Fairplay

„Die Uefa-Cup-Qualifikation war ein Geschenk“

16. Mai 2008 Eintracht Frankfurt, Arminia Bielefeld und Hertha BSC Berlin hoffen auf die Qualifikation für den Uefa-Cup durch die Hintertür, nachdem die Uefa dem DFB am Dienstag einen zusätzlichen Startplatz im Wettbewerb der kommenden Spielzeit zugelost hat. Mainz 05 schaffte als bislang einziger deutscher Klub vor drei Jahren den Sprung über die Fairplay-Wertung in den Uefa-Cup - auch dank des sympathischen Auftretens der Anhänger wie Christian Gomolzig. Der Sprecher der Supporters Mainz, der Dachorganisation der Fans des FSV Mainz 05, weiß seither um Nutzen und Nachteil des Fairplay.

Als sich Mainz 05 2005 auf dem Umweg über die Fairplay-Wertung der Uefa für den Europapokal-Wettbewerb qualifizierte, galt das als ein Verdienst der fairen und fröhlichen Mainzer Fans. Können Sie den Fans aus Frankfurt, Berlin oder Bielefeld Verhaltenstipps geben, wie sie am Wochenende durch besonders faires Auftreten noch ein bisschen für die DFB-Fairplay-Wertung punkten können?

Ich werde mich hüten, Ratschläge zu geben. Ich respektiere grundsätzlich jede Fanszene. Die sind so wie sie sind, wir sind so wie wir sind. Aber man kann nicht ernsthaft Tipps geben, da ja gar nicht wirklich einsichtig ist, welche Kriterien den Ausschlag für die Qualifikation geben.

Was hat denn Ihrer Ansicht nach damals Mainz 05 das Glück beschert?

Sehr wahrscheinlich gab das gesamte Auftreten des Clubs den Ausschlag. Das hatte mit sehr viel kindlicher Freude zu tun, die wir Mainzer damals hatten, weil wir noch nie da oben mitspielen durften. Wir schwammen - zumindest außerhalb von Frankfurt - als ein finanziell schwacher Farbtupfer auf einer Sympathiewelle, alle Medien haben geschrieben, welch schönen und offensiven Fußball das Team gespielt hat. Am Ende der Saison haben wir dann eben ohne eigenes Zutun die Uefa-Cup-Qualifikation geschenkt bekommen.

Ganz ohne eigenes Zutun? Immerhin war Mainz 05 irgendwie fairer als andere. Das ist doch auch eine Leistung.

Das ist schon richtig. Nur damals wusste ja gar niemand, dass es diesen Umweg über die Fairplay-Wertung in den Uefa-Cup gibt. Vorher wurde Deutschland ja nie per Los mit einem zusätzlichen Platz bedacht. Deshalb gab es niemanden in Mainz, der von dieser Chance wusste und irgendwie darauf hinarbeiten konnte.

Mainz 05 scheiterte freilich schon in der ersten Hauptrunde des Uefa-Cups am späteren Sieger Sevilla. Hat sich die Sache dennoch gelohnt?

Natürlich! Ich glaube zwar nicht, dass der Verein sehr viel Geld verdient hat. Sportlich haben uns die Qualifikationsspiele in Armenien und Island mitten in der Vorbereitung sicher auch das Leben schwer gemacht. Aber wann kommt man als Fan schon mal in den Genuss eines Pflichtspiels in Armenien. Solche Spiele sind für deutsche Mannschaften nur auf diesem Weg über die Fairplay-Wertung möglich, weil die sportlich für den Wettbewerb qualifizierten Clubs direkt für die Hauptrunde zugelassen sind. Selbst im UI-Cup gibt es solche Exoten nicht mehr als Gegner. Das waren sensationelle Fußballreisen!

Wie lebt es sich eigentlich seither mit dem Fairplay-Image?

Na ja, das Fairplay-Image bringt auch negative Begleiterscheinungen mit sich. Im nachhinein haben wir ganz viel Prügel bezogen gerade von unseren regionalen Rivalen aus Frankfurt und Kaiserslautern. Die verhöhnten uns als Kuschelwuschel-Mainzer. Gerade in unserer Ultra-Szene kam das nicht gut an, weil wir als Fans ja besonders toll und mutig sein wollen. Das Kuschelwuschel-Image nervt da natürlich. Ein schönes Beispiel im Alltag war ein Transparent in Hannover: Die haben uns mit den Worten begrüßt: „Eure Freundlichkeit kotzt uns an!“ Wahrscheinlich war da auch Neid dabei, weil die damals in der Fairplay-Wertung knapp hinter uns waren. Auch dem Verein hat das manchmal geschadet. Wenn „Kloppo“ mal am Spielfeldrand gepöbelt hat, wurde von außen sofort der moralische Zeigefinger erhoben. Wir Mainzer konnten uns kaum noch normal benehmen.

Das Gespräch führte Daniel Meuren.



Text: FAZ.NET
Bildmaterial: Privat

 
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