Von Lisa Zeitz
26. Dezember 2006 Thomas Krens ist es gelungen, als Direktor des Guggenheim Museums seit 1988 eine der umstrittensten Persönlichkeiten im Kunstbetrieb zu werden und zu bleiben. Es war Krens, der Begriffe wie Fundraising und Sponsoring zu polarisierenden Schlagworten gemacht hat, bei denen Museumsleute auf der ganzen Welt entweder glänzende oder feuchte Augen bekommen. Die Verquickung von Kunst und Kommerz in Ausstellungen wie The Art of the Motorcycle oder der schamlos schönen Hommage an Armani hat Krens viel Kritik eingebracht, aber wohl auch ein bisher unmotiviertes Segment der Bevölkerung zu Museumsbesuchern gemacht.
Krens, dessen Präsenz schon durch seine imposante Größe beeindruckt, ist zwar Volkswirtschaftler und Kunsthistoriker mit mehrfacher Ehrendoktorwürde, aber auch leidenschaftlicher Motorradfahrer. Die wilden Ausflüge durch die Wüste von Las Vegas oder über die Alpen mit Schauspielerfreunden wie Laurence Fishburne, Jeremy Irons oder Lauren Hutton sind legendär. So hat Krens dem neutralen Ort Museum einen ordentlichen Schuß Motorenöl und Moschus versetzt. Das maskuline Element zieht sich auch durch Groß-Ausstellungen, die nicht einfach nur chinesischer oder russischer Kunst gewidmet sind, sondern die gleich 5000 Jahre China beschwören oder Russia! heißen.
Hochachtung vor McGuggenheim
Vor dem Jahr 2001 aggressiv verfolgte Ambitionen, das Guggenheim zu einer internationalen Marke zu machen und spektakuläre Museumsbauten in aller Welt zu errichten, brachten der Institution einerseits den höhnischen Spitznamen McGuggenheim ein, aber sie bescherten Thomas Krens andererseits von vielen Seiten die höchste Hochachtung. Ohne den barocken Bauherrn Krens hätte es Frank Gehrys bombastische Architektur für Bilbao nie gegeben, daran kann kein Zweifel herrschen. Die Kosten trug dabei Bilbao, die Kontrolle über die Ausstellungen behält Krens - aus finanzieller Perspektive ein New Yorker Geniestreich im Baskenland.
Das Netzwerk erstreckt sich über die Peggy Guggenheim Collection in Venedig, die Räume der Deutschen Bank in Berlin und ein Gemeinschaftsprojekt mit der Eremitage in Las Vegas. Andere architektonische Projekte blieben bisher auf dem Papier, wie zum Beispiel Jean Nouvels Bau in Rio de Janeiro oder Hans Holleins Museum in Salzburg, das sich drei Stockwerke tief in das Gestein des Mönchsbergs bohren will. Eine weitere, vertraglich abgesicherte Sensation ist aber für die Arabischen Emirate geplant, wo Krens mit Scheich Mohammed bin Rashid Al Maktoum an einem Strang zieht, um ein, wieder von Frank Gehry entworfenes Riesenmuseum, das Guggenheim Abu Dhabi, bis zum Jahr 2012 zu errichten.
Die Herrschaft über die weiße Betonspirale am Central Park, die Frank Lloyd Wright in den vierziger Jahren für den Kunstsammler Solomon Guggenheim erbaute, hat Krens im vergangenen Jahr seiner langjährigen Kollegin Lisa Dennison überlassen. Krens bleibt Direktor der übergeordneten Guggenheim Foundation und ist nicht zimperlich, wenn es um seine Expansionspolitik geht. Als es im Vorstand zwischen Krens und dem Milliardär Peter Lewis zum Konflikt kam, nahm Lewis seinen Hut, obwohl er dem Guggenheim Museum im Lauf der Jahre insgesamt 77 Millionen Dollar gespendet hatte. Krens bleibt, und die Segel sind weiterhin auf Expansion gesetzt. Am 26. Dezember wird Thomas Krens sechzig Jahre alt.
Text: F.A.Z., 23.12.2006, Nr. 299 / Seite 48
Bildmaterial: AFP, picture-alliance / dpa
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