Fußball-Bundesliga, 12. Spieltag

Leverkusen gewinnt auch am Sonntag

Von Christoph Becker

09. November 2009 Schönes Wochenende! Zumindest für die Spieler von Bayer Leverkusen, nach elf Minuten Tempofußball und dem 4:0 gegen Eintracht Frankfurt. Was lässt sich nicht alles mit zwei freien Nachmittagen anfangen - lange Herbstspaziergänge mit den Liebsten, zum Beispiel. Oder gemütliche Stunden auf der Couch, in der Ecke das prasselnde Kaminfeuer. Und während draußen das letzte Licht hinterm Rheinufer schwindet, rackern sich im Fernsehgerät die Kollegen von der Konkurrenz bei dem Versuch ab, den Abstand auf den Tabellenführer auf erträgliche Maße zu stutzen. Wie gesagt: ein schönes Wochenende, wenn man Bayer-Profi ist. In Frankfurt dagegen ist die Stimmung zwischen Trainer Skibbe und seinem Vorstandsvorsitzenden Bruchhagen frostig.

Nach einem angenehmen Samstag, an dem die Konkurrenten kaum aufrückten, begann der Sonntag für die Bayer-Profis ähnlich komfortabel: Auch die norddeutsche Konkurrenz aus Hamburg stellte sich beim Versuch, in Hannover zum Tabellenführer aufzuschließen, ähnlich ungeschickt an, wie die Rivalen im Westen und Süden. Ein vom Tschechen Jiri Stajner verwandelter Elfmeter kurz vor dem Ende der regulären Spielzeit brachte den Niedersachsen das 2:2 und einen eher glücklichen Punkt gegen die Mannschaft von Bruno Labbadia.

Tschechische Gefühlswelten: Stajner (r.) jubelt nach dem Ausgleich, Jarolim (2.v.r.) ist niedergeschlagen
Tschechische Gefühlswelten: Stajner (r.) jubelt nach dem Ausgleich, Jarolim (2.v.r.) ist niedergeschlagen

Im späten Sonntagsspiel konnten sich die Leverkusener dann auch über das Spiel der Bremer gegen Dortmund freuen. Werder ging in der zweiten Hälfte sichtbar die Kraft aus - Barrios sorgt mit seinem Tor für einen verdienten Punkt des BVB. Damit setzt sich Bayer von der Verfolgern ab und hat vor der Länderspielpause drei Punkte Vorsprung vor Bremen und Hamburg.

Wenig gemütlich gestaltete sich das Wochenende in München für den FC Bayern. Zum einen erklärte Lothar Matthäus den Verein zu seinem Problem, zum anderen sind die Chancen auf Spiele in der Champions League, wenn die Tage wieder länger werden, nach der Heim-Niederlage gegen Bordeaux auf ein Minimum gesunken. Entsprechend missgelaunt forderte Philipp Lahm vor dem Spitzenspiel gegen Schalke, seine Vereinsoberen mögen eine Strategie entwickeln, nach der künftig in München Fußball gespielt werde.

Das folgende 1:1 verlieh dem Ansinnen des Nationalspielers einen gewissen Nachdruck. Dabei nahm zunächst der Schalker Stürmer Kevin Kuranyi den Münchnern einen Teil der Arbeit ab, als er deren Teilzeit-Stürmer Daniel van Buyten den Ball zum sechsten Tor in dieser Saison auflegte. Damit kommt der Belgier Thomas Müller gefährlich nahe, der mit sieben Toren in allen Wettbewerben derzeit der erfolgreichste Bayern-Spieler ist. Kurz vor der Pause glich der Schalker Nachwuchsspieler Joel Matip das Spiel aus. Felix Magath dürfte seine frühere Arbeitsstätte weitaus zufriedener verlassen haben als das jetzige Bayern-Personal. Luca Toni war schon in der Halbzeitpause nach seiner Auswechslung nach Hause gefahren und Uli Hoeneß kündigte dem vermeintlichen Führungsspieler Lahm nach dem Schlusspfiff deutliche Konsequenzen für sein Medienverhalten an: „Seien Sie sicher, dass er dieses Interview noch bedauern wird.” Am Sonntag wurden die Konsequenzen bekannt: Die Bayern-Krise: Alle auf den Kleinen.

Geradezu harmonisch dagegen die Stimmung in Stuttgart - jedenfalls verglichen mit den Vorwochen. Markus Babbel hatte in der Halbzeitpause der Champions-League-Partie in Sevilla ordentlich Dampf abgelassen, entsprechend couragiert erkämpften sich seine Spieler eine bessere Perspektive in diesem Wettbewerb, als sie die Bayern nun haben. Allzu sicher durfte sich Babbel des schwäbischen Aufschwungs trotzdem nicht sein, denn beim Auswärtsspiel in Mönchengladbach bekam es der VfB mit einem Gegner zu tun, gegen den kritische Beobachter Niederlagen nur selten verzeihen - und das, obwohl die Gladbacher noch am vergangenen Wochenende beim Hamburger Sportverein gewonnen hatten. Nach den 90 Minuten und dem 0:0 am Niederrhein dürfte Babbel ähnlich gut im Bilde sein wie zuvor. Es geht nicht so recht voran für den VfB, zuletzt gewannen sie am siebten Spieltag in Frankfurt. Das Stuttgarter Problem belibt ungelöst.

Mainz ist die beste Heimmannschaft der Liga

Internationale Ambitionen haben auch Hoffenheim und Wolfsburg, insbesondere die Hoffenheimer haben in den vergangenen Wochen nach mediokrem Saisonstart entsprechend positive Ergebnisse erzielt. Wolfsburg gelang zwar in der Champions League gegen Besiktas ein Sieg, in der Bundesliga aber war der Deutsche Meister zuletzt nur mäßig erfolgreich. Das änderte sich in Sinsheim: Zwar brachte Ibisevic die Hoffenheimer in Führung, doch der seit Wochen starke Misimovic und der „frische“ (Trainer Veh) Stürmer Grafite sorgten in der zweiten Hälfte für den 2:1-Sieg der Wolfsburger.

Eine Art Klassentreffen durfte in Mainz erwartet werden. Mit Nürnberg kam ein Mitaufsteiger aus der zweiten Liga zum FSV, mit Michael Oenning (Nürnberg) und Thomas Tuchel (Mainz) leiten zwei Trainer ihre Mannschaften an, denen in den vergangenen, für beide Vereine recht erfolgreichen Wochen das Prädikat der „neuen Generation“ an der Seitenlinie verliehen wurde. Das 1:0 für die Mainzer (Torschütze Soto) sorgt aber für tatsächlich sehr unterschiedliche Realitäten: Oenning und der „Club“ spielen weiter gegen den Abstieg, in Rheinhessen dagegen beginnt der Karneval für die beste Heimmannschaft der Liga noch euphorischer als sonst auf Platz sechs der Tabelle.

Gedrückte Stimmung in Bochum

In Bochum dagegen herrschte schon vor dem Anpfiff gedrückte Stimmung. Der Sportclub Freiburg reiste zum ersten Spiel nach dem Tod von Präsident Achim Stocker an, der dem Verein seit 1972 vorgestanden hatte. Die mit Trauerflor spielenden Freiburger waren im Duell der Abstiegskandidaten die bessere von zwei schlechten Mannschaften - und siegten durch einen Treffer von Michael Reisinger in der Nachspielzeit 2:1.

Noch schlimmer bleibt die Lage von Hertha BSC: Beim 0:1 gegen äußerst schwache Kölner wirken die Berliner wie ein sicherer Absteiger. Friedhelm Funkel bleibt glücklos - eine Mannschaft, die in zwölf Spielen auf ganze vier Punkte kam, hat bislang noch nie die Klasse gehalten.

12. Spieltag:

Freitag, 06.11.2009:

Bayer Leverkusen - Eintracht Frankfurt 4:0 (3:0)

Samstag, 07.11.2009:

FSV Mainz 05 - 1. FC Nürnberg 1:0 (1:0)
1899 Hoffenheim - VfL Wolfsburg 1:2 (1:0)
VfL Bochum - SC Freiburg 1:2 (0:1)
Bayern München - FC Schalke 04 1:1 (1:1)
Bor. Mönchengladbach - VfB Stuttgart 0:0

Sonntag, 08.11.2009:

Hannover 96 - Hamburger SV 2:2 (1:2)
Hertha BSC - 1. FC Köln 0:1 (0:0)
Werder Bremen - Borussia Dortmund 1:1 (1:0)



Text: FAZ.NET
Bildmaterial: AP, dpa, REUTERS

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