08. Mai 2008 Nachdem Spieler und Fans von Borussia Mönchengladbach nach der Rückkehr in die Bundesliga die Nacht zum Tag gemacht hatten, begann am Donnerstagmorgen mit leichten Kopfschmerzen schon wieder der Alltag. Aufstiegstrainer Jos Luhukay hatte seinen Jungs zwar grünes Licht für die spontane Party gegeben, am Tag nach dem entscheidenden 3:0-Erfolg gegen den SV Wehen Wiesbaden bat der Niederländer aber wieder pünktlich um 10.30 Uhr zum Auslaufen oder besser gesagt aktiven Ausnüchtern.
Es ist wichtig, diese Augenblicke richtig zu genießen, hatte Sportdirektor Christian Ziege, der gemeinsam mit Luhukay die neue Erfolgsmannschaft aufgebaut hat, seinen Profis am Abend noch mit auf den Weg gegeben: Denn sie sind schnell wieder vorbei, und dann beginnt die schwere Aufgabe, in der ersten Liga zu bleiben. Das ist aus meiner Sicht in den nächsten zwei Jahren unsere Aufgabe.
Bierduschen für Luhukay und Ziege
Vergessen wird die Jubelszenen vom Abend zuvor so schnell sicher niemand. Ziege und Luhukay wurden mit reichlich Bier geduscht, der Trainer landete sogar in voller Montur im Ermüdungsbecken. Dribbelkünstler Marko Marin war mit dem Mega-Bierglas in der Hand genau so flink unterwegs wie mit dem Ball und Mittelfeld-Motor Sascha Rösler half der Gedanke an künftige Duelle mit Bayern München oder Schalke 04 sogar ein wenig über den Verlust seiner blonden Mähne hinweg, die ihm noch auf dem Spielfeld abrasiert wurde.
Ziege hatte sich schon während der Ehrenrunde von Trainer und Mannschaft ein wenig zurückgenommen. Ganz allein saß der Manager-Neuling nach seiner Reifeprüfung auf der Ersatzbank. Im vorigen Sommer musste er nach dem bitteren Abstieg um Kapitän Oliver Neuville eine neue Mannschaft aufbauen. 15 Spieler gingen, elf neue kamen und dank Neuzugängen wie Torjäger Rob Friend (16 Saisontore), Rösler oder Defensivstratege Patrick Paauwe kehrte der Erfolg zurück nach Gladbach.
Vier bis fünf Verstärkungen gesucht
Unser Ziel war ganz klar, es gleich im ersten Jahr zu schaffen. Viele hatten uns das nicht zugetraut. Wir haben es trotzdem geschafft, sagte Ziege zufrieden. Es war keine einfache Aufgabe, zumal es für mich sehr neu war. Ich behaupte aber, dass ich in 16 Jahren Profi-Fußball mitbekommen habe, worauf man achten muss. Jetzt sucht er gemeinsam mit Luhukay vier bis fünf Ergänzungen für die neue Saison, das Gerüst steht nach Worten Zieges indes bereits.
Wir haben Vertrauen in die Mannschaft. Wir haben sie so zusammengestellt, dass sie auch in der Bundesliga bestehen kann, meinte Luhukay, der am Sonntag rund um die offizielle Aufstiegsparty mit einem Punkt gegen den SC Freiburg noch den Meistertitel als Sahnehäubchen holen will. In der 2. Liga war die Borussia das Maß aller Dinge. Die meisten Tore (66) und Siege (17), die wenigsten Gegentreffer (33) und Niederlagen (3) - da ist der Aufstieg die logische Konsequenz.
Löw lobt und macht Neuville Hofnung
Selbst Joachim Löw, der als einer von 41.508 Zuschauern im Borussia-Park vor allem seinen Europameisterschaftskandidaten Oliver Neuville beobachtete, war voll des Lobes. Borussia hat über die gesamte Saison sehr konstant gespielt und hat sehr gute Einzelspieler, sagte der Bundestrainer, der Borussia-Kapitän Neuville nach dessen erneut guter Leistung Hoffnung machte.
Bei Oliver weiß man, was er kann. Er hatte großen Anteil am Aufstieg, sagte Löw über den zurückhaltenden Stürmer, der Gladbach die Treue gehalten hatte. Die EM wäre natürlich für mich der schönste Sommer-Urlaub, meinte Neuville.
Text: FAZ.NET mit Material von sid
Bildmaterial: AP, ddp, dpa, REUTERS
