Von Elisabeth Schlammerl
17. Juli 2008 Es macht immer einen guten Eindruck, wenn man sich bei seinem neuen Chef schon vor dem ersten Arbeitstag mal kurz blicken lässt. Hamit Altintop hatte ebenso wie Miroslav Klose Anfang dieser Woche am Trainingsgelände des FC Bayern München vorbeigeschaut. Der eine aus Neugier, der andere wegen eines Termins beim Physiotherapeuten. Vielleicht hätte Philipp Lahm auch besser in den vergangenen Tagen mal einen kleinen Abstecher an die Säbener Straße unternehmen sollen, um zu wissen, wie die Tiefgarage funktioniert. Es sei auf einmal weder vorwärts noch rückwärts gegangen, erzählte Lahm von seinen Anfangsschwierigkeiten, aber Gott sei Dank hat mir Michael Rensing geholfen.
Der Kader des FC Bayern ist nun bis auf den verletzten Franck Ribéry komplett, am Donnerstag begrüßte Trainer Jürgen Klinsmann die sechs deutschen Nationalspieler und Altintop. Die sind womöglich noch öfter auf die Hilfe der schon ortskundigen Kollegen angewiesen. Auf dem Trainingsplatz allerdings wird sich die Unterstützung in Grenzen halten, denn dort beginnt nun der Konkurrenzkampf, der beim FC Bayern in diesem Jahr noch ein bisschen größer und härter als sonst sein wird. Vor allem im Mittelfeld, weil da nun auch noch Tim Borowski, neben Torhüter Hans-Jörg Butt einziger Zugang, mitmischt. Laut Karl-Heinz Rummenigge habe man sich wegen des dichten Gedränges im Mittelfeld nicht weiter um Alexander Hleb bemüht, der letztlich zum FC Barcelona wechselte. Man hätte mit diesem Transfer drei Spieler kaltgestellt, sagte der Vorstandsvorsitzende.
Klinsmann ist vom 4-5-1 Spielsystem kein Freund
Borowski bereitete sich gut vor auf seinen neuen Job, reiste nach der Europameisterschaft direkt nach München, um sich einzugewöhnen. Nach zwölf Jahren bei Werder Bremen sucht er eine neue Herausforderung und glaubt zu wissen, was von ihm hier erwartet wird: Ich bin hier, um Titel zu holen und viele Erfolge zu feiern. Klinsmann sieht für den 28 Jahre alten Nationalspieler den Zeitpunkt gekommen, einen weiteren, einen großen Schritt in der Karriere nach vorne zu machen. Es ist sicher von Vorteil, dass ich flexibel einsetzbar bin, sagte Borowski. Sowohl in der Mitte als auch auf der Außenbahn habe er gute Leistungen geboten, wenngleich er das Zentrum bevorzugt. Aber ich lasse mich da gerne vom Trainer inspirieren.
Der muss sich erst einmal von den Eindrücken in den nächsten Wochen inspirieren lassen, denn es sind nur vier Plätze für neun Bewerber im Mittelfeld zu vergeben. Klinsmann hat sich schon festgelegt auf sein Spielsystem: 4-4-2 und auf keinen Fall 4-5-1, davon sei er kein Freund. Der gelernte Stürmer weiß, wie man sich fühlt, wenn man ganz auf sich allein gestellt ist im Angriff. Das ist ein brutaler Job. Zudem habe man drei hervorragende Stürmer, um die uns viele Klubs beneiden. Zwei von denen setze ich nicht auf die Bank.
Dass er Podolski etwas weiter nach hinten zieht, wie es sein Nachfolger bei der Nationalmannschaft, Joachim Löw, während der EM getan hatte, steht für Klinsmann außer Diskussion. Beim FC Bayern ist Lukas Stürmer, und zwar ein zentraler, und nicht auf der Außenbahn. Podolski selbst wäre wohl ganz gerne zurückgekehrt zum 1. FC Köln, der im Falle eines Transfers ein Vorkaufsrecht besitzen soll, wie es offenbar im 2006 ausgehandelten Vertrag steht. Aber die Bayern ließen den Unzufriedenen nicht gehen. Klinsmann sieht Podolski bei Bayern vor dem Durchbruch. Ich glaube, ihn sportlich und charakterlich gut einschätzen zu können und ich weiß, wie ich ihn anpacken muss.
Text: F.A.Z.
Bildmaterial: AP, dpa
IOC-Vize Bach: Eine olympische Denkpause für den ![]()
Dopingsubstanz Cera: Ein Renner mit Langzeitwirkung
Doping-Fall Schumacher: ARD und ZDF erwägen Ausstieg - Holczer will klagen - Gerdemann ist wütend