26. April 2008 Zehn Cottbuser haben in letzter Sekunde das schon verloren geglaubte Ost-Derby der Fußball-Bundesliga gegen Hansa Rostock gewonnen. Energie setzte sich am 30. Spieltag in einem dramatischen Spiel durch einen Treffer von Dimitar Rangelow in der Nachspielzeit (90.+1 Minute) mit 2:1 (0:1) durch und schuf sich damit Luft im Abstiegskampf. Als 14. hat Cottbus mit 32 Zählern nun bereits fünf Punkte Abstand auf die rote Zone. Von Rettung aber wollte Energie-Coach Bojan Prasnikar noch nichts wissen: Dazu bin ich zu lange im Fußball. Ich werde jetzt nicht sagen, das war schon die Entscheidung.
Der Kampfgeist war einfach herausragend, erklärte Energie-Präsident Ulrich Lepsch. Für den FC Hansa, der nach einer Gelb-Roten Karte für Igor Mitreski (42.) über eine Halbzeit in Überzahl spielen konnte, wird es mit 27 Punkten nun ganz schwer, die Klasse zu halten. Es ist jetzt das Allerwichtigste, dass man trotz der schwierigen Situation nach vorn schaut und den Kopf oben lässt, sagte Hansa-Coach Frank Pagelsdorf. Nach nur einem Sieg in zehn Spielen nacheinander aber steht der Trainer vor einer schwierigen Situation.
Die Lausitzer kämpfen bis zur Erschöpfung
Rostocks Djordjije Cetkovic (16. Minute) hatte die Gäste am Samstag im Stadion der Freundschaft mit 1:0 in Führung gebracht. Energie-Kapitän Timo Rost belohnte die deutliche Steigerung der Gastgeber mit dem Ausgleich (81.). Danach hatte der eingewechselte Dusan Vasiljevic kurz vor Schluss schon an die Latte (84.) getroffen. Bei seinem Comeback nach monatelanger Verletzungspause schaffte schließlich der Bulgare Rangelow die Entscheidung für die bis zur Erschöpfung kämpfenden Lausitzer.
Die Angst spielte von Beginn an mit in dem Keller-Duell, das die Beteiligten abwechselnd zum Abstiegs-Endspiel und zum wichtigstes Spiel des Jahres erklärt hatten. Nervosität herrschte auf beiden Seiten, aber vor allem beim Gastgeber. Zwar setzten die Lausitzer vor 21.357 Zuschauern mit einem Solo von Stiven Rivic (2.) das erste Zeichen, doch Fehler und Missverständnisse verhinderten immer wieder einen geordneten Spielaufbau.
Rostock profitiert von Cottbuser Schlafeinlage
So verpuffte zunächst auch die taktische Variante von Energie-Coach Bojan Prasnikar, der hinter der Angriffsspitze Branko Jelic mit Rivic, Ervin Skela und Michal Papadopulos noch drei offensive Kräfte gestellt hatte. Auch beim 1:0 profitierten die Gäste von einer Schlafeinlage in der Cottbuser Abwehr.
Ein Schussversuch von Sebastian Hähnge, der neben Cetkovic und Amir Shapourzadeh neu in die Rostocker Startelf gerückt war, war bereits abgeblockt. Doch mit Hilfe von Stanislaw Angelow steckte Hähnge die Kugel doch noch zu Cetkovic durch. Der 25-Jährige aus Montenegro vollendete aus acht Metern zu seinem ersten Bundesliga-Treffer.
Mitreski rangelt erst, foult dann - und fliegt
Cottbus reagierte wütend: Ein Schuss von Angelow strich nur knapp am Hansa-Tor vorbei (17.). Und einen Kopfball von Vragel da Silva, der später wegen einer Hüftverletzung ausgewechselt wurde, kratzte Tobias Rathgeb von der Linie (21.).
Kurz vor der Pause verbesserte sich die Situation für Rostock weiter, da Energie-Verteidiger Mitreski vom Platz musste. Der Mazedonier hatte sich zunächst zu einer Rangelei gegen Enrico Kern hinreißen lassen, dann foulte er den eingewechselten Heath Pearce und sah Gelb-Rot. Das war eine Dummheit, sagte Coach Prasnikar, in der ersten Halbzeit war alles schlimm für uns. Doch auch Hansa-Kapitän Kern musste wegen einer wieder aufgebrochenen Waden-Blessur auch noch vor dem Wechsel passen.
Cottbus spielt nach bayerischer Art
Im Stil der Bayern rissen die Cottbuser, die Hansa mit viel Nervosität zunächst den rettenden Strohhalm gereicht hatten, dann in der zweiten Hälfte die Partie noch aus dem Feuer. Wir haben immer daran geglaubt, dass wir mit zehn Mann gewinnen, betonte Prasnikar. Auch mehrere vergebene Großchancen und zwei Lattenkracher ließen die dezimierten Gastgeber nicht verzagen, Rostock brach immer mehr ein.
Mit dem 2:0 gegen den designierten Meister FC Bayern hatte der FC Energie vor sechs Wochen den überraschenden Aufstieg aus dem Tabellenkeller begonnen - nach dem dritten Heimsieg nacheinander sind die Lausitzer fünf Punkte weg von den Abstiegsplätzen und fast am Ziel. Wir brauchen noch einen Sieg, um ganz sicher drinzubleiben, formulierte Torwart Gerhard Tremmel, der kurz vor den beiden Energie-Toren zwei Rostocker Konter in großem Stil entschärft hatte, und wies auf ein spezielles Dopingmittel vom nationalen Branchenführer hin: Wir haben immer Bayern gegen Getafe im Kopf gehabt.
Drama um den Rostocker Torwart Stefan Wächter
Der tragische Held war Rostocks Torhüter Stefan Wächter: wenige Minuten vor Schluss hatte er sich das Knie verdreht, blieb aber im Kasten - und konnte das Siegtor der Gastgeber durch den nach Bandscheiben-Operation gerade genesenen Bulgaren Dimitar Rangelow in der Nachspielzeit nicht mehr verhindern. Rostocks Trainer Frank Pagelsdorf hatte aber schon dreimal gewechselt. Stefan wollte unbedingt weitermachen und die Mannschaft nicht im Stich lassen, die Ärzte waren auch auf dem Platz, beschrieb der Hansa-Trainer die Szene und ergänzte: Ich konnte erst nach seinem Signal reagieren, dass es nicht mehr geht. Leider war das erst nach dem 1:2.
Verteidiger Tim Sebastian zog sich zwar noch das gelbe Torwart-Leibchen über - doch das ging schon kurz danach im Jubel der Cottbuser Fans unter. Obwohl wir uns selbst optimale Voraussetzungen geschaffen hatten, haben wir es nicht geschafft, Ruhe in unser Spiel zu bringen, nannte Hansa-Coach Frank Pagelsdorf das aus seiner Sicht spielentscheidende Manko.
Energie Cottbus - Hansa Rostock 2:1 (0:1)
Cottbus: Tremmel - da Silva (35. Radeljic), Mitreski, Cvitanovic, Ziebig - Angelow, Rost - Rivic, Skela, Papadopulos (70. Rangelow) - Jelic (59. Vasiljevic). - Trainer: Prasnikar
Rostock: Wächter - Sebastian, Orestes, Gledson, Stein - Bülow, Rathgeb - Shapourzadeh (63. Langen), Cetkovic - Hähnge (82. Menga), Kern (39. Pearce). - Trainer: Pagelsdorf
Schiedsrichter: Thorsten Kinhöfer (Herne)
Tore: 0:1 Cetkovic (16.), 1:1 Rost (81.), 2:1 Rangelow (90.+1)
Zuschauer: 21.357
Gelb-Rote Karte: Mitreski wegen wiederholten Foulspiels (42.)
Gelbe Karten: - Kern (5/3), Shapourzadeh (5/1), Stein (5/2)
Text: FAZ.NET
Bildmaterial: ddp
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Reaktionen auf die Entscheidung: Untergang am Samstag um 15.30 Uhr
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