Auktion

Wange an Wange

Von Vita von Wedel

25. Mai 2007 Sein achtzigjähriges Bestehen feiert das 1927 von Ernst Hauswedell gegründete Hamburger Auktionshaus mit gleich fünf ambitionierten Katalogen für zwei Tage und erstmals mit einem „Evening Sale“, in dem Ausgewähltes aus dem Bereich der Klassischen Moderne und einige Sahnestücke aus der Kunst nach 1945 zum Aufruf kommen. Das höchstdotierte Los ist Alexej von Jawlenskys zweiseitiges Gemälde „Frauenkopf mit roter Wange“ und „Brauner Frauenkopf“, entstanden in seiner fruchtbarsten Schaffensphase für weibliche Köpfe um 1912/13. In den zwanziger Jahren befand sich das Werk im Besitz der Familie Stern, die einst das Folkwang-Museum unterstützte. Nun kommt es aus einer amerikanischen Privatsammlung auf den Markt und ist auf 800.000 Euro geschätzt.

Von hohem Reiz sind auch Otto Muellers 84,5 mal 109 Zentimeter messende „Sechs Mädchenakte am Strand“, die fast skizzenhaft licht mit Leimfarbe auf Rupfen gemalt sind und vielleicht um 1913 während eines Besuchs bei Kirchner auf Fehmarn entstanden. Das Gemälde war zuletzt in den achtziger Jahren als Leihgabe an die Kunsthalle Mannheim in der Öffentlichkeit zu sehen und ist nun mit 600.000 Euro beziffert. Egon Schieles Landschaftsgemälde „Schnee“, 1908 gegen Ende seiner Zeit an der Akademie schon summarisch und mit charakteristischem Rhythmus erfasst, soll 150.000 Euro einspielen. Edvard Munch ist unter anderem mit seinem großformatigen farbigen Holzschnitt „Frauen am Meeresufer“ aus dem Jahr 1898 in einem hervorragend schönen Druck vertreten, für den der Katalog 120.000 Euro notiert.

Noldes Menschenstudien

Ein Hauptwerk der Graphik der zwanziger Jahre ist Otto Dix' Folge „Fünf Radierungen“, die 1920 in Dresden in einer Auflage von nur zwanzig Exemplaren erschien: Das einheitlich numerierte Exemplar in der guterhaltenen Original-Mappe ist auf 90.000 Euro geschätzt. Dieselbe Taxierung gilt für Barlachs Lebzeitguss der Bronze „Der Zweifler“ von 1930 und kurz darauf auch für Lesser Urys typisches Pastell der zwanziger Jahre „Unter den Linden mit Blick auf das Brandenburger Tor“, komplett mit kastigen schwarzen Automobilen und Damen mit Regenschirmen. Emil Nolde ist mit einem farbfrisch orange-violett leuchtenden „Mädchenkopf mit braunem Haar“ von 1925 vertreten, einem jener blattfüllenden Menschenstudien, die das erklärte Anliegen des Künstlers waren (Taxe 80.000 Euro).

Das höchstkarätige Los bei den französischen Künstlern ist Matisses farbenfrohe Aquatintaradierung „Marie-José en robe jaune“ in einem vorzüglichen Probedruck, für geschätzte 110.000 Euro. Ernst Wilhelm Nays konzentriertes vollgültiges Scheibenbild „Finsternis“ von 1959, im Format von 89 mal 116 Zentimetern, kommt für 120 000 Euro zum Aufruf - und schließlich für 60.000 Euro Martin Kippenbergers unbetitelte dreidimensionale Latexarbeit mit Holzscheiten und Lebensmitteln aus dem Jahr 1990.

Von Liebe und Frühling

Strahlender Höhepunkt bei den Alten Meistern ist Rembrandts große Radierung „Landschaft mit den drei Bäumen“ von 1643 in einem herausragenden Frühdruck aus einer amerikanischen Sammlung für 190.000 Euro. Ein eigener Katalog mit augenfälligem Faksimile-Einband ist dem fast kompletten graphischen Werk von Heinrich Vogeler aus einer deutschen Privatsammlung gewidmet: darin Vogler'sche Inkunabeln wie die komplette Mappe „An den Frühling“ mit 4000 Euro, die 1899 im Insel-Verlag erschien, dazu deren einzelne Blätter in unterschiedlichen Druckzuständen und die großen Blätter „Liebe“ und „Frühling“ für je 2400 Euro. Die „Kunst nach 1945“ schließlich spannt den Bogen von Hanne Darbovens sechzehnteiliger handschriftlicher „20. Variante“ von 1975 (20.000) über Rupprecht Geigers flammend rot-orangefarbene Komposition „416/64“ von 1964 (18.000) bis zu George Warren Rickeys knapp vierzig Zentimeter hoher, stählern-eleganter kinetischer Plastik „A Theme“ von 1986 für 25.000 Euro.



Text: F.A.Z.
Bildmaterial: Hauswedell & Nolte

 
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