2:1 in Hoffenheim

Mit Wolfsburg bleibt zu rechnen

Von Oliver Trust, Sinsheim

Die Freude der Drillinge: Grafite (m.) lässt sich für den Wolfsburger Siegtreffer feiern

Die Freude der Drillinge: Grafite (m.) lässt sich für den Wolfsburger Siegtreffer feiern

07. November 2009 Grafite hatte sich bei seinem Trainer Armin Veh schon mehrmals für dessen besondere Geste bedankt. In Interviews und auch persönlich. Trotzdem schien er am Samstag in der Sinsheimer Rhein-Neckar-Arena das Gefühl zu haben, die Dankesbekundungen könnten nicht genügt haben. Erst vor wenigen Tagen war der Torschützenkönig der vergangenen Bundesligasaison aus Brasilien zurückgekehrt. Veh hatte den Mann, der nicht mehr traf wie früher und darauf frustriert und gereizt reagierte, für eine Woche in Erholungs- und Entspannungsurlaub in seine Heimat geschickt.

Beim Auswärtsspiel gegen 1899 Hoffenheim dankte Grafite in der 57. Minute seinem Trainer nach den drei Spielen Pause ein weiteres Mal, indem er das 2:1 erzielte. Sein drittes Saisontor war gleichzeitig der Siegtreffer in einem am Ende überaus spannenden Spiel. Spannend wurde es, weil Wolfsburg viele Chancen vergab und es den Hoffenheimern ermöglichte, fast noch zum Ausgleich zu kommen.

Die Freude der Drillinge: Grafite (m.) lässt sich für den Wolfsburger Siegtreffer feiern
Die Freude der Drillinge: Grafite (m.) lässt sich für den Wolfsburger Siegtreffer feiern

Nach der Wolfsburger Steigerung in der zweiten Halbzeit wäre ein deutlicher Auswärtssieg möglich und verdient gewesen. Was aber vor allem Edin Dzeko vor dem Tor aus seinen Möglichkeiten machte, konnten 29.400 Zuschauer in der Sinsheimer Arena kaum fassen. Bei seiner letzten Chance schaffte es der Wolfsburger Stürmer nicht, den Ball aus einer Entfernung von vier Metern im Tor unter zu bringen.

Zunächst aber hatte eine andere Mannschaft das Spiel geprägt. Hoffenheim eroberte sich, angetrieben durch den erstmals vom brasilianischen Nationaltrainer Carlos Dunga in den Kader der „Selecao“ berufenen Carlos Eduardo, eine Überlegenheit im Mittelfeld und setzte die Wolfsburger unter Druck. Das Halbzeitergebnis von 1:0 war deshalb eher schmeichelhaft für die Mannschaft von Armin Veh. Das Führungstor in der 22. Minute hatte seine Ursprungsgeschichte im Zuständigkeitsbereich des besonders motivierten Kader-Debütanten Eduardo. Der Brasilianer gewann einen Zweikampf gegen seinen Nationalteam-Kollegen Josue, Maicosuel flankte, der Bosnier Vedad Ibisevic setzte sich gegen Riether durch und köpfte sein fünftes Saisontor. Sein sechstes verpasste er in der 28. Minute, als Hoffenheim dreimal hintereinander durch ihn, Beck und Maicosuel vergab.

Hoffenheimer Versäumnisse rächen sich nach der Pause

Glück hatten auf der anderen Seite die Hoffenheimer in der 26. Minute, als Torwart Timo Hildebrand einen Freistoß von Zvjezdan Misimovic völlig unterschätze. Der Ball strich nur ganz knapp am Tor vorbei. Die erste Wolfsburger Chance hatte Grafite, der sich gegen Hildebrand den Ball weit vorlegte und dann über den Hoffenheimer Torwart stürzte - Schiedsrichter Thorsten Kinhöfer pfiff zum Ärger der Wolfsburger keinen Elfmeter.

Hoffenheim versäumte es in den ersten 45 Minuten, einen höheren Vorsprung herauszuspielen. Was sich nach der Pause rächen sollte. Die Mannschaft schaffte es nicht mehr, den Druck der ersten Hälfte aufbauen. Wolfsburg dominierte plötzlich, zeigte mit einem Mal einen klaren Spielaufbau und gewann im Mittelfeld die meisten Zweikämpfe. Für den 1:1-Ausgleich (52.) sorgte der Bosnier Zvjezdan Misimovic. Nun waren es die Wolfsburger, die auf geradezu unglaubliche Art und Weise Chance um Chance vergaben. Riether, Dzeko und zweimal der kurz vor Schluss ausgewechselte Grafite - der VfL hätte sich seine Schlussphase in der Tat um einiges angenehmer gestalten können. So mussten die Niedersachsen noch die Hoffenheimer Schlussoffensive überstehen. Am Ende stand für die Badener eine bittere Heimniederlage.

1899 Hoffenheim - VfL Wolfsburg 1:2 (1:0)
Hoffenheim: Hildebrand - Beck, Simunic, Compper, Eichner (82. Vukcevic) - Carlos Eduardo, Vorsah (59. Ba), Luiz Gustavo, Salihovic - Ibisevic, Maicosuel. - Trainer: Rangnick
Wolfsburg: Benaglio - Riether, Ricardo Costa, Madlung, Schäfer - Hasebe (77. Pekarik), Josue, Gentner - Misimovic (90. Baier) - Dzeko, Grafite (87. Kahlenberg). - Trainer: Veh
Schiedsrichter: Thorsten Kinhöfer (Herne)
Tore: 1:0 Ibisevic (23.), 1:1 Misimovic (52.), 1:2 Grafite (57. )
Zuschauer: 29.400
Gelbe Karten: Hildebrand, Simunic (2), Ibisevic (4) - Josue (4), Hasebe (2), Misimovic (2)



Text: FAZ.NET mit sid
Bildmaterial: REUTERS

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