Eintracht Frankfurt

Willenlos und ermattet – Caio verpasst den Anschluss

Von Josef Schmitt

19. Juli 2008 Es war des Dramas nächster Akt. Zum zweiten Mal innerhalb von fünfzehn Tagen hat der Frankfurter Fußballprofi Caio einen Laktattest vorzeitig abgebrochen. Bei diesem Test müssen die Spieler insgesamt 6400 Meter laufen, zunächst viermal drei Runden (also viermal 1200 Meter), danach einmal vier Runden, also 1600 Meter. Kurz nach dem Trainingsstart am 3. Juli hatte Caio, wenn auch mit Mühe, bei der letzten Serie immerhin noch eine Runde geschafft, sank er diesmal sogar noch eine Runde früher ermattet auf die Bank. Trainer Friedhelm Funkel war erschüttert.

Das gute Zureden in den letzten beiden Wochen hat nichts genützt, auch die dosierten zusätzlichen Trainingseinheiten und die verordnete Diät haben nichts gebracht. „Das ist alleine eine Sache des Willens“, glaubt der Trainer, „es liegt ganz alleine an ihm.“

Dem 22 Jahre alten Mittelfeldspieler fehle es ganz offensichtlich an der Willensstärke, die ein Fußballprofi aufbringen muss, um seiner gutbezahlten Arbeit erfolgreich nachgehen zu können. Mit Willen lasse sich viel erreichen, sagt der Trainer. Viele Spieler seien in der Vergangenheit an der fehlenden Willensstärke gescheitert. „Und andere“, so Funkel, „haben mit viel weniger Talent 300 Bundesligaspiele gemacht.“ Vielleicht hat der Frankfurter Trainer da auch an sich selbst gedacht.

Gibt Caio alles?

Caio, im letzten Winter für fast vier Millionen Euro von Palmeiras São Paulo geholt, gelingt es nicht, den Eindruck zu vermitteln, dass er wirklich alles gibt, um sich aus seiner von ihm selbst verursachten misslichen Lage zu befreien. „Sie haben es ja selbst gesehen“, antwortete Trainer Funkel auf Nachfragen der Medienvertreter. In der Tat war Caios Leistung auf der Laufbahn im Stadion am Riederwald bemitleidenswert. Auch das gute Beispiel einiger anderer Kollegen konnte den Spieler nicht aus der läuferischen Reserve locken.

So hat Aaron Galindo, gerade erst aus dem Urlaub zurückgekehrt, den Test ebenso durchgestanden wie Neuzugang Nikos Liberopoulos, der den Trainer zuvor sogar noch informiert hatte, dass er im Urlaub kaum etwas für die körperliche Konstitution getan hat. Doch der bald 33 Jahre alte Grieche hat ebenso wie Galindo auf der Laufbahn gekämpft, Caio nicht. Vor Galindo müsse er den „Hut ziehen“, lobte der Trainer. Der Mexikaner habe ja auch noch die Zeitumstellung zu verkraften gehabt. Und bei Liberopoulos habe man eben den Willen gespürt, nicht zu versagen. Bei Caio nicht.

Wie es weitergeht mit dem Brasilianer? „Wir werden weiter versuchen, ihn ganz behutsam heranzuführen“, versichert der Frankfurter Fußball-Lehrer. Funkel will ihn also noch nicht aufgeben, den Kampf um Caios körperliche Verfassung. Nur ein guter Fitnesszustand würde es dem Brasilianer erlauben, seine fußballerischen Qualitäten gewinnbringend einzubringen. Wie lange Funkels Geduld noch reichen wird, ist unklar.

Spycher: Wir müssen Caio helfen

Bei den Mitspielern herrscht Mitleid vor. Kapitän Ioannis Amanatidis hat Caio am Freitag auf der Bank kurz abgeklatscht und ihm aufmunternd auf die Schulter geklopft. Der stellvertretende Spielführer Christoph Spycher sagt, „dass wir ihm jetzt helfen müssen, damit er die Moral nicht verliert“. Es gibt allerdings Anzeichen, dass dies längst geschehen ist und Caio als ein teures Missverständnis in die Annalen der Eintracht eingehen wird. Vielleicht bietet sich Caio schon in den nächsten Tagen die letzte Chance, den Anschluss noch zu finden. Von heute an üben die Frankfurter im zweiten Trainingslager in Kärnten vor allem im technischen und taktischen Bereich. Mit dem Ball wird Caio mehr Spaß und weniger Probleme haben.

Insgesamt nimmt Trainer Funkel 24 Spieler mit nach Österreich, darunter sechs Spieler aus der U 23. Neben den schon länger verletzten Spielern wird auch Neuzugang Alexander Krük fehlen, der in Frankfurt eine Mittelfußprellung auskuriert. An diesem Samstag bestreitet die Eintracht wenige Stunden nach dem Flug mit einer Chartermaschine nach Klagenfurt in Wolfsberg (19 Uhr) ein Privatspiel gegen WAC St. Andrä. Den Höhepunkt der Saisonvorbereitung werden Eintracht-Fans, nun sogar im Fernsehen verfolgen können: Das Privatspiel zwischen Frankfurt und Real Madrid am 12. August (20.30 Uhr, Frankfurter Arena) wird vom Hessischen Rundfunk live übertragen.



Text: F.A.Z.
Bildmaterial: Wonge Bergmann

 
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