Von Michael Horeni
25. April 2008 Wenn es den Europapokal nicht gäbe, dann könnte bei den Bayern auf viele Jahre alles so bleiben, wie es ist. Kaum etwas müsste sich ändern bei einem Klub, der in Deutschland so zuverlässig Titel gewinnt, wie ansonsten nur Engländer Elfmeterschießen verlieren. Toni hätte weiter in Florenz die Tifosi mit seinen Toren entzücken können, Ribéry die Franzosen mit seinen Kunststücken, und Klinsmann müsste im Sommer gar nicht erst seine Koffer in Kalifornien packen.
Denn an diesem Wochenende, wenn wieder mal nur die kleine Welt der Bundesliga zum Maßstab wird, kann sich der deutsche Rekordmeister mit einem Sieg gegen den Titelverteidiger VfB Stuttgart schon wieder hochleben lassen und sich sein 21. Meisterschaftsschleifchen anstecken - vorausgesetzt, Werder Bremen verlöre in Karlsruhe, und Schalke bliebe in Hamburg ohne Sieg. Die Münchner wären dann schon fünf Spieltage vor Schluss auf uneinholbaren Abstand zur nationalen Konkurrenz gegangen - was in rund 45 Jahren Bundesliga erst zwei (natürlich Münchner) Mannschaften gelungen ist. Den DFB-Pokal haben die Bayern, die wie zuletzt vor über zwanzig Jahren vom ersten Spieltag an auf Platz eins standen, ja auch schon am vergangenen Samstag en passant gegen Dortmund mitgenommen. Da gibt es in Zukunft für Klinsmann und Co. nicht mehr viel zu gewinnen.
Schwächen in Dynamik und Systematik? Einfach weggejubelt
Aber im Uefa-Pokal erleben die Bayern - die sich dort anfangs wie pikierte Touristen vorkamen, die von der Reiseleitung versehentlich auf dem Campingplatz einquartiert wurden, obwohl sie doch wie immer das Fünf-Sterne-Resort gebucht hatten - immer wieder ihre europäische Erdung. Das 1:1 gegen Zenit St. Petersburg, vermutlich kein Klub, der auf Dauer die Champions League aus den Angeln heben wird, reihte sich nahtlos an die spielerisch stumpfen Auftritte gegen das spanische Mittelklasseteam vom FC Getafe.
Das 3:3 im Rückspiel wurde zwar zum bayerischen Jahrhundert-Willensepos verkitscht. Aber dass es sich dabei nur um ein Viertelfinale der zweiten europäischen Reihe handelte, darüber wurde ebenso hinweggejubelt wie über die sportlich bedenkliche Tatsache, dass der Vorortklub den Bayern an Dynamik und Systematik weit voraus war. Auch St. Petersburg zeigte in München in der zweiten Halbzeit des ersten Halbfinals, dass Stil und Tempo der Bayernspieler noch sehr weit von europäischer Spitzenklasse entfernt sind - viel weiter, als es die Hoffnung auf ein erfolgreiches Rückspiel in Russland nahelegt.
Text: F.A.Z.
Bildmaterial: ddp
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