Nationalmannschaft

Lehmann bleibt im Bild – andere aber nicht

Von Michael Horeni, Hannover

Was kratzt es den Lehmann?

Was kratzt es den Lehmann?

19. November 2007 Jens Lehmann musste eine Menge abwehren in Hannover. Auf den ersten Teil war der Ersatztorwart von FC Arsenal bestens vorbereitet, dazu brauchte er nicht einmal Spielpraxis. Er reihte während der Partie eine prächtige Parade an die nächste, und so verhinderte er erst gegen Aloneftis (45. Minute), dann gegen Okkas (58.), wieder gegen Aloneftis (71.) und schließlich gegen Makridis (86.) immer wieder Treffer – und ganz nebenbei auch größere Diskussionen über die diversen Schlampigkeiten in der deutschen Defensive an diesem Abend.

Weil sich das alles so schön und schadlos zu seinem Jubiläum mit dem 50. Länderspiel fügte, gratulierten ihm die Kollegen und der Vorgesetzte dann auch gerne mit ein paar launigen Worten zu seiner Vorstellung. „Heute haben wir ihm ein bisschen geholfen“, sagte Innenverteidiger Per Mertesacker, der die Nachlässigkeiten ganz elegant zum Akt der Nächstenhilfe verwandelte. Auch der Bundestrainer gewann der Sache eine humoristische Seite ab, als er grinsend feststellte: „Wir haben heute ganz bewusst so offensiv gespielt, damit sich Jens Lehmann auch mal in Deutschland auszeichnen kann.“

Stoff, der zum Skandalisieren taugt?

Grotesker  Vorwurf: der Torwart habe hier den Stinkefinger gezeigt

Grotesker Vorwurf: der Torwart habe hier den Stinkefinger gezeigt

Aber bald nach dem Spiel war für Lehmann Schluss mit lustig. Plötzlich geriet der Torwart ganz unsportlich in die Defensive, weil er sich auf einmal gegen ziemlich groteske Vorwürfe der „Bild am Sonntag“ wehren musste. Das Blatt hatte sich ein Fernsehbild besorgt, das Lehmann zeigt, wie er sich mit dem Mittelfinger an der Schläfe reibt. Und das sollte nun der Stoff sein, der zum Skandalisieren taugt.

Lehmann wurde vorgeworfen, die Fans mit dem „Stinkefinger“ beleidigt zu haben. Die Krawallphantasien waren erwachsen, weil die Zuschauer nach einem ungeschickten Ausflug des Torwarts aus dem Strafraum in der zweiten Halbzeit kurzzeitig nach dem Hannoveraner Torhüter Robert Enke gerufen hatten. So sah sich Lehmann nach der Partie gezwungen, auch noch diesen Boulevardangriff abzuwehren. „Ich habe den Finger gezeigt? Ich habe in meinem Leben so etwas noch nicht gemacht“, sagte der Torwart empört.

Zwanziger bricht Lanze für Lehmann

Das übertragende ZDF hatte die Bilder nach mehrmaliger Ansicht im Sportstudio schon gar nicht mehr gezeigt, weil sie dort einen Zusammenhang zwischen Lehmanns Handbewegung und einer Beleidigung partout nicht erkennen konnten.

Aber wo der Verdacht sich schon ausgebreitet hatte, sah sich DFB-Präsident Theo Zwanziger am nächsten Tag genötigt, Lehmann von den allzu billig konstruierten Vorwürfen in Schutz zu nehmen. „Ich weiß, dass er Respekt vor den Fans hat. Er weiß, dass es keinen Grund gibt, Gesten zu machen, die Fans verletzen können. Ich muss hier eine Lanze für Jens Lehmann brechen“, sagte Zwanziger.

Löw lobte seine Nummer eins ausdrücklich

Sportlich war ohnehin längst alles gesagt. „Gerade heute habe ich wieder festgestellt, wie sehr es mir Spaß macht zu spielen“, sagte Lehmann. „Heute hat Jens gezeigt, dass er eine außergewöhnliche Klasse hat. Er ist im Eins gegen Eins hervorragend. Er ist reaktionsschnell, und er ist bei hohen Bällen im Strafraum sicher“, sagte der Bundestrainer hochzufrieden über den Auftritt der deutschen Nummer eins.

Kein Problem mit fliegenden Bällen

Kein Problem mit fliegenden Bällen

Lehmann könne solche Leistungen eben auch dann zeigen, wenn er einige Zeit nicht spiele. Der 38 Jahre alte Torhüter gab sich indes felsenfest überzeugt, seinen Konkurrenten Almunia bei Arsenal bald wieder verdrängen zu können. „Der Glaube daran ist recht groß bei mir“, sagte Lehmann, „und mit meinen Einschätzungen habe ich selten danebengelegen.“

Text: F.A.Z.
Bildmaterial: AP, ddp, Reuters

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