Eintracht Frankfurt

Zwei Rückkehrer warten auf den ersten Sieg

Von Josef Schmitt

Zimmermann (re.) ist geschlagen, Gimenez (M.) köpft zum Tor

Zimmermann (re.) ist geschlagen, Gimenez (M.) köpft zum Tor

17. Dezember 2006 Für die Frankfurter Eintracht ist Berlin keine Reise wert gewesen. Mit der 0:1-Niederlage bei Hertha BSC haben die Frankfurter eine durchwachsene Vorrunde mit einem Mißerfolg beendet. Bei aller Enttäuschung über das durchaus unglücklich zustande gekommene Resultat konnten zumindest zwei Profis die Rückreise von der Hauptstadt an den Main mit guten Gefühlen antreten. Jan Zimmermann und Mounir Chaftar hatten zum ersten Mal in dieser Spielzeit in der Anfangsformation gestanden.

Wer ist Zimmermann? Wer ist Chaftar? Zwei Fragen, die die Frankfurter Medienvertreter ihren Berliner Kollegen vor dem Anpfiff immer wieder beantworten mußten. Nun sind der 21 Jahre alte Torhüter Jan Zimmermann und der 20 Jahre alte Verteidiger Mounir Chaftar keine ganz grünen Jungs mehr, doch dem überregionalen Publikum waren sie doch eher unbekannt. Daß beide Spieler in einer trotz der Niederlage nicht enttäuschenden Mannschaft ihren Mann gestanden hatten, hat viele überrascht, ihren Trainer nicht. „Ich weiß, was die beiden können“, hat Friedhelm Funkel nach dem Spiel gesagt, „es ist unsere Stärke, daß ich alle Spieler aus dem Aufgebot bedenkenlos einsetzen kann.“

Monate der körperlichen Leiden

Mounir Chaftar hatte fast genau auf den Tag ein Jahr warten müssen, ehe er wieder erstklassig gegen den Ball treten durfte. Am 17. Dezember 2005 hatte der junge Mann sein Bundesligadebüt beim Auswärtsspiel in Mönchengladbach gefeiert. Nun, am 16. Dezember 2006, durfte er zum zweiten Mal ran, diesmal in Berlin. Dazwischen lagen viele Monate der körperlichen Leiden und der seelischen Schmerzen. In Mönchengladbach war Chaftar ein famoser Einstand geglückt und damit scheinbar die Basis gelegt, um eine gute Rückrunde zu spielen.

Doch gleich zu Jahresbeginn, beim ersten Hallenturnier am 2. Januar in Köln, hatte er sich die schlimmste Verletzung zugezogen, die einen Fußballspieler treffen kann. Kreuzbandriß lautete die Diagnose, es folgten zwei Operationen und mehr als acht Monate Pause. Im Januar war Chaftar das erste Mal operiert worden, im Juni mußte nachgebessert werden. Das Kreuzband war zwar gut verheilt, doch am Meniskus war ein neuerlicher Schaden festgestellt worden. Es sei eine „schlimme Zeit“ gewesen, sagt Chaftar. Manchmal, so gibt er zu, hat er an Aufgeben gedacht. „In den ersten Monaten hatte ich unglaubliche Schmerzen“, hat er erzählt, „da kommen Zweifel, ob es im Profifußball weitergeht.“

Nach der zweiten Operation aber ist es aufwärtsgegangen, seit zwei Monaten konnte Chaftar wieder gegen den Ball treten. Erst beim Training mit den Profikollegen, dann in Wettkämpfen bei den Oberliga-Amateuren. Nach und nach sind Sicherheit und Selbstvertrauen zurückgekehrt. Chaftar habe „gut trainiert“ und „ordentliche Spiele“ gezeigt, sagte Funkel, „es war genau der richtige Moment, um ihn aufzustellen“. Nach Christoph Spychers Erkrankung war Chaftars Platz im Team frei, zumal mit Christopher Reinhard ein weiterer Konkurrent in diesen Wochen eher schwächelt. Fast schonend hat der Frankfurter Trainer seinen jüngsten Spieler auf die Rückkehr auf die große Bühne vorbereitet.

Kein Profi vergißt sein erstes Bundesligaspiel

Am Freitag abend hat er ihn im Hotel in Berlin gefragt, ob er sich noch erinnern könne, was vor einem Jahr gewesen sei. Chaftar konnte, schließlich vergißt kein Profi sein erstes Bundesligaspiel. „Solche Sachen wiederholen sich manchmal“, hat Funkel dann gesagt. Chaftar hatte verstanden und sich konzentriert auf seinen Einsatz vorbereitet. Fünf Minuten mit zwei Fehlpässen hat er gebraucht, um Sicherheit zu finden, dann hat der deutsche U-20-Nationalspieler richtig gut gespielt. Mit feiner Technik, viel Übersicht, manchmal noch mit etwas Naivität beim Zweikampf. Interviews gleich nach dem Spiel hat der Sohn tunesischer Eltern verweigert. Er habe damit niemanden „brüskieren“ wollen, hat er später um Verständnis gebeten, „aber ich war enttäuscht, daß wir verloren haben“. Viel lieber als die eigene gute Leistung wäre ihm nämlich ein Sieg gewesen. Dies ist Mounir Chaftar noch nicht vergönnt gewesen. Vor einem Jahr 3:4 in Mönchengladbach, jetzt 0:1 in Berlin.

Jan Zimmermann kennt das Gefühl des Sieges auch nicht. Dreimal hat er zwischen den Pfosten gestanden, dreimal hat er gut gespielt, dreimal hat er 0:1 verloren. Zimmermann hat noch länger warten müssen als Kollege Chaftar. Am 24. September 2005 hat er in Wolfsburg seinen Einstand gefeiert, am 1. Oktober zu Hause gegen Schalke sein zweites Spiel gemacht. „Es kommt ja selten vor, daß beide Kollegen nicht können“, sagt Zimmermann. Oka Nikolov plagt sich seit einer Woche mit einer Angina, Markus Pröll wurde von einem Magendarmvirus in der Nacht vor dem Spiel in Berlin erwischt.

Pokalspiel gegen Köln

Da die anderen Torhüter aus der U 23 und der U 19, Nils Holzhäuser und Pablo Alvarez, kurzfristig nicht aufzufinden waren, hatte Pröll sich bereit erklärt, zumindest mit ins Stadion zu fahren. So kam es zur Bundesliga-Premiere, daß ein Ersatztorwart das Spiel in der Kabine am Fernsehen verfolgte. Zwischen Toilette und Bildschirm sei er hin- und hergelaufen, sagte Pröll. Zimmermann war froh darüber, „daß ich mal wieder spielen durfte“. Die Aufregung habe sich in Grenzen gehalten, „ein bißchen angespannt war ich, mehr nicht“. So hat er dann auch gespielt, ruhig, sicher, gar nicht wie ein Ersatzmann. Dies sei auch nicht besonders schwierig gewesen, „viel ist ja nicht aufs Tor gekommen“. Den Treffer von Gimenez konnte er dennoch nicht verhindern. „Schade, wir hätten auch 1:0 gewinnen können“, hat Zimmermann gesagt.

Vielleicht erleben Jan Zimmermann und Mounir Chaftar ja ihren ersten Sieg an diesem Dienstag beim Pokalspiel gegen Köln. Möglich jedenfalls, daß sie beide wieder ranmüssen.

Text: F.A.Z.
Bildmaterial: dpa

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