem manchmal arg impulsiven DFB-Präsidenten Theo Zwanziger. Ob sich das Kartellamt davon beeindrucken lässt oder ganz einfach vorurteilsfrei entscheidet, ist die spannende Frage. Auflösung folgt, demnächst im großen Fußballtheater.
Text: F.A.Z.
Bildmaterial: dpa
Formel 1 in Japan: Heidfeld bleibt an ![]()
Keine Dummheiten beim Neubeginn
U21-EM-Qualifikation: Deutsche Junioren nach Unentschieden in Not
Vor dem Spiel gegen Russland: Bei Adlers Debüt bleibt Ballack der Chef
Olympia 2012 in der Finanzkrise: Die Baustellen wachsen - das Zittern nimmt zu